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Lübeck Lübecker wollen anderen Busverkehr
Lokales Lübeck Lübecker wollen anderen Busverkehr
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21:39 10.10.2017
Zu teuer: Viele Bürger, die an einer Umfrage teilnahmen, kritisieren die Buspreise in Lübeck. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Olaf Malzahn
Lübeck

Vom 15. September bis 5. Oktober haben die grün-alternativ-linken Politiker der drittgrößten Bürgerschaftsfraktion die Lübecker online zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Der umfangreiche Fragenkatalog wurde jetzt ausgewertet. Bände sprechen aber vor allem die zahlreichen Kommentare der 707 Teilnehmer. GAL-Politiker Hans- Jürgen Schubert: „Alle Verkehrsteilnehmer in Lübeck sind unzufrieden. Die Autofahrer stehen im Stau, die Fußgänger zu lange an den Ampeln, die Radfahrer fahren auf holperigen Wegen – und der Busverkehr ist zu teuer.“

Eine nicht-repräsentative Umfrage der GAL-Fraktion, an der 707 Bürger teilgenommen haben, endet mit einer „Ohrfeige für den Stadtverkehr“. Die Bürger kritisieren vor allem die Höhe der Fahrpreise. Sehr kritisch wird auch das Radverkehrsnetz bewertet – gefahren wird trotzdem.

Ein Teilnehmer schreibt: „Wenn meine Frau und ich mit dem Bus in die Innenstadt fahren, müssen wir 11,40 Euro für hin und zurück bezahlen, Fahrten mit dem eigenen Pkw sind günstiger.“ Unlogische Tarifzonen und fehlende Nachtbusse beklagt ein anderer. „Preise für den Stadtverkehr sind viel zu teuer“, lautet ein weiterer Kommentar, „Busfahren ist für mich keine Option.“ Die Busse sollten häufiger fahren, der ÖPNV in einer Großstadt sei schlecht ausgebaut, ein Bus, der einmal in der Stunde fahre, sei kein Angebot. Ein Teilnehmer schreibt, dass er in den 1960er Jahren „praktisch im Bus gewohnt hat“. Heute sei Busfahren in Lübeck ein Luxusartikel.

„Der Busverkehr ist unzuverlässig, es gibt zu große Verspätungen, Stillstand im Stau und ein schlechtes Angebot im Abendverkehr und gar keines in der Nacht“, kritisiert ein Teilnehmer. Die Busse seien in Richtung Universität oft überfüllt und schlecht getaktet. Einige Bürger fordern eine Ringlinie um die Altstadt, so dass nicht alle Fahrzeuge über die Altstadt rollen. Ein Student schreibt: „Wenn Lübeck als richtige Studentenstadt gelten möchte, dann muss dringend mehr in den Busverkehr investiert werden.“ Ein Bürger drückt aus, was man in Lübeck immer wieder hört: „In anderen Städten ist das Busfahren deutlich günstiger.“

Die kritische Meinung zum Stadtverkehr spiegelt sich unmittelbar im Verkehrsverhalten der Befragten wider. Den Bus nutzen nur 16 Prozent der Teilnehmer immer oder häufig auf dem Weg zur Arbeit, zur Ausbildung oder Schule. Sieben Prozent fahren mit dem Bus zum Einkaufen, immerhin 19 Prozent nehmen den Bus auf dem Weg zu Freizeitaktivitäten. Das Auto dagegen nehmen 20 Prozent auf dem Weg zur Arbeit, 28 Prozent zum Einkaufen und 31 Prozent für Freizeitfahrten. Überragende Werte erzielt das Fahrrad: 55 Prozent rollen damit zur Arbeit, Schule oder Ausbildung, 54 Prozent zum Einkaufen und 64 Prozent nehmen es für Freizeitfahrten. 14 Prozent gehen zu Fuß zur Arbeit, 48 Prozent zu Fuß zum Einkaufen und 46 Prozent per pedes zu Freizeitaktivitäten.

Die starke Nutzung des Rades überrascht auch die GAL und war angesichts der zahlreichen Kommentare nicht zu erwarten. Denn das Radwegenetz bekommt noch schlechtere Noten als der Busverkehr. Ein Bürger schreibt: „Manche Radwege sind schlicht Körperverletzung.“

Die GAL-Politikerin Katja Mentz: „Alles, was wir gefühlt wahrnehmen, wird durch diese Umfrage bestätigt.“

Kommentar: Ein verheerendes Ergebnis für den Stadtverkehr

Gemeckert wird immer. Damit könnten die Verantwortlichen beim Stadtverkehr die Ergebnisse der Mobilitätsumfrage der GAL abtun. Noch dazu, weil die 707 Teilnehmer kein repräsentatives Abbild der Lübecker Bevölkerung darstellen.

Doch Vorsicht. Das Echo aus den Kommentarspalten dieser Befragung ist für den Stadtverkehr so verheerend, dass die neue Chefetage sich gründlich Gedanken machen sollte. Wenn Bürger sogar auf den lübschen Radwegen lieber strampeln als sich in die zahlreichen Busse zu setzen, macht der Busbetrieb etwas grundlegend verkehrt. Der Stadtverkehr wurde in den vergangenen 15 Jahren gnadenlos auf Effizienz getrimmt. Die GAL-Umfrage legt die Vermutung nahe, dass allzu viele Bürger dabei an der Haltestelle vergessen wurden.

Für den Radverkehr könnte die Befragung nach hinten losgehen. Nach dem Motto: Die Leute fahren eh, auch wenn die Pisten noch so schlecht sind.

 

 Von Kai Dordowsky

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