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Lokales Lübeck Der Lübecker Dom muss renoviert werden
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20:12 16.09.2018
Die Dom-Pastoren Martin Klatt und Margrit Wegner im LN-Interview. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Ein Bauzaun am Fuß der Domtürme schützt vor möglichem Steinschlag. Pastorin Margrit Wegner und Pastor Martin Klatt werden die nächsten Jahre mit der Sanierungsmaßnahme an ihrer Kirche zu tun haben. Im LN-Interview erklären die Dom-Pastoren, wie es nun weiter geht. Sie benötigen auf jeden Fall viel Geld.

Haben Sie schon einmal vom kaputten Dom geträumt?

Pastorin Margrit Wegner: Nachts träume ich nicht vom Dom. Ich träume aber für den Dom, wie wir zum Beispiel unsere Gemeinde weiterentwickeln können.

Pastor Martin Klatt: Ich finde, dass der Dom ein traumhafter Ort ist. Und mit das Erste, was ich in dieser Gemeinde zu Beginn meines Dienstes gelernt habe, ist, dass der Dom nie fertig ist. Die Aufgabe stellt sich also jeder Generation immer wieder aufs Neue. Das kann einen natürlich ein bisschen stöhnen lassen. Denn das schöne Gefühl „Jetzt ist alles fertig“ wird sich hier nie einstellen. Das andere aber ist: Wir haben etwas als Aufgabe übernommen, den Dom zu erhalten und offen zu halten, und diese Aufgabe wird stets weitergereicht. Auf der „Dom-Baustelle“ zu arbeiten, sich entsprechend um den Bau und die Gemeinde als Gesamtheit zu kümmern, ist eine sympathische Vorstellung.

Sie sind ja auch mit der Dom-Baustelle groß geworden, bevor sie das Studium und die erste Pastorenstelle von Lübeck weggeführt hat...

Klatt: Das stimmt. In meiner Kindheit und Jugend war das Gefühl aber ein ganz anderes. Alle paar Wochen versammelte sich die Dom-Gemeinde, um wieder ein frisch restauriertes Kunstwerk im Kirchenschiff in Gebrauch zu nehmen, die Figuren auf dem Triumphkreuz kehrten zurück. In Erinnerung ist auch die Eröffnung des wiederaufgebauten Ostchores. Es gab in dieser Zeit des Wiederaufbaus dauernd etwas zu feiern, und das Bild des schönen Doms entstand Stück für Stück, und die Bilder der Zerstörung durch Palmarum 1942 verloren langsam ihre Dominanz. Das ist eine Kindheitserinnerung – vor dem Bretterzaun zu stehen und durch die Lücken den zerstörten Ostchor zu erblicken. Meine Großmutter wohnte in der Gemeinde, und das hat sich bei meinen Besuchen einfach eingeprägt.

Wegner: Ich habe das von meinem Vater gehört. Er ist hier die ersten Jahre hier zur Schule gegangen und hat mir das erzählt.

Gibt einem diese Erinnerung nicht auch die Gewissheit, dass man die Sanierung der beiden Türme in den nächsten Jahren sicherlich schon stemmen wird? Damals war die Aufgabe im Vergleich doch um mehrere Dimensionen größer...

Wegner: Das stimmt schon. Diese Wiederaufbau-Leistung durch ausgeprägten Bürgersinn ist in der Tat sehr beeindruckend, vor allem, weil man sich nicht auf eine kleine Lösung zurückgezogen hat, sondern gleich den ganz großen Wurf riskiert hat. Das relativiert natürlich manches bezüglich unserer bevorstehenden Aufgabe. Es gab damals einfach dieses Vertrauen „Es wird“, und dieses Vertrauen haben wir jetzt auch.

Klatt: Eins möchte ich noch ergänzen – die Initiative zum Wiederaufbau des Ostchors ist damals nicht von der Kirche ausgegangen, sondern ist aus den Kreisen Lübecker Bürgerinnen und Bürger entstanden, die den Anstoß gaben, obwohl es damals sehr ambitioniert wirkte.

Wie kaputt ist denn der Dom heute?

Klatt: So genau wissen wir das noch nicht. Wir haben vorgesehen, dies in einem Zeitraum von einem Jahr genau herauszufinden. Was sind die Schäden, an welchen Stellen sind sie genau, wie gravierend sind sie, und was werden dann die Maßnahmen sein, um diese Schäden zu beheben? Das sind Fragen, auf die wir nach Antworten suchen. Diese Voruntersuchungsphase als eigene Bauphase zu konzipieren, hat sich bei der Sanierung des Petri-Turmes enorm bewährt. Das kann man auch in der Sanierungsgeschichte ablesen – dort, wo man sofort angefangen hat mit der Maxime „Das ist es –jetzt machen wir mal“, ist es oft nur für kurze Zeit besser geworden. Schlimmstenfalls sind sogar noch mehr Schäden im Nachhinein entstanden.

