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06:41 19.02.2019
Bärbel Reichelt von der Seemannsmission (Mitte) erklärt den Dom-Konfirmanden Paula (14, v.l.), Majlis (13), Leon (13) und Luisa (13) ihre Arbeit. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Sie hat ihre gelbe Leuchtweste angezogen; „Seemannsmission“ steht in großen Lettern darauf. Diesmal ist Bärbel Reichelt aber nicht wie sonst üblich in den Lübecker Häfen unterwegs, sondern zu Gast im Gemeindehaus Mühlendamm. Vor ihr sitzt die Konfirmandengruppe von Dom-Pastorin Margrit Wegner. Für die Jugendlichen ist das, was die studierte Theologin und gelernte Journalistin – die nun seit anderthalb Jahren für den diakonischen Verein arbeitet – erzählt, absolutes Neuland. „Die Bahnhofsmission kenne ich ja, aber von der Seemannsmission habe ich bisher noch nicht gehört“, sagt stellvertretend die 13-jährige Majlis.

„Unsere Tätigkeit beginnt mit der Entdeckung, dass Menschen an Bord von Schiffen leben und arbeiten“, sagt Reichelt. Und als sie davon berichtet, dass über 90 Prozent der Güter des täglichen Bedarfs – wie also zum Beispiel Kleidung oder Smartphones – über das Meer zu uns gelangen, ist die Brücke vom Seemannsleben zur Lebenswirklichkeit der jungen Leute hergestellt. Sie gehe an Bord der Schiffe, um für Gespräche bereit zu stehen oder schlicht Prepaidkarten für die Nutzung des Internets zu verkaufen. „Die Besatzung ist häufig über viele Monate durchgehend an Bord und nutzt dann jeweils die Liegezeit im Hafen, um beispielsweise in Ruhe mit der Familie zu skypen oder über Sorgen und Nöte mit uns reden zu wollen“, weiß Bärbel Reichelt.

Über den Tellerrand schauen

Dass der Konfirmandenunterricht inzwischen aus mehr als nur Bibelversen, Liedstrophen und Gebeten besteht, dürfte sich herumgesprochen haben. Für die Dom-Pastorin steht fest: „Natürlich geht es auch um’s Singen und Beten sowie um die Bibel, aber ebenfalls um Glaubensfragen im Alltag und das Erleben von Gemeinschaft.“ Jede Woche werde etwas anderes gemacht. „Wir besuchen unter anderem auch ein Bestattungsunternehmen, da der Tod zum Leben dazu gehört, steigen dem Dom auf’s Dach und gehen durch das Gewölbe, unternehmen zwei Konfi-Freizeiten und wollen viel über den sprichwörtlichen Tellerrand schauen“, zählt sie auf.

Je nach Gemeinde sieht der Konfirmandenunterricht ganz unterschiedlich aus: einjährig mit eineinhalb Stunden pro Woche – wie zum Beispiel am Dom – , zweijährig mit 45 Minuten pro Woche, monatlich oder als Zwei-Phasen-Modell sowie in Form eines inklusiven Unterrichts. Die Lübecker Jugendlichen und ihre Familien haben die Wahl zwischen den Konfirmandenmodellen, da es keine Gemeindebindung wie früher mehr gibt. Noch bis Freitag findet in allen Kirchengemeinden der Propstei Lübeck die gemeinsame Anmeldewoche zum Konfirmandenunterricht statt.

Modell und Gemeinde frei wählbar

„Wir freuen uns natürlich, wenn sich die Jugendlichen in ihrer Heimatgemeinde konfirmieren lassen“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Doch nicht immer lässt sich das Angebot mit ihren schulischen oder außerschulischen Terminen vereinbaren.“ Deshalb lädt sie ein, sich bei Bedarf auch in einer anderen Gemeinde umzusehen. „Frei denken, selbstbestimmt handeln – das ist für Jugendliche in Deutschland alltägliche Normalität. Das ist gut!“, sagt Kallies. „Wir erleben in unseren Gemeinden und der Jugendarbeit, wie selbstbewusst Jugendliche und junge Erwachsene für sich – aber auch für andere einstehen.“

Wie eine aktuelle Jugendstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeigt, entscheiden 52 Prozent der befragten Jugendlichen selbst darüber, woran sie glauben. Damit man wisse, für was oder wen man sich und seine Zeit hergebe, sei es wichtig, informiert zu sein, so die Pröpstin. „Gibt es einen Gott? Wer ist dieser Jesus? Was hat das alles mit der Kirche zu tun? Mit diesen und vielen anderen Fragen setzen sich angehende Jugendliche im Konfirmandenunterricht auseinander. Ganz nebenbei lernen sie Gleichaltrige kennen, denen sie in der Schule vielleicht nicht begegnet wären“, sagt Petra Kallies.

Die Konfirmation

Der Name Konfirmation leitet sich von lateinisch confirmare für befestigen ab. Es ist ursprünglich ein kirchliches Fest für 13- bis 15-jährige Jugendliche, die das Taufversprechen der Eltern und Paten am Taufstein nun selbst sagen und verantworten wollen. Dazu war das Erlernen von Grundinformationen der christlichen Lehre (früher zumeist an Luthers „Kleinem Katechismus“ erworben) notwendig. Die Konfirmationsfeier lag dann an der Schwelle zum Erwachsenenleben, denn damals verließen die Jugendlichen in diesem Alter ihre Elternhäuser und wurden Lehrlinge oder Mägde.

Heute ist die Konfirmation ein weit verbreitetes volkskirchliches Fest. Im Konfirmandenunterricht geht es nicht mehr allein um das Erlernen christlicher Inhalte, sondern auch um die Einführung in existenzielle Fragen nach Sinn und Lebenszielen, nach Solidarität und Selbstfindung. Die Konfirmanden stehen an der Schwelle zur inneren Selbstständigkeit. Nach der Konfirmation entscheiden die Jugendlichen selbst, ob sie am konfessionsorientierten Unterricht teilnehmen möchten.

Mehr Info – auch zu den unterschiedlichen Gemeindemodellen gibt es hier und hier.

Michael Hollinde

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