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Lübeck Lübecker Verein: Vortragsreihe gegen Einsamkeit
Lokales Lübeck Lübecker Verein: Vortragsreihe gegen Einsamkeit
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19:14 05.12.2018
Teamleiterin Stine Nielandt (v.l.), Dr. Peter Delius, Vorsitzender des Lübecker Vereins E-Punkt, sowie Koordinatorin Anna Mühlhaus stellen Plakat- und Postkartenserie zur Veranstaltungsreihe vor. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Ein Ministerium gegen Einsamkeit – das gibt es seit Anfang des Jahres in Großbritannien. Denn mehr als neun Millionen der knapp 66 Millionen Briten fühlen sich laut Rotem Kreuz immer oder häufig einsam. „Die Einsamkeit ist das schwarze Loch einer Gesellschaft, und hierzulande haben wir ebenfalls diesbezüglich großen Handlungsbedarf“, fasst es Dr. Peter Delius zusammen.

Der Vorsitzende des Lübecker Vereins E-Punkt, der unabhängigen Vermittlungsstelle von Ehrenamtlern, hat zusammen mit seinem Team das Thema Einsamkeit zum Leitmotiv einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Zusammen ist weniger allein – gemeinsam gegen einsam“ gemacht. Sie wird Mitte nächster Woche starten und schließlich Ende Februar in der Vergabe des vierten Lübecker Nachbarschaftspreises münden.  

Klare Botschaft: Einsamkeit ist Mist. Quelle: Lutz Roeßler

„Nachbarschaft bietet strukturell gute Voraussetzungen für weniger Einsamkeit“, erklärt Stine Nielandt vom „Bürgerkraftwerk“ E-Punkt. Vertrauen entstehe durch soziales Nebeneinander, gemeinsame Wege und Lebensthemen im Viertel. Was also kann Gemeinsamkeit fördern? Unter dieser Fragestellung steht der diesjährige Wettbewerb für die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung, die nun zum vierten Mal bundesweit ausgeschrieben und auf drei Preise jeweils zu 4000, 3500 und 2500 Euro verteilt ist. Koordinatorin Anna Mühlhaus weist darauf hin, dass Bewerbungen noch bis zum 6. Januar möglich sind.

Zahlen zu einsamen Menschen in Lübeck seien ihr nicht bekannt, sagt Nielandt, hauptamtliche Mitarbeiterin im Büro in der Hüxtertorallee, „aber Einsamkeit ist natürlich immer wieder ein großes Thema in den Beratungsgesprächen, wenn es darum geht, warum man sich ehrenamtlich engagieren möchte.“ Extra zur Veranstaltungsreihe wurde eine Postkarte – „Zusammen ist weniger allein“, steht darüber – aufgelegt, die acht Anlaufstellen mit Telefonnummern aufzählt.

Eine Postkarte des E-Punkt nennt acht Anlaufstellen, die Hilfe gegen Einsamkeit bieten. Quelle: Lutz Roeßler

„Die Liste ist gemacht, um aufzuzeigen, dass man nicht gefangen ist in seiner Einsamkeit, sondern dass man rausgehen kann, und je nachdem, wozu man Lust hat, sehr unterschiedliche Angebote wahrnehmen kann“, betont die Teamleiterin. Caritas und Diakonie sind genauso dabei wie die VHS und die Bürgerbühne. Die Politik müsse sich dringend kümmern, so ihre Forderung. Denn in Deutschland sieht es nicht besser aus als auf der Insel. Fast zehn Millionen Deutsche – so eine Befragung des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research aus dem Frühjahr 2017 – fühlen sich häufig allein und verlassen. Jeder Fünfte ab 85 Jahren klagt darüber – aber auch immer mehr Jüngere sind betroffen.

„Und Einsamkeit macht krank“, weiß Psychiater Peter Delius. Beispiel: Laut einem in Großbritannien erschienenen Untersuchungsbericht ist Einsamkeit genauso gesundheitsschädigend wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten. „In unserer Veranstaltungsreihe werden wir uns dem Thema in unterschiedlichen Kontexten zuwenden“, erläutert Delius. So ginge es um Alterseinsamkeit, aber ebenfalls um die Einsamkeit der Flüchtenden. „Man kann sich als Außenstehender gar nicht vorstellen, welche Wucht das Alleinsein entwickeln kann, wenn man auf einmal allein in einem Wohncontainer in einer völlig fremden Umgebung sitzen muss“, so der E-Punkt-Vorsitzende. Auch die Einsamkeit in der Pubertät wird einen Abend füllen. Dann wird der ausgewiesene Experte Professor Michael Schulte-Markwort auf dem Podium der Aula des Katharineums sitzen.

Die Reihe auf einen Blick

„Die stille Katastrophe der Alterseinsamkeit, Mittwoch, 12. Dezember, 19 Uhr in der VHS am Falkenplatz. Auf Einladung des E-Punkts soll diskutiert werden, ob Prävention gegen Alterseinsamkeit schon in der Mitte des Lebens beginnen muss.

„Die Einsamkeit von Flüchtenden“, Mittwoch, 16. Januar, 19 Uhr in der Gemeinnützigen, Königstraße 5.

„Die Einsamkeit in der Pubertät“, Mittwoch, 6. Februar, 19 Uhr, Impulsvortrag in der Aula des Katharineums.

Der Schlusspunkt ist am Mittwoch, 27. Februar, um 18 Uhr im Rathaus die Verleihung des Nachbarschaftspreises. Weitere Informationen unter www.epunkt-luebeck.de.

Michael Hollinde

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