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Lübeck Veraltete Kanalisation: Lübeck rüstet sich für Starkregen
Lokales Lübeck Veraltete Kanalisation: Lübeck rüstet sich für Starkregen
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09:21 09.11.2018
Sechs heftige Unwetter gingen 2010 über Lübeck nieder und überschwemmten Straßen. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Liegt mein Betrieb in einer Straße, die bei heftigem Niederschlag absäuft? Wie kann ich das Haus gegen eindringendes Wasser schützen? Wo erhalte ich Rückstauklappen und für welche Schäden kommt die Versicherung auf? „Lübeck sorgt vor: Schutz vor Starkregen“ heißt eine brandneue Broschüre, die der städtische Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz herausgibt. Uta Neubourg vom Umweltamt hat diese Broschüre (Erstauflage: 1000 Stück) beim 1. Lübecker Starkregenforum in der Technischen Hochschule vorgestellt.

Seit Jahren bereitet sich Lübeck auf die Folgen des Klimawandels vor. Der sei bereits jetzt zu spüren, heißt es in der Broschüre: „Die mittlere Jahrestemperatur ist laut Aufzeichnungen der hiesigen Wetterstationen in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen und wird sich nach Berechnungen von Meteorologen weiter erhöhen – die Starkregen-Ereignisse ebenso.“ Zu den lokal begrenzten, heftigen Niederschlägen gibt es Daten. 2010 gab es die meisten Starkregen (6), 2016 waren es zwar weniger, dafür aber besonders heftig: 17 Mal musste die Feuerwehr in einer Stunde ausrücken. „Die Wahrscheinlichkeit von Sturzfluten wird zunehmen“, sagt Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU).

Wenn das Kanalnetz überfordert ist

Die Bürger und Betriebe werden sich darauf vorbereiten müssen, weil sie sich nicht auf die öffentliche Kanalisation verlassen können. Das über 1000 Kilometer lange Kanalnetz ist auf Starkregen nicht ausgerichtet. Umweltsenator Hinsen: „Wir stoßen immer wieder auf eine mangelnde Infrastruktur für Entwässerung.“ Hinsen schätzt, dass ein Drittel der Leitungen zu klein ist für solche Regenmengen. Der Umweltsenator bereitet die von Brückenproblemen geplagten Lübecker darauf vor, dass es in den nächsten 20 Jahren viele Baustellen in den Straßen geben werde, weil die Kanalisation erneuert und erweitert werden muss.

Die Technische Hochschule hat in einem aufwendigen Verfahren die hydraulischen Engpässe im Entwässerungssystem berechnet, und zwar in St. Lorenz Süd. Prof. Matthias Grottker: „Im Luna-Park würde sich das Wasser bis zu 60 Zentimetern tief sammeln.“ Garagen und Keller in umliegenden Straßen würden volllaufen. Ein Regenrückhaltebecken könnte die größten Mengen aufnehmen. Ganz vermeiden lasse sich die Überflutung nicht. Technische Hochschule, Stadtplanung, Feuerwehr, Umweltbehörde und die Firma „hydro & meteo“ haben ermittelt, wo kräftige Unwetter bevorzugt niedergehen – Kücknitz, im Hochschulstadtteil, auf dem Volksfestplatz und im Bereich Medebek in St. Gertrud.

Klima- und Umweltcheck

Zu einem Klima- und Umweltcheck laden die Grünen die Bürger am Sonnabend, 17. November, in die Volkshochschule, Hüxstraße 118, ein. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr. In Vorträgen werden das Projekt „Rain Ahead“ zum Thema Starkregen, Fallstudien zu Bebauungsplänen und Fördermöglichkeiten für den kommunalen Klimaschutz vorgestellt. Der Klimacheck dauert bis 16 Uhr, die Plätze sind begrenzt. Deshalb bitten die Grünen um Anmeldung unter fraktion@gruene-hl.de oder 0451-1221041.

Seit Mai 2015 verfügt die Feuerwehr zudem über ein Frühwarnsystem für schlimme Unwetter, das von „hydro & meteo“ entwickelt wurde. Die Feuerwehr-Leitstelle bekommt so rechtzeitig eine Warnung per Mail, dass sie ihre Leitstelle personell verstärken und damit mehr Anrufe von Bürgern abwickeln kann. „Wir haben auch schon einige Fehlalarme produziert“, erklärt Geschäftsführer Dr. Thomas Einfalt, „mal fallen Gewitter auf ihrem Weg nach Lübeck zusammen oder setzen Bad Schwartau unter Wasser.“

Mit drei Projekten kämpft Lübeck gegen Starkregen. Von 2013 bis 2016 lief „Rain Ahead“, das vom Bundesumweltministerium mit 300 000 Euro gefördert wurde. Von 2018 bis 2020 läuft „I-Quadrat“, das die gleiche Summe erhält. Unter dem Titel „Regen-Sicher-Lübeck“ beteiligt sich die Hansestadt zusammen mit Worms und Bad Liebenwerda an einem bundesweiten Modellprojekt. „Wir untersuchen, ob die Informationen bei den Bürgern ankommen und wie sie diese nutzen“, erklärt Prof. Frank Schwartze von der Technischen Hochschule. Eine Webseite ist in Vorbereitung, da wird dann auch die Broschüre eingestellt. Bislang gibt es sie kostenlos im Verwaltungszentrum Mühlentor.

Kai Dordowsky

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