Was passiert denn genau bei den Voruntersuchungen?

Klatt: Ich habe neulich Aufträge für Materialprüfungen, für Statiker, für eine Firma, die das ganze Bauwerk scannen wird, unterschrieben. Es wird eine Drohne fliegen, um die Türme zu fotografieren. So werden wir Erkenntnisse erhalten, über jeden Backstein und jede Fuge. Man konnte zum Beispiel nach diesen Bau-Analysen an St. Petri genau sehen, wann der Turm an welchen Stellen nachgebessert wurde. Vom Bild her war das wie eine bunte Landkarte; immer wieder wurde an einzelnen Stellen auch fehlerhaft saniert.

Wegner: Je gründlicher wir jetzt gucken, desto günstiger wird auch die Baumaßnahme ausfallen. Das hat die Erfahrung aus Petri gezeigt. Wir leben zwar in einer Zeit, wo alles immer schnell gehen muss. Aber hier muss man einen langen Atem haben.

Um wie viel Geld wird es gehen?

Klatt: Es gibt erst eine seriöse Hausnummer, wenn die Ergebnisse der Voruntersuchungen auf dem Tisch liegen. Man kann natürlich sagen „Petriturm mal zwei“.

Das wären also zirka fünfeinhalb Millionen Euro...

Klatt: Das kann aber nicht mehr als ein Richtwert sein. Daher sollte man die Untersuchungsphase abwarten.

Haben Sie Sorge, die Summe nicht zusammenzubekommen?

Klatt: Wir haben schon im Gemeindeleben ganz viel Unterstützung durch viele Menschen. Sie schaffen etwas, was durch Kirchensteuer allein gar nicht darstellbar wäre. Diese Erfahrung, von großer und verlässlicher Unterstützung, lässt uns mutig sein, dieses große Projekt angehen zu können.

Wegner: Und wir spüren direkt, dass das Herz der Lübecker an den Türmen hängt. Wenn die Idee gut ist, dann findet sich das Geld dafür schon. Wir haben die Zuversicht, es zu schaffen. Wir wissen zwar noch nicht genau wie, aber wir werden es schaffen.

Wann starten Sie Ihre Spendenkampagne?

Wegner: Am Reformationstag, der ja nun ein regelmäßiger Feiertag ist, laden wir zu einem Fest in den Dom ein. Mit guter Musik, gutem Essen, einem spannenden Vortrag. Das ist der Auftakt.

Soll dann erstmal das Geld für die Voruntersuchungsphase gesammelt werden?

Wegner: Die Finanzierung dafür steht schon größtenteils. Das sind rund 400 000 Euro. Wir sammeln entsprechend bald schon für die nächsten Bauphasen, die sich wohl über einige Jahre hinziehen werden. In Petri waren das insgesamt drei Jahre.

Ist schon ein Zeitpunkt absehbar für die Einrüstung der Türme, die ja dann ein paar Jahre bestehen bleiben wird?

Wegner: Das wird voraussichtlich Anfang 2020 passieren. Das Baugerüst wird von St. Marien zu uns wandern. Denn in dem Zeitraum, wo hier die Voruntersuchungen stattfinden, können an der Marienkirche die notwendigen Maßnahmen über die Bühne laufen. Auch dort sind ja wieder Schäden an den Türmen zu reparieren.

Wenn ich also im nächsten Jahr der Spendenkampagne „Sieben Türme will ich sehen“ Geld zukommen lasse, spende ich für St. Marien und nicht für den Dom, oder?

Klatt: Wir haben in der Dom-Gemeinde ein eigenes Spendenkonto speziell für die Sanierung der beiden Dom-Türme eingerichtet. Nur zur Klarstellung: Der Dom und die anderen Kirchen sind Identifikationssymbole in unserer Hansestadt, so dass die Gesamtspendenkampagne für alle Altstadtkirchen richtig und wichtig ist.

In St. Marien gibt es den „Marientaler“, damit Besucher der Kirche –insbesondere Touristen – ihren Beitrag zur Erhaltung des Baus leisten. Könnten Sie sich vorstellen, für eine begrenzte Zeit einen „Domtaler“ als Pendant dazu einzuführen?

Wegner: Nein. Eintrittsgeld für einen Kirchenbesuch wird es mit uns nicht geben. Da würde auch der Kirchengemeinderat nicht mitgehen. Der Dom als Haus Gottes und für die Menschen soll einfach auch für alle offen bleiben. Das wird bei uns aufgrund der großen Herausforderung auch überhaupt nicht diskutiert.

Michael Hollinde

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