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Lübeck Lübecker Initiative will Solarboot bauen
Lokales Lübeck Lübecker Initiative will Solarboot bauen
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08:27 30.03.2016
So soll der Katamaran vom Typ Catalac nach der Umrüstung auf erneuerbare Energien aussehen.
Lübeck

„Wir wollen zeigen, wie einfach so ein Umbau mit bereits heute verfügbarer Technik möglich ist“, sagt Norbert Franke, 1. Vorsitzender der Initiative. Die Tüftler verstehen sich als Pioniere, die den Klimaschutz auf das Wasser bringen wollen. Allein in Europa sind nach Schätzung der Lübecker Gruppe noch 500000 Motorboote und Motoryachten unterwegs, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden.

Die Tüftler haben eine Geldsammel-Aktion gestartet — Projekt soll Wassersport umweltverträglich machen.

Den Katamaran vom Typ Catalac 10 gibt es bereits, er liegt in Lübeck. Die Initiative hat eine Kaufoption. 50000 Euro bringen die Gruppenmitglieder über private Darlehen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis auf. Um den Umbau zum Solarboot zu stemmen, braucht die Initiative aber weitere 16000 Euro. Die sollen über eine Sammelaktion im Internet (Crowdfunding) zusammenkommen, die noch bis Ende April läuft. Das Motto lautet „Mit der Sonne im Tank“. Bislang ist noch nicht viel Geld zusammengekommen, deshalb sucht die Gruppe den Weg in die Öffentlichkeit.

Franke: „Wenn die Schwelle von 16 000 Euro nicht überschritten ist, wird das Geld nicht ausgezahlt — und das Projekt ist nicht erfolgreich.“

Die Initiative wurde vor zwei Jahren gegründet. „Wir sind Menschen mit ganz unterschiedlicher Motivation und unterschiedlichen Kompetenzen“, erzählt der Vorsitzende. „Den einen ist die saubere Luft im Wassersport wichtig, andere setzen sich seit Jahren für erneuerbare Energien in der Freizeitschifffahrt ein.“ In den Reihen der Gruppe befinden sich Solarfachleute, Physiker und Ingenieure, die sich den Umbau in Eigenleistung zutrauen. Die technische Planung liege bereits vor, sagt der Vorsitzende der Initiative.

Der Katamaran sei bestens geeignet, um den klimaverträglichen Wassersport vorzuführen. Die beiden Dieselmotoren und Dieseltanks werden durch hocheffiziente Elektromotoren und Batteriepacks ersetzt.

Der Katamaran sei vor allem breit genug, um die nötigen Photovoltaik-Module an Bord unterzubringen. „Die Nutzung der Sonnenenergie ist für Sportboote deshalb so gut geeignet, weil sie vorwiegend im Sommer genutzt werden“, erklärt Norbert Franke, „die Sonne füllt den Tank, also die Batterie, direkt.“ In der ersten Ausbaustufe könnte der zehn Meter lange und vier Tonnen schwere Katamaran bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten rund 69 Kilometer weit fahren — an einem normalen Sommertag und mit vollgeladenen Batterien. Nachts käme das Boot nur auf 23 Kilometer Reichweite.

Die Sonnenenergie muss neben dem Bootsantrieb auch die Navigation, die Küche, Kühlung und Warmwasserversorgung sicherstellen. Für den Notfall befindet sich ein kleiner Dieselgenerator an Bord.

Sobald das Boot umgebaut ist, wollen die Pioniere Gästen die Technik demonstrieren. Zudem will die Initiative ihre Erfahrungen auf Messen, in Berufsschulen und auf Hafenfesten verbreiten. Geplant ist auch, die Erkenntnisse im Internet zur Verfügung zu stellen. Die Initiative hat einen Verein gegründet, der vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist. Stiftungen haben nach Frankes Angaben finanzielle Unterstützung für die Bildungsarbeit zugesagt.

Dafür ist das Geld gedacht

16 000 Euro kostet der Umbau des herkömmlichen Katamarans in ein Solarboot. Nach Angaben der Initiative sind 4000 Euro fällig, um eine Photovoltaik-Anlage mit der Leistung von drei Kilowatt zu installieren. Der Einbau eines Elektromotors verschlingt 6000 Euro, Akkus als Stromspeicher schlagen mit 5000 Euro und elektrisches Zubehör mit 1000 Euro zu Buche. Eine zweite Ausbaustufe zur Vergrößerung der Reichweite des Bootes würde weitere 17 000 Euro kosten.

Auf der Internet-Plattform Startnext läuft die Crowdfunding-Aktion seit dem 15. März und noch bis zum 30. April. Bislang sind 1000 Euro zusammengekommen.

Sobootia heißt der gemeinnützige Verein, zu dem sich die Initiative zusammengefunden hat.

Von Kai Dordowsky

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