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Lokales Lübeck Lübecker debattieren über Alkoholverbot
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18:26 02.11.2013
„Ein Verbot bringt nichts. Die Ausweiskontrollen müssten viel strenger sein.“ Rebas Husen (19), Schüler
Lübeck

Freitagabend, Sonnabendnacht: Besonders am Wochenende strömen vor allem junge Menschen zu später Stunde noch in die Supermärkte, Tankstellen und Kioske der Stadt, um sich mit Bier, Wodka und anderen alkoholischen Getränken einzudecken. Nicht selten endet so eine Einkaufstour in kollektivem Koma-Saufen. Kann ein nächtliches Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken ab 22 Uhr (LN berichteten) dies eindämmen? Der Plan stößt in Lübeck auf ein geteiltes Echo.

Heike Nagel (59) sieht den Vorschlag von Suchtexperten kritisch. „Wer Alkohol trinken will, der kauft ihn dann tagsüber“, sagt die Travemünderin. Viel wichtiger sei es, den jungen Leuten eine Perspektive zu geben. „Sie müssen wieder einen Sinn in ihrem Leben in unserer Gesellschaft sehen.“ Rainer Garbe (54) findet, das Verbot sei einen Versuch wert. „Wenn es wirklich etwas bringt, könnte es eine gute Sache sein.“ Ihm persönlich würde es nichts ausmachen, auf späte Alkoholeinkäufe zu verzichten. „Ich kann mich auch gar nicht erinnern, wann ich das zuletzt gemacht habe.“ Für Rebas Husen (19) ist es klar, dass ein Verbot den übermäßigen Alkoholkonsum nicht einschränkt. „An Tankstellen ist es sowieso zu teuer“, sagt der Schüler, „und die Jugendlichen decken sich vorher beim Discounter ein und trinken später in der Disco weiter.“ Nach seiner Meinung müssten die Ausweiskontrollen überall viel strenger sein. „Es wird selten nachgefragt, wie alt man ist.“

Nach 22 Uhr ist der Bestand im langen Alkohol-Regal im Supermarkt schon deutlich dezimiert. Kartonreste fliegen durch den Gang, das Bier wird in Six-Packs aus dem Laden getragen. An der Kasse steht eine Gruppe Jugendlicher. Drei Flaschen Wodka, eine Flasche Korn, eine Flasche Kokos- Cocktail — der Abend hat für die drei Frauen und zwei Männer gerade erst begonnen. Die Verkäuferin guckt skeptisch in die Gesichter ihrer Kunden und verlangt nach einem Altersnachweis. Vor wenigen Tagen ist eine junge Frau der Gruppe 18 Jahre alt geworden und präsentiert stolz ihren Ausweis. Das Partyvolk darf weiterziehen — mit dem Alkohol.

Draußen vor dem Eingang steht schon Jana (22), mit mehreren Dosen Mix-Bier in den Armen und wartet auf ihre Freunde. Dass ein Alkoholkaufverbot ab 22 Uhr etwas am Trinkverhalten junger Menschen ändern sollte, streitet sie ab. „Die Jugendlichen werden doch immer schlimmer, die kann gar nichts abhalten“, lautet ihr vernichtendes Urteil. „Das Einzige was helfen könnte, ist beim Verkauf stärker zu kontrollieren und allen Alkohol erst ab 21 Jahren freizugeben.“ Allerdings gibt die 22-Jährige zu, dass auch sie mit 14 Jahren schon Mittel und Wege gefunden habe, an Wodka und andere harte Alkoholika zu kommen. Ihr Freund Tim pflichtet ihr bei. Auch er habe sich als Jugendlicher an Wochenenden häufig stark betrunken. „Doch jetzt habe ich eine sehr gute Arbeit gefunden“, sagt der 23-Jährige. „Nun achte ich generell darauf, dass ich auch am Wochenende nicht mehr so viel trinke.“

Für einen Kioskbesitzer in der Altstadt wäre das Verbot eine Katastrophe. „Dann könnte ich den Laden hier gleich abends dicht machen“, sagt er.

L. Schüch und C. Künzel

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