Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübecker helfen Straßenkindern in Kenia
Lokales Lübeck Lübecker helfen Straßenkindern in Kenia
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:50 08.01.2014
Der Lübecker Andreas Möschl reist regelmäßig nach Kenia und kümmert sich um die ehemaligen Straßenkids im Kiaragana-Heim. Quelle: Fotos: Kids Kenia
Lübeck

Im Alter von sieben Jahren kam Silas Gitonga zusammen mit seinen beiden Brüdern in das Kiaragana Kinderheim im Embu-Distrikt in Kenia. Die drei Brüder hatten ihre Eltern verloren und waren auf der Straße sich selbst überlassen. In der Schule wurde aus dem schüchternen Kind ein selbstbewusster und aufgeweckter Junge mit Bestnoten. Heute, 14 Jahre nachdem Silas in dem Kinderheim ein neues Zuhause gefunden hatte, studiert der 21-Jährige an der Mount Kenya Universität Pharmazie und ist auf dem besten Weg, ein angesehener Arzneimittelexperte zu werden.

Sarah Stracke (34) und Andreas Möschl (35) haben sich zum Ziel gesetzt, Kindern wie Silas eine Zukunft zu ermöglichen. Dafür setzen sich die gelernte Mediengestalterin und der Zimmermann aus Lübeck in ihrer Freizeit ein. Vor sieben Jahren haben sie ihren Verein Kids Kenia ins Leben gerufen, um gegen die Kinderarmut im ländlichen Distrikt Embu zu kämpfen. In dem Landstrich steht das 1997 gegründete Kiaragana Kinderheim, das von Kids Kenia gezielt unterstützt wird.

2006 sind Stracke und Möschl zum ersten Mal für drei Monate nach Kenia gereist. Beide wollten das Land kennenlernen und gleichzeitig dort helfen, wo Menschen wie sie gebraucht werden. In einem Land, wo Hunger, Armut und Gewalt in vielen Landesteilen auf der Tagesordnung stehen, dort, wo besonders die Kinder leiden und viele von ihnen ohne Bildung auf der Straße aufwachsen. Kenia ließ die Lübecker nicht mehr los. „Wir waren sehr beeindruckt und berührt von den Menschen in dem ländlichen Gebiet, die trotz Leid und großer Armut so viel Fröhlichkeit, Dankbarkeit und Lebensfreude besitzen“, sagt Sarah Stracke. „Deshalb haben wir beschlossen, unsere Hilfe fortzusetzen.“ Seitdem sammeln beide Spenden in Lübeck und reisen regelmäßig für mehrere Wochen im Jahr nach Kiaragana.

Kiaragana ist ein kleines Dorf aus knapp 40 Hütten mit Wellblechdächern, ohne Wasserversorgung und nur zum Teil mit Stromanschluss. Die meisten Familien leben von der Landwirtschaft. Das reicht oft nicht einmal, um sich selbst zu versorgen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 70 Prozent, das Pro-Kopf-Einkommen bei umgerechnet 30 bis 100 Euro im Monat.

Das Kinderheim nimmt Mädchen und Jungen auf, die wie Silas auf der Straße leben, weil sie ihre Familie verloren haben und sich selbst überlassen sind. „Als wir 2006 dort ankamen, lebten 13 Kinder in dem Heim“, erzählt Möschl. Heute sind es 27, das jüngste ist zwei Jahre alt, die ältesten sind 18. Weitere 42 Kinder und Jugendliche werden außerhalb des Heims betreut. Drei Frauen und zwei Männer sind fest angestellt. Sie sorgen dafür, dass die Kinder einen geregelten Tagesablauf haben, regelmäßige Mahlzeiten bekommen und die Schule besuchen. Zwischen 80 und 150 Euro muss man pro Jahr und Kind in der Primary-School für Bücher, Hefte und Schuluniformen veranschlagen. Geld, das viele Familien nicht aufbringen können.

„Es ist ein gutes Gefühl, den ansonsten völlig chancenlosen Kindern zu helfen“, sagt Sarah Stracke mit leuchtenden Augen. Und es sei immer wieder erstaunlich, vor Ort zu erleben, wie sich die Ärmsten der Armen in der Geborgenheit des Kinderheims und durch den Schulbesuch zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln und ihre Träume und Ziele verwirklichen. „Vor Jahren haben drei kleine Mädchen aus einer verwahrlosten Holzhütte geholt“, berichtet die Mediengestalterin. „Wir mussten den Vater drei Tage lang bearbeiten, bis er einsah, dass es seinen Kindern im Heim besser gehen würde.“ Heute gehen die Mädchen im Alter von sieben, neun und dreizehn Jahren zur Schule und haben eine Chance auf eine Zukunft.

Ende vergangenen Jahres waren Stracke und Möschl erneut für mehrere Wochen in Kenia. „Auch bei diesem Aufenthalt ist uns wieder bewusst geworden, wie wichtig und nachhaltig unsere Vor-Ort-Arbeit im Embu County ist“, erzählt die Lübeckerin. „Den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, zur Schule zu gehen, ist einfach das Wertvollste, was wir für sie tun können.“ Sie möchten noch mehr Kindern helfen und sind auf der Suche nach Partnern, um das Bildungsprogramm auszubauen.

• Wer Kids Kenia unterstützen möchte, der findet alle erforderlichen Informationen unter www.kids-kenia.de

Hier hilft der Lübecker Verein Kids Kenia
Die ostafrikanische Republik Kenia liegt am Indischen Ozean und hat 38,7 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Nairobi. Weitere Fakten: 580 367 Quadratkilometer Fläche, 66,5 Einwohner pro Quadratkilometer, über 40 Volksgruppen mit über 50 verschiedenen Sprachen und Dialekten. Seit 50 Jahren von Großbritannien unabhängig.
Schulsystem: 8-4-4, acht Jahre Grundschule, vier Jahre Gesamtschule/Gymnasium, vier Jahre Uni. Kitas, Vorschule, weiterführende Schulen und Unis sind überwiegend kostenpflichtig.
Erst seit 2003 wurde das Schulgeld für die Primary School abgeschafft. Auch eine qualifizierte Ausbildung muss teilweise bezahlt werden.
Das Kiaragana Kinderheim liegt in der Nähe der Stadt Runyenjes, im Distrikt Embu, nordöstlich von der Hauptstadt Nairobi.
„Bildung ist der Schlüssel für den Ausweg aus dem bitteren Kreis der Armut.“
Sarah Stracke (34)

Heiko Pump

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!