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Lübeck Lübecker Polizei gelingt Schlag gegen Kokainbande
Lokales Lübeck Lübecker Polizei gelingt Schlag gegen Kokainbande
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20:18 11.05.2016
1226 Menschen starben 2015 an ihrem Drogenkonsum – 19 Prozent mehr als 2014.  Quelle: Archiv

Der Ermittlungsgruppe Rauschgift der Lübecker Polizei und des Zollfahndungsamtes Hamburg ist offenbar erneut ein Schlag gegen eine professionell agierende Drogenbande gelungen. Wie die LN aus sicherer Quelle erfuhren, sollen in diesem Zusammenhang am Dienstag sechs Männer in Lübeck festgenommen worden sein. Dabei handelte es sich dem Vernehmen nach um fünf albanische Staatsbürger, die das Geschäft organisiert und abgewickelt haben sollen, sowie einen ihrer Drogenkuriere. Bei ihnen sollen die Drogenfahnder Bargeld in Höhe von mehreren Tausend Euro sowie ein Kilogramm Kokain sichergestellt haben.

Viele Einzelheiten zu dem Einsatz sind bislang nicht bekannt: Staatsanwaltschaft, Zoll und und Polizeidirektion in Lübeck lehnten gestern jegliche Stellungnahme dazu ab. Dass es einen entsprechenden Einsatz gegeben habe, wurde zwar eingeräumt. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ werde man erst zu einem späteren Zeitpunkt damit an die Öffentlichkeit gehen, hieß es. Die Fahndung nach weiteren Hintermännern der Dealer-Bande dauere noch an.

Wie die LN weiter erfuhren, bezogen die Männer das offenbar hochwertige Kokain von einem Lieferanten aus dem Raum Osnabrück. Die Ermittlungen gegen die Männer sollen bereits seit März dieses Jahres gelaufen sein. Wie lange der Kokain-Handel andauerte, ist aber unklar. Die Gewinne, die die Bande damit erwirtschaftete, dürften jedoch immens gewesen sein. Der Straßenpreis eines Kilos Kokain liegt zwischen 80 000 und 100 000 Euro. Gegen alle sechs wurde gestern beim Amtsgericht Lübeck Haftbefehl wegen „bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ erlassen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen damit bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Zu vermuten ist, dass die Verhaftung am Dienstag mit einem Einsatz des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei im Lübecker Stadtteil Kücknitz in Zusammenhang steht. Die Polizei wollte das gestern aber weder bestätigen noch dementieren. Augenzeugen zufolge sollen bei dem Zugriff im Westpreußenring auch mehrere Autos abgeschleppt worden sein.

Der bisher größte Schlag gegen die Drogenkriminalität im Norden war der Ermittlungsgruppe Rauschgift im November 2012 gelungen: Die Fahnder sprengten einen international tätigen Drogenring. Der Hauptverdächtige, ein Jachtbesitzer aus Halle, der eine Scheinfirma auf Fehmarn unterhielt, sowie 18 weitere Verdächtige führten insgesamt 178 Kilogramm Kokain aus dem Ausland ein und unterhielten zudem mehrere Marihuana-Plantagen im Norden. Eine weitere spektakuläre Razzia gab es auch im März 2015: Sechs Drogendealer aus Hamburg und Ostholstein, die regelmäßig große Mengen Kokain und Heroin importiert und verkauft hatten, wurden festgenommen. Welche Dimension der aktuelle Fall hat, muss sich noch zeigen.

Kokain ist in Deutschland allerdings wieder auf dem Vormarsch. Nach jahrelangem Rückgang meldete die Bundesregierung 2015 wieder einen Anstieg der Erstkonsumenten um sieben Prozent. 1226 Menschen starben 2015 an ihrem Drogenkonsum – 19 Prozent mehr als 2014. 

Von Oliver Vogt und Kim Meyer

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