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Lübeck Lübecks Altstadt: Holstentor ohne Autos?
Lokales Lübeck Lübecks Altstadt: Holstentor ohne Autos?
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20:14 09.11.2018
Die Zukunft der Altstadt: Sollen künftig keine Autos mehr um das Holstentor herum fahren? Darüber bestimmen die Lübecker jetzt mit. Quelle: Foto: Timon Ruge
Lübeck

Startklar für die Zukunft: Die Planungswerkstatt für die Innenstadt hat begonnen. Gut 160 Lübecker waren gestern in der Musik- und Kongresshalle (MuK) und wollten die Altstadt mitgestalten. Knackpunkt: der Verkehr. Dazu stellt die Stadt mehrere brisante Varianten vor. Am heutigen Sonnabend entscheiden die Bürger darüber – in der MuK um 9.30 Uhr.

Gut 160 Lübecker sind am ersten Tag gekommen. Am Sonnabend, 10. November. geht es weiter.

Klare Kante: „Es ist schon erstaunlich, dass man durchs Unesco-Weltkulturerbe hindurch fahren kann“, macht Wolfgang Haller klar, Chef bei SHP Ingenieure aus Hannover. Sein Büro hat die Vorschläge aus der großen Perspektivenwerkstatt im Juni ausgewertet. Damals gab es eine Bürgerbeteiligung mit 200 Lübeckern. Das Ergebnis: kein Durchgangsverkehr mehr in der Altstadt. Hallers Büro hat daraus konkrete Vorschläge gemacht. Alle Varianten zu den Themen Busse und Autos sind miteinander kombinierbar.

Das sind Varianten der Stadt zum Verkehr in der Altstadt. Die wurden aus den Ideen der Perspektivenwerkstatt im Juni erarbeitet. Quelle: Jochen Wenzel

Altstadt ohne Autos

Thema Autos. „Wir halten es für sinnvoll, den Durchgangsverkehr aus der Altstadt herauszuhalten“, sagt Haller. „Dadurch entstehen Gestaltungsmöglichkeiten.“ Es gibt drei unterschiedliche Varianten, die alle kombinierbar sind. Nummer eins: Gesperrt wird die Beckergrube ab Fünfhausen bis zum Burgtor. Dadurch können keine Autos mehr durch die Altstadt fahren. Nummer zwei: Gesperrt wird die Holstenstraße bis zum Markt. Die Autos müssen über Untertrave, Beckergrube, Fünfhausen zum Parkhaus Wehdehof fahren oder weiter über Schüsselbuden zum Parkhaus Schmiedestraße. Nummer drei: Die Straße An der Untertrave wird gesperrt zwischen Holstenstraße und Beckergrube.

Autofreies Holstentor?

Die radikale Lösung: Kombiniert man Variante zwei und drei, dann gebe es ein Holstentor ohne Autos. „Damit würde man ein autofreies Holstentor hinbekommen“, sagt Haller. Es sei immerhin das Wahrzeichen der Stadt. Die Autos müssten dann einen weiten Umweg fahren über die Willy-Brandt-Allee und die Drehbrücke, um dann über einen Abschnitt der Untertrave über die Beckergrube zu den Parkhäusern zu kommen. „Außerdem wäre auch die Holstenstraße fast autofrei“, sagt Haller. Und: „Die Untertrave könnte als Flaniermeile der Obertrave fortgesetzt werden.“ Kommt die Variante eins noch mit dazu, dann gebe es gar keinen Durchgangsverkehr mehr in der Innenstadt. „In der Beckergrube wäre genügend Raum für einen Theaterplatz – und das Holstentor hätte keine Autos.“

Noch mehr Ideen

Thema Fußgänger: Vor allem für sie soll mehr Platz geschaffen werden. „Wer zu Fuß geht, für den gibt es nicht die besten Bedingungen“, sagt Wolfgang Haller von SHP Ingenieure. Vor allem für die Fußgänger soll mehr Platz geschaffen werden, wenn es weniger Autos in der Altstadt gibt. So ist ein Platz in der Beckergrube geplant – direkt vor dem Theater. Die Bürgersteige sollen natürlich barrierefrei werden.

