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Lokales Lübeck Lübecker Bildungsfonds unterstützt 10 000 Kinder
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22:10 18.07.2016
„Solange wir dazu in der Lage sind, fließen die Mittel für den Bildungsfonds.“Hans-Jochen Arndt (Wessel-Stiftung)
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Lübeck

Im Kampf gegen die Kinderarmut in der Hansestadt gründeten Stiftungen und Verwaltung vor acht Jahren den Bildungsfonds. Kinder aus armen Familien sollten unbürokratisch unterstützt werden und Zuschüsse bei Ausflügen, Klassenfahrten, Arbeitsmaterial und Mittagessen erhalten. Der Fonds startete mit 1,5 Millionen Euro und förderte damals über 3000 Kinder. 2015 wurden aus dem Hilfstopf 10 000 Kinder unterstützt. Knapp 4,5 Millionen Euro wurden an Zuschüssen ausgekehrt. „Das ist ein Erfolgsmodell“, erklärt Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos).

Zuwendungen erhalten Familien, die auf Sozialhilfe, Hartz IV, Wohngeld, Asylbewerberleistungen oder Ausbildungsförderung angewiesen sind. Aber auch Geringverdiener, die knapp über Sozialhilfe oder Hartz IV liegen, können in den Genuss der Förderung kommen. Das Besondere an dem Bildungsfonds: Er integriert die Leistungen, die armen Kindern aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Jobcenter zustehen, und packt weitere Zuschüsse obendrauf – beispielsweise über 900 000 Euro jährlich für Kosten der betreuten Ganztagsschulen. Die Entscheidung, wer Zuschüsse erhält, treffen die Kita- und Schulleitungen. Alle Kitas und Schulen sind dabei, ebenso Berufsschulen und Privatschulen. Die Einrichtungen erhalten zu Beginn eines Kita- oder Schuljahres ein Budget, das anhand der Zahlen des Vorjahres berechnet wird.

Finanziert wird der Bildungsfonds zur Hälfte aus den Geldern des Bildungs- und Teilhabepakets sowie aus Landesmitteln. Das Land hat seine Zuwendungen für die Sprachförderung gerade deutlich auf 680 000 Euro aufgestockt. Sieben Stiftungen beteiligen sich mit zusammen 1,65 Millionen Euro. Der Betrag ist gedeckelt, aber nicht befristet. Hans-Jochen Arndt von der Jürgen-Wessel-Stiftung:

„Solange wir in der Lage dazu sind, fließen die Mittel weiterhin in den Bildungsfonds.“ Versuche der Stiftungen, Wirtschaftsunternehmen als Spender in größerem Umfang zu werben, sind dagegen gescheitert. Nathalie Brüggen von der Possehl- Stiftung: „Da hatten wir uns mehr erhofft.“

Mit 402 000 Euro ist die Stadt dabei. Der Fachbereich von Bildungssenatorin Weiher musste im vergangenen Jahr weitere 279 000 Euro zuschießen, weil die Ausgaben die Einnahmen des Bildungsfonds nicht deckten. „Das müssen wir begrenzen“, fordert die Senatorin. Das Erfolgsmodell stößt also an seine Grenzen – deshalb werden einige Regelungen verschärft. Für die Eigenbeteiligung von Eltern an Klassenausfahrten werden Pauschalen in verschiedener Höhe festgelegt. Die Zuschüsse für Arbeitsmaterial werden begrenzt. Außerdem werden Kitas und Schulen angehalten, die Mindestbeteiligung von einem Euro pro Mittagessen auch einzutreiben. Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport: „Es hat einige Schulen gegeben, in denen der Mindestbetrag für ganze Klassen auf null reduziert wurde.“

Bildungssenatorin Kathrin Weiher: „Das darf nicht zur Regel werden, damit wird ein falsches Signal gesetzt.“

Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen rechnen die Macher des Bildungsfonds nicht mit einem Rückgang der unterstützten Kinder. Weiher: „Ganz viele Alleinerziehende mit kleinen Kindern, die nicht arbeiten können, sind weiterhin auf den Fonds angewiesen.“ Ziel dieser Unterstützung sei, „dass wenigstens die nächste Generation aus der sozialen Not herauskommt“, erklärt Prof. Klaus-Peter Wolf-Regett von der Possehl-Stiftung.

In Zahlen

4,42 Millionen Euro hat der Bildungsfonds im vergangenen Jahr an Zuschüssen ausgeschüttet, im Jahr zuvor waren es 4,49 Millionen Euro.

1,5 Millionen Euro wurden für Mittagessenzuschüsse ausgegeben, 909 067 Euro für die Betreuung in Ganztagsschulen, 496 826 Euro für Klassenfahrten, 191 934 Euro für Ausflüge und 69 033 Euro für Arbeitsmaterial. Die Verwaltung kostete etwas über 25 000 Euro.

 Kai Dordowsky

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