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Lübeck Lübscher Holzkeller reist nach Berlin
Lokales Lübeck Lübscher Holzkeller reist nach Berlin
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11:25 28.08.2018
Während Bauhüttlerin Bianca Reichert (r.) die Vorbereitungen für den Abtransport des Holzkellers fotografisch dokumentiert, versucht ihr Teampartner Jeppe Kröger den Querbalken zu lösen. Zimmermann Eric Janssen steht zur Verladung auf den Lkw mit dem Gabelstapler schon bereit. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Speditionsfachmann Felix Keller und sein Team sind mit zwei großen Lkws, einem Gabelstapler sowie einem Kranfahrzeug angerückt. Ziel ist das Gelände vor Schuppen D auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Denn dort hat die Jugendbauhütte ihr Domizil. „Alles zusammen hier wiegt wohl an die 20 Tonnen“, sagt Eric Janssen und zeigt dabei sowohl auf die halb fertige Holzkonstruktion wie auch auf die gestapelten Eichenstämme. Der Zimmermann leitet als gelernter Fachmann die jungen Leute an, die bei der Jugendbauhütte Lübeck ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege absolvieren. Und seit geraumer Zeit widmen sich diese einem spektakulären Projekt, das nun eine bundesweite Bedeutung bekommt.

Denn: Im Rahmen des Europäischen Kulturerbe-Jahres konstruieren die „Bauhüttler“ in Kooperation mit den städtischen Archäologen einen historischen Holzkeller, datiert auf das Jahr 1180, nach Befunden aus dem Lübecker Gründungsviertel in Originalgröße. „Die Hälfte haben wir bereits geschafft; der Rest wird von uns live vor Ort in Berlin quasi als lebendige Baustelle gebaut und so der Holzkeller als Gesamtprojekt vollendet“, erklärt Dr. Ivalu Vesely, Leiterin der Jugendbauhütte.

Bundespräsident wird Ausstellung eröffnen

Es geht um die Ausstellung „Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland“ vom 21. September bis zum 6. Januar 2019 im Berliner Martin-Gropius-Bau. „Wenn der Bundespräsident seinen Rundgang zur offiziellen Eröffnung dort macht, möchten wir bereits mit Breitbeil et cetera bereitstehen und weiterbauen“, kommentiert Janssen. Er habe gehört, dass die Jugendbauhütte allein ein Sechstel der Gesamt-Ausstellungsfläche zur Verfügung habe.

Dass Lübeck in dieser Dimension auf dieser bundesweiten Archäologie-Schau mit großer Strahlkraft vertreten sei, gelte allein schon als große Auszeichnung, sagt Susanne Bieler-Seelhoff, Leiterin der Kulturabteilung im Kieler Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Neben dem Hauptsponsor der Jugendbauhütte, der Possehl-Stiftung, haben ebenfalls das Land, die Hansestadt, aber auch der Bund das Vorhaben finanziell unterstützt.

Wie Vorbild mit alten Werkzeugen gebaut

Ein zwölfminütiger Film als Dokumentation des Projektes ist dazu mit Unterstützung des Regisseurs und Autors Christian Mertens entstanden. Er zeigt das Werden des historischen Raumes, von der Auswahl der 14 Eichenstämme im Wesloer Forst bis zum Aufrichten der Konstruktion. „Und bis auf den Transport der Bäume zu uns geschah alles auf historisch korrekte Weise“, erläutert Eric Janssen, „wir haben also nur mit Werkzeugen aus dieser Zeit gearbeitet. Zudem haben wir wie beim historischen Vorbild keine Nägel verwendet und so nach einem Stecksystem ohne zusätzliche Verbindungselemente gebaut.“

Während der Großgrabung im Zeitraum 2009 bis 2016 auf der Altstadtinsel wurde fast auf jeder der 38 Parzellen ein Holzkeller gefunden. Die Räume unterscheiden sich in der Größe, nicht aber in der Bauweise und in ihren Holzverbindungen. Der älteste konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1166 datiert werden. „Mit dem Exponat machen wir daher in Berlin die Wurzeln unserer Stadt im Jubiläumsjahr sichtbar“, freut sich Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher. Und Dr. Dirk Rieger vom Bereich Archäologie und Denkmalpflege bemerkt: „Dazu präsentieren wir in der Ausstellung Wissenschaft zum Anfassen; das Abstrakte der Archäologie wird ins Dreidimensionale transformiert.“

Jugendbauhüttlerin Franka Wegner, die aus Lübeck stammt, sagt rückblickend: „Man musste sich am Anfang erst mal überwinden, mit diesen altertümlichen Werkzeugen zu arbeiten.“ Eine Bemerkung, die ihr Teamkollege Jeppe Kröger mit einem Nicken quittiert. „Da kann man sich gut vorstellen, dass da ein hoher Verschleiß an Personen mit verbunden war“, so der 20-Jährige.

Michael Hollinde

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