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Lübeck Lübecker Schulen geben Rätsel auf
Lokales Lübeck Lübecker Schulen geben Rätsel auf
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20:14 18.03.2017

Nur 34 Prozent der Lübecker Abgänger allgemeinbildender Schulen legen das Abitur ab. In Kiel sind es 44,9, in Flensburg 44,2 und in Neumünster immerhin 43,7 Prozent. Seit die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) in der vergangenen Woche diese Zahlen in ihrem Bildungsbericht präsentierte, rätseln Bildungsexperten, warum Lübeck so weit hinterherhinkt. Und die lübschen Schulen geben weitere Rätsel auf: 9,6 Prozent der Schüler verlassen ihre Einrichtung ohne Abschluss, in Kiel dagegen nur 6,5 Prozent. „Im Städtevergleich hat Lübeck eine auffällige Abweichung bei den Kindern mit anerkanntem Förderbedarf“, sagt der Bonner Bildungsforscher Wolf Krämer-Mandeau.

Bildungsdaten

34 Prozent der Lübecker Schüler bauten 2015 ihr Abitur. In Kiel waren es 44,9 Prozent, in Flensburg 44,2 und in Neumünster 43,7 Prozent. Lübeck liegt aber genau im Landes- und Bundesdurchschnitt.

9,6 Prozent verließen 2015 die Schule ohne Abschluss. In Kiel waren es 6,5 Prozent.

Das Kieler Bildungsministerium hat genauso wenig eine Erklärung dafür wie Schulräte, Rektoren, Schulpolitiker und Forscher. Denn Kiel und Lübeck haben ähnliche Sozialstrukturen, ähnlich hohe Armuts- und Arbeitslosenquoten und eine ähnliche Schullandschaft. „Beide Städte haben seit vielen Jahren unterschiedliche Abiturientenzahlen“, sagt Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule der Hansestadt.

Lübeck liegt schon lange zehn Punkte unter Kiel, dafür aber im schleswig-holsteinischen Mittelfeld. Lübecker Eltern wählen aber auch seit Jahren seltener das Gymnasium für ihr Kind. 40 Prozent eines vierten Jahrganges gehen anschließend auf das Gymnasium, in Kiel sind es laut Thorn 50 Prozent.

„Trotz dieser geringeren Übergänge hat Lübeck deutlich mehr Rückläufer als andere Städte“, erklärt Bildungsforscher Krämer-Mandeau. Das heißt, eine nicht unerhebliche Zahl an Kindern verlässt das Gymnasium in Richtung Gemeinschaftsschule – lange vor dem Abitur.

Aus Sicht der CDU werden hohe Bildungsabschlüsse überschätzt. „Abiturquoten sind nicht das Maß aller Dinge“, sagt Anette Röttger, bildungspolitische Sprecherin der Lübecker CDU. Daniel Günther, Spitzenkandidat zur Landtagswahl, erklärte gerade auf einem Empfang seiner Partei in Lübeck: „50 bis 60 Prozent machen in manchen Landesteilen Abitur, ich wundere mich, dass so viele das schaffen.“

Günthers Erklärung: Das Abi sei zu leicht. „Wir hatten noch nie so viele Studierende, aber auch noch nie so viele Abbrecher“, erklärte Günther. Die Gesellschaft brauche weniger Geisteswissenschaftler und mehr Lehrlinge.

So wie weniger Abiturienten zur lübschen Bildungstradition gehören, sind es auch die jungen Menschen ohne Schulabschluss. Die Zahl liegt ebenfalls deutlich über der Kieler. „Wir haben uns jeden einzelnen Schüler ohne Bildungsabschluss angeguckt“, sagt Schulrat Helge Daugs. 20 Prozent hätten familiäre Krisen durchlebt, 40 Prozent sind desinteressiert und 40 Prozent sind hartnäckige Schulschwänzer. Als dramatisch bezeichnet Daugs, „dass das 66 Prozent der Eltern dieser Kinder gar nicht interessiert“. Insgesamt gehe es um rund 100 Kinder pro Jahr. Seit sieben Jahren ermittelt das Schulamt die Schulschwänzer-Daten. „Sie haben zehn bis 15 Prozent pro Jahr zugenommen“, berichtet Schulrat Gustaf Dreier. Spitze war 2013/2014 mit 11,7 Prozent. Seitdem würden die Zahlen zurückgehen, sagt Dreier.

Drittes Phänomen: Laut Bildungsforscher Krämer-Mandeau weist Lübeck eine auffällige Abweichung bei der Anzahl von Kindern mit anerkanntem Förderbedarf auf. „In Kiel wird weniger als der Hälfte der Kinder ein Förderbedarf attestiert“, sagt Krämer-Mandeau. Dabei geht es um massiv verhaltensauffällige Kinder. Die Lübecker Praxis hat auch Konsequenzen für den Schulträger. Mehr Integrationsklassen mit kleiner Schülerzahl bedeutet, dass Lübecks Schulen mehr Platz brauchen. „Es geht um 0,74 Prozent der Kinder“, relativiert Schulrat Dreier. „Wir stellen nicht nur den Förderbedarf fest, wir handeln auch“, sagt Dreier. Die Schulen erhalten sonderpädagogische Hilfe. Der Schulrat: „Es geht uns nicht um Kosteneinsparungen durch ökonomische Raumnutzung, sondern um das Wohl der Kinder.“

Schulleiter aus Nachbarkreisen würden ihre Lübecker Kollegen darum beneiden.

Kai Dordowsky

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