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Lübeck Lübecker Grüne Angelika Büche schreibt Buch über Schizophrenie
Lokales Lübeck Lübecker Grüne Angelika Büche schreibt Buch über Schizophrenie
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17:32 09.04.2019
Angelika Büche von den Grünen liest in der Lübecker Essigfabrik aus ihrem Buch. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Das fast 170 Seiten starke „Mutmachbuch“ von Angelika Büche beginnt mit einer Warnung. „In den ersten beiden Kapiteln gibt es einige Stellen, die suizidale und selbstverletzende Handlungen beschreiben“, schreibt die Autorin. Ihr Sprung von einer Kölner Brücke, ihr Krankenhausaufenthalt, der Alltag in der Psychiatrie, der Kampf mit den Stimmen im Kopf – alles das kann bei Menschen in ähnlichen Situationen Rückfälle auslösen.

Buch über das Leben mit Schizophrenie

„Lass dich nicht ver-rückt machen“ heißt das Buch, mit dem Angelika Büche zeigen will, dass es auch mit der Diagnose Schizophrenie ein Leben geben kann. „Ich will die Botschaft verbreiten, dass das Leben mit dieser Diagnose nicht vorbei sein muss“, sagt Büche. Aber der Erstling der 51-jährigen Lübeckerin, an dem sie fünf Jahre geschrieben hat, dokumentiert Seite für Seite den kräftezehrenden Kampf, wenn Betroffene sich nicht in ihr Schicksal ergeben wollen.

Die Lesung in der Lübecker Essigfabrik

Am 24. April liest Angelika Büche um 19 Uhr in der Essigfabrik, Kanalstraße 26, aus ihrem Buch „Lass dich nicht ver-rückt machen“. Der Eintritt ist frei. Büche wird dabei zusammen mit einer Schülerin auch Cello spielen.

Das Buch ist im Verlag „edition assemblage“ erschienen und kostet 14,80 Euro. Büche will weitere Bücher schreiben: „Aber nie mehr über mich.“

Karriere als Musikerin

Büche stand vor einer Karriere als Cellistin, hatte Lehraufträge an Universitäten, tourte mit Leonard Bernstein und spielte beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF). „Ich war als Musikerin ganz oben“ erinnert sich die Lübeckerin, „ich verdiente viel Geld und aß in Hotels Erdbeeren zum Frühstück.“ Plötzlich erkrankte sie, Stimmen im Kopf befahlen die Selbsttötung. Die Autorin erklärt das mit einer Übersensibilität und Erlebnissen in der Kindheit, die sie im Buch aus Rücksicht auf Angehörige nicht ausführt.

Angelika Büche stand vor einer Karriere als Cellistin, als sie plötzlich erkrankte. Quelle: Lutz Roeßler

Schweigen über Schizophrenie

Schizophrenie ist eine Erkrankung, über die Betroffene in der Regel schweigen. Auch Büche hat lange geschwiegen, weil sie Jobs nicht gefährden wollte. Die Autorin arbeitete als Ergotherapeutin und Sozialarbeiterin. Büche: „Wenn man offen über die Schizophrenie redet, bekommt man höchstens Hilfsjobs.“ Jetzt ist die Autorin Frührentnerin, jetzt kann sie offen reden.

In die Sitzung mit Therapiehund

Angelika Büche ist seit zwei Jahren Kommunalpolitikerin, sitzt für die Grünen im Sozialausschuss. Dort hat sie bereits freimütig über ihre Krankheit berichtet und warmherzige Reaktionen erlebt. Zu den Sitzungen der Grünen bringt sie ihren Therapiehund mit. Und Kollegen von der CDU fahren sie nach dem Sozialausschuss nach Hause. „Alle wissen von meiner Krankheit“, sagt Büche. „Ich bin nicht mehr wahnhaft, habe nur noch depressive Phasen.“

Krankheit in die Schranken weisen

Früher sei sie „alle paar Monate abgeklappt“, erzählt die 51-Jährige, „dann war der Job weg und die Freunde auch.“ Früher musste sie hohe Dosen Psychopharmaka nehmen, um sich zu stabilisieren, heute nur noch geringe Dosen. Wenn sie spürt, dass sich eine depressive Phase nähert, dann meldet sie sich bei den Grünen eine Weile ab und besorgt sich einen Beratungstermin. „Ich kann das steuern“, sagt Büche. „Ich kann den gesunden Teil in mir so stärken, dass er den kranken Teil in die Schranken weist.“

Glücklich und Sozialpolitikerin

Eine Trennung von der Partnerin, den Tod des geliebten Therapiehundes oder den öffentlichen Auftritt bei einer Lesung – das alles hätte sie vor zehn Jahren in die Krankheit zurückgeworfen. „Jetzt mit 51 Jahren erlebe ich erstmals, wie es ist, wenn man nicht zusammenklappt.“ Die Autorin bezeichnet sich als glücklich, auch wenn sie mit ihrer Frührente keine großen Sprünge machen kann. Als Sozialpolitikerin ist sie jetzt auch die Stimme derer, für die Miete und Busfahrten nennenswerte Ausgaben sind.

Betroffene und Therapeutin

„Ich wollte kein Jammer-Buch schreiben“, erklärt die Autorin. Zu der Krankheit gibt es eine umfangreiche Literatur. „Ich war eine Betroffene, aber ich war auch Therapeutin“, sagt Angelika Büche, „das macht mein Buch einzigartig.“

Kai Dordowsky

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