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Lokales Lübeck Lübecker Philippiner beten und sammeln Geld für die Landsleute
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09:08 14.11.2013
Beten für die Menschen in ihrer Heimat: Aphrodite Lahimche (v. l.), Mario Mortega, Jerry und Sally Jovellano, Edisea Deguma, Floricita Grauert (verdeckt) und Mila Eggert. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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„Meine Mutter ist verletzt, meine Eltern haben ihr Haus verloren. Sie sind jetzt obdachlos, aber ich bin froh, dass sie leben“, sagt Aphrodite Lahimche (43), die mit ihrem achtjährigen Sohn Xerxes vor einem halben Jahr zu ihrem Freund Jörg Robrahn (51) nach Lübeck gekommen ist. Jetzt sitzt sie gemeinsam mit anderen Landsleuten — allesamt von den Philippinen stammend, allesamt gläubige Katholiken — im Gemeindehaus von St. Birgitta.

Etliche gehören der auf den Philippinen entstandenen weltweiten Laienorganisation „Couples for Christ“ an. Gemeinsam planen sie nun eine erste Hilfe für ihr Heimatland. 700 Euro sind bisher zusammengekommen, deutlich mehr sollen es noch werden. Sally (49) und Jerry (63) Jovellano sind die Leiter der örtlichen Gruppe. Auch sie haben über einen Verwandten erfahren, dass wohl alle Familienmitglieder überlebt haben. „Aber alle hungern, sie haben seit vier Tagen nichts mehr zu essen bekommen“, erzählt Sally.

Ein Problem, das Aphrodite umtreibt: „Ich bin so froh, wenn die Hilfe jetzt auch mal auf die kleineren Inseln geht. Bisher höre ich immer nur ,Tacloban, Tacloban‘“. Also im Osten der Philippinen. „Je weiter westlich es geht, desto weniger kommt an“, weiß auch ihr Freund. Mario Mortega (61), der vor über 30 Jahren von den Philippinen nach Lübeck gekommen ist, fährt regelmäßig mit seiner Frau Cornelia (58) in seine Heimat. „Auf den Philippinen gibt es großen Zusammenhalt, man hilft sich gegenseitig, gibt von dem Wenigen, was man hat, ab“, ist Cornelia Mortegas Erfahrung.

Doch das reicht dieses Mal nicht. Joachim Kirchhoff, Pastor von St. Birgitta, verkündete gestern Nachmittag, dass die Kollekte am 23. und 24. November über „Couples for Christ“ an die Philippinen gehe. Und auch einem Benefizkonzert stimmte er spontan zu. „Wenn viele kleine Leute an vielen Orten viele kleine Schritte tun, verändert sich die Welt“, zitierte er einen bekannten Spruch.

Auch Lazaro Galicia, den viele Lübecker nur als Larry kennen, geht kleine Schritte. Der 45-jährige Philippiner, der aus der Region nördlich von Manila stammt, lebt seit 1988 in Lübeck und ist in der Gastronomie tätig; seit Sommer 2011 hat er in der Marlesgrube sein „Larry‘s Bar & Restaurant“. Über CNN verfolgt er die Nachrichten aus seiner Heimat. „Wenn ich das sehe und höre, dass es Menschen gibt, die alle Familienangehörigen verloren haben, muss ich weinen. Es ist schrecklich“, sagt der Gastronom. Um zu helfen, hat Larry Galicia eine Spendenbox vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) besorgt, zudem organisiert er einen Benefiz-Nachmittag. Fest zugesagt habe bereits Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. Larry Galicia: „Der komplette Erlös geht für die Taifun-Hilfe ans DRK.“

Gestern ist ein zwölfköpfiges Team der Johanniter Unfall-Hilfe (JUH) von Frankfurt aus zu den Philippinen aufgebrochen — unter ihnen auch Pastor Kai Gusek, Geschäftsführer der Lübecker Gemeindediakonie, als einziger aus Schleswig-Holstein. „Wir wissen noch nicht, was uns erwartet“, sagt er. Gusek hat bereits Auslandserfahrung. Das Team nimmt zehn Notfalltaschen und zwei Kisten mit Material — unter anderem Essen und Zelte — mit. „Der Großteil der Menschen hat alles verloren und sucht noch nach Angehörigen“, sagt Gusek. Das Team kommt im philippinischen Cebu an, anschließend soll es weitergehen nach Tacloban. Der Pastor wird sich vor allem um die psychosoziale Notfallversorgung kümmern. Das jetzige Johanniter-Team bleibt voraussichtlich bis zum 24. November auf den Philipinnen.

So können Sie helfen
Sonnabend, 23. November: Benefiz-Konzert im Gemeindehaus von St. Birgitta, Narzissenweg 12, 19 Uhr (im Anschluss an den philippinischen Gottesdienst).

Sonntag, 1. Dezember: Charity-Nachmittag mit Live-Musik und Fingerfood in „Larry‘s Bar & Restaurant“, Marlesgrube 9-15. Von 15 bis 20 Uhr sind spendenwillige Gäste willkommen.

Taifun-Opfer-Hilfe: CFC (Couples for Christ) Germany e. V., Kontonummer: 402 586 00, Bankleitzahl: 500 100 60, Postbank Frankfurt.

Sabine Risch und Peer Hellerling

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