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Lübeck Lübecker Artothek: Kunst zum Ausleihen
Lokales Lübeck Lübecker Artothek: Kunst zum Ausleihen
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08:28 21.04.2017
Nina Jakubczyk inmitten der Bilder, die im Mai zur Ausleihe bereit stehen. In Händen hält sie die Farbserigrafie „Blume und Zebra“ von Dieter Asmus, entstanden 1971. Quelle: Foto: Lutz Roessler
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Innenstadt

Die Geburt der Lübecker Artothek war eine ausgesprochen schwere: Anfang der 80er Jahre reiste der damalige Kulturamtsleiter Hans-Gerd Kästner durch die Republik, um Werke aus den 50er bis 80er Jahren aufzukaufen. Der hehre Gedanke: „Kunst fürs Volk“. Gelder für diesen guten Zweck kamen unter anderem von Heinrich Dräger, aber auch von der Possehl-Stiftung und von anderen Sponsoren. Doch in Ermangelung weiterer Mittel wurde nie etwas aus der Artothek. Währenddessen entstanden überall im Umfeld – die Linie reicht von Mölln bis Apenrade – solche Einrichtungen, die größte ist die Kieler Stadtbilderei mit mehr als 1200 Werken.

Soll’s vielleicht eine Grafik von Markus Lüpertz sein? Oder doch eher eine Arbeit von Joseph Beuys oder Horst Janssen? Nein? Vielleicht doch eher etwas gegenständlich-lübsches von Ingrid M.

„Endlich können wir die Kunst zeigen." Nina Jakubczyk

Die Hansestadt Lübeck bringt es inzwischen auf 950 Arbeiten von rund 250 Künstlern. Doch die sind eingelagert oder hängen – von der Öffentlichkeit meist unbeachtet – in Amtsstuben oder auf Fluren städtischer Einrichtungen. Dass aus der Idee des Verleihs nie etwas wurde, kreidete einst ein „Zeit“-Redakteur dem Lübecker Kunsthändler und SPD-Kulturpolitiker Frank-Thomas Gaulin an. Dass er, wie der Autor andeutete, als Kunsthändler ebenso wenig Sympathien für Artotheken hege wie ein Buchhändler für Bibliotheken, bezeichnet Gaulin heute als „dummes Zeug“. Es gehe vielmehr darum, dass seinerzeit „kein intellektuelles Konzept“ für die Artothek vorgelegen habe. Sinnvoll sei so etwas nämlich nur, „wenn man pro Jahr mindestens 10000 Euro zur Verfügung hat, um neue Werke anzukaufen, um auf dem Stand der Zeit zu bleiben.“ Eine Artothek, so Gaulin, „sollte kein statisches, sondern ein lebendiges Element sein.“

Zwar bietet auch die aktuelle Wiederbelebung der Artothek keine wirklich zeitgenössischen Werke, aber es ist ein Anfang. Im vergangenen Jahr hat die Leiterin des Kulturbüros, Nina Jakubczyk, die 800 Grafiken, die nicht in öffentlichen Gebäuden hängen, katalogisiert. „Sie sind ab Mai größtenteils verleihbereit“, sagt sie. Unterstützung bekam sie von zwei freien Mitarbeiterinnen, den Kunsthistorikerinnen Ruth Sina-Liedtke und Nina Beyer. Sie machten Fotos der Grafiken, verfassten Katalogtexte und ermittelten den aktuellen Wert der Bilder auf dem Kunstmarkt. Jakubczyk: „Die teuersten Grafiken – wie die von Richter und Baselitz – sind mehr als 1000 Euro wert.“

Aus 800 Arbeiten, darunter auch Fotografien, haben Nina Jakubczyk und ihre Helferinnen 85 für die erste Ausleihe ausgewählt – möglichst breit gestreut nach Stilrichtungen. Ein Bild kostet für ein Jahr Ausleihe 25 Euro. Ein Katalog beschreibt die einzelnen Arbeiten und die druckgrafischen Verfahren. Im nächsten Jahr soll dann Teil zwei der Artothek freigegeben werden. „Ein schönes Projekt“, freut sich die Leiterin des Kulturbüros, dass es nun endlich losgeht.

So funktioniert die Artothek

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 7. Mai, um 15 Uhr im Sitzungssaal des Fachbereichs Kultur, Schildstraße 12. Anmeldung erbeten bis 3. Mai unter Telefon 0451/1224104 oder per Mail an: kulturbuero@luebeck.de.

Von Montag bis Sonntag (8. bis 14. Mai) können die Kunstwerke zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden. Interessierte reservieren die gewünschten Arbeiten, die sie am Montag, 15. Mai, von 11 bis 17 Uhr abholen können. Das Kulturbüro schließt einen Vertrag. Ausleihe nur mit Personalausweis.

 Sabine Risch

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