Thema Radfahrer: „Die vorhandene Fahrradstraße funktioniert nicht“, sagt Haller. Sie führt durch die östliche Altstadt unter anderem durch Schlumacherstraße, Balauerfohr, St. Annen-Straße – meist über Kopfsteinpflaster. Deshalb müsste sie einen neuen Belag bekommen, so Haller. Er schlägt zudem eine zweite Fahrstraße vor durch die westliche Altstadt – über Schüsselbuden, Schmiedestraße, Klingenberg. Außerdem könnte es zwei neue Brücken für Radfahrer und Fußgänger: eine Stadtgrabenbrücke und eine parallel zur Hubbrücke.

Thema Parken. Es werden Stellplätze in der Altstadt wegfallen. Die Idee: Parkhäuser. Die Bewohner der Altstadt sollen dort Parkplätze erhalten – und auch die Besucher der Altstadt werden zu Parkhäuser am Rande der Altstadt gelenkt. Thema Lieferverkehr: Es soll kleine Lieferzentren am Rande der Altstadt geben. Die Waren werden dort umgeladen in E-Autos oder mit Lastenfahrrädern in die Altstadt transportiert.

Weniger Busse in der Innenstadt

Thema Busse. „Die Überplanung des ÖPNV ist schon wünschenswert“, sagt Haller. Denn: Fast alle Linien fahren über die Innenstadt. Aber nur 40 Prozent der Fahrgäste in den Bussen wollen in die Altstadt. 60 Prozent fahren nur durch die Altstadt. Auch für dieses Thema hat Haller drei Varianten. Nummer eins: Durch die Königstraße fahren weniger Busse. Damit würde die Straße zwar nicht breiter, aber der Verkehr würde abnehmen. Nummer zwei: keine Busse in der Königstraße. Damit könnten Fußgänger und Radfahrer die Straße nutzen – und Radler in beiden Richtungen hindurchfahren. Nummer drei: gar keine Busse in der Altstadt. Die großen Busse würden nur um die Altstadt fahren. Von dort geht es mit Shuttle-Bussen in die Innenstadt hinein. Haller: „Das ist die teuerste Variante.“

Das Holstentor von morgen

So kommentiert LN-Redakteurin Josephine von Zastrow das Thema

Es klingt nicht sexy. Denn das Wort weckt keine Sehnsucht: Planungswerkstatt. Das hört sich an nach viel Arbeit, verbrauchter Luft – und Zeitverschwendung. Trotzdem: Hingehen! Heute. In der Musik- und Kongresshalle (MuK). Sonst werden sich die immer Gleichen über die Pläne der Altstadt beugen und die Zukunft der Stadt gestalten. Die Politiker, die Funktionäre, die Wichtigen – diejenigen, die ob ihrer Position sowieso genügend Einfluss haben, um ihre Interessen durchzusetzen.

Jetzt ist Otto Normalverbraucher gefragt – der Hafenarbeiter, die Krankenschwester, die Friseurin, der Bankangestellte, der Schüler, die Studentin, der Rentner, die Alteingesessene, der Neubürger. Denn es geht um die Zukunft unserer Stadt, um unsere Vision des Zusammenlebens, um unser Lübeck – überspitzt gesagt, geht es um das Holstentor von morgen. Und das ganz praktisch: Soll es ein Holstentor geben, um das die Lübecker rundherum im Sommer picknicken können? Ein Wahrzeichen, unter dem Glühweinstände zum Weihnachtsmarkt stehen? Oder wollen wir den Anblick des Holstentors genießen, immer wenn wir mit dem Auto auf unsere Altstadtinsel fahren?

Und wollen wir mit dem Auto in die Stadt fahren – oder lieber in einen Bus-Shuttle klettern? Oder uns auf Leihfahrräder setzen und durch die Stadt radeln? Oder besser mit Roller oder Motorrad den Markt erreichen? Oder sollen Wasser-Taxis die Altstadt ansteuern? Wenn wir diese Fragen nicht beantworten, dann tun es andere. Es wäre zu schade, diese Chance zu verpassen.

Josephine von Zastrow

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