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Lübeck Bekommt Projekt einen Preis von Merkel?
Lokales Lübeck Bekommt Projekt einen Preis von Merkel?
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18:25 25.10.2018
Rafael Jancen (li.) und Filiz Günsür bearbeiten 200 Anfragen im Monat – Tendenz steigend. Quelle: 54° / John Garve
Buntekuh

„Wir sind total stolz auf diese Nominierung“, sagt Claudia Löbe, stellvertretende Geschäftsführerin von Sprungtuch, „wir begreifen das als große Auszeichnung“. Der Sprach- und Kulturmittler-Pool von Sprungtuch, der im August 2016 an den Start ging, ist für den Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin nominiert. 33 Projekte aus ganz Deutschland, die sich „in beispielhafter Weise um die Integration von Migranten verdient gemacht haben“, sind von einer Jury ausgesucht worden, in der unter anderem der Fußballstar Sami Khedira sitzt.

Am 29. Oktober fahren zwei Sprungtuch-Vertreter nach Berlin ins Bundeskanzleramt und hoffen, dass die Kanzlerin ihnen den mit 10 000 Euro dotierten Preis verleiht. Aber auch wenn das nicht klappen sollte, ist allein die Nominierung Gold wert für das Sprungtuch-Projekt. „Wir brauchen die öffentliche Wahrnehmung“, erklärt Sprungtuch-Bereichsleiterin Karoline Stojan-Brauer, „denn es gibt immer noch Menschen, die von unserem Projekt nichts gehört haben“.

Claudia Löbe, stellvertretende Sprungtuch-Geschäftsführerin: „Wir sind total stolz auf die Nominierung.“ Quelle: 54° / John Garve

Im Familienzentrum in Buntekuh sitzen Filiz Günsür und Rafael Jancen im ersten Stock in einem kleinen Büro. Die beiden Projekt-Mitarbeiter der ersten Stunde nehmen Aufträge an und vermitteln Menschen, die neben ihrer Muttersprache gut Deutsch sprechen – mindestens auf dem Niveau B 2. Diese Sprach- und Kulturmittler gehen in Kitas, Schulen, Behörden, Frauenhäuser und auch in Wirtschaftsbetriebe, um Gespräche zu übersetzen. „Sie helfen beim mündlichen Austausch“, erläutert Rafael Jancen, „sie sind in der Regel keine vereidigten Dolmetscher und Übersetzer.“

Aber das Angebot stieß von Anfang an auf eine große Nachfrage. Vor allem Schulen rufen regelmäßig nach Sprachmittlern, wenn Elternabende und Zeugnisvergaben anstehen. „Früher wurden oft Kinder für die Dolmetschertätigkeit einer Familie eingesetzt“, berichtet Bereichsleiterin Stojan-Brauer, „diese Kinder gingen dann nicht zur Schule, weil sie ständig für ihre Eltern im Einsatz waren.“ Kinder aber sind oft mit der Behördensprache überfordert. Ebenso, wenn sie beim Arzt oder im Gesundheitsamt Diagnosen für ihre Eltern übersetzen sollen. Bereichsleiterin Stojan-Brauer: „Wir hören oft den Satz, dass diese Menschen Deutsch lernen sollen. Bis eine Alltagssprache erlernt ist, vergehen oft zwei Jahre. Unser Angebot ist eine Brücke.“

35 Sprachen und Dialekte im Angebot

Die Nachfrage steigt und steigt. 200 Anfragen im Monat müssen Filiz Günsür und Rafael Jancen abarbeiten, 60 Sprach- und Kulturmittler sind derzeit im Pool, ständig müssen neue gewonnen werden. „35 Sprachen und Dialekte sind bei uns vertreten“, erklärt Filiz Günsür, „neuerdings werden immer öfter asiatische Sprachen angefragt.“ Aktuell suchen die beiden Projektmitarbeiter Sprachmittler für Bulgarisch. Die KommMits arbeiten als Honorarkräfte, einige sind aber auch als feste Pool-Mitarbeiter von Sprungtuch eingestellt worden.

Finanziert wird das Projekt aus dem Integrationsfonds der Stadt, aus Mitteln der Possehl-Stiftung und aus den Einnahmen, die erzielt werden. Bis August konnten städtische Behörden kostenlos auf die Dienste der KommMits zurückgreifen, seitdem zahlen sie genauso wie alle anderen Nachfrager. 40 Euro kostet eine Stunde Sprachmittler. Ab August 2019 muss das Projekt ohne Stiftungsmittel auskommen. Die stellvertretende Geschäftsführerin Claudia Löbe: „Ziel ist, dass das Projekt sich selbst trägt.“

Die Idee für diesen Pool haben die Lübecker aus Osnabrück abgeschaut, wo das Projekt „SPuK“ heißt. Den Bedarf an Sprach- und Kulturmittlung habe es in Lübeck schon vor der großen Flüchtlingszuwanderung von 2015 gegeben, stellt Sozialsenator Sven Schindler (SPD) klar.

Kai Dordowsky

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