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Lübeck Lübecks Brücken bleiben Problemfälle
Lokales Lübeck Lübecks Brücken bleiben Problemfälle
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22:54 05.08.2015
Possehlbrücke: Heinz Mahler (62) von der Firma Wayss & Freytag Ingenieurbau AG misst genau nach. Hinter ihm erstreckt sich das Bauwerk, über das täglich 32500 Wagen und 3200 Radfahrer rollen. Jetzt soll dieser Teil der Querung abgerissen werden. Wann, entscheidet sich kommende Woche. Quelle: Fotos: Neelsen (4), Kröger

Immer wieder müssen sich Autofahrer in Lübeck in Geduld üben: Schuld daran ist vor allem die Possehlbrücke. Die ist seit Ende März stadtauswärts gesperrt. Der Stau nervt die Autofahrer, aber auch die Bauarbeiter haben ihre Not mit dem maroden Bauwerk von 1956. Eigentlich sollte die Hälfte der Querung schon vor zwei Monaten abgebrochen sein — Anfang Juni. Doch das Unterfangen ist schwierig.

„Es ist nicht alles so vorgefunden worden wie gedacht“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Die Unterlagen über das Bauwerk unterscheiden sich deutlich von der Realität. Daher müssen die Pläne für den Abriss überarbeitet werden. Klar ist: Die Possehlbrücke soll zur Hälfte abgebrochen werden (die östliche Fahrbahn, über die die Autos vor der Sperrung stadtauswärts rollten). Dafür muss der andere Teil der Brücke verstärkt werden. Auch diese Pläne müssen erneuert werden.

In der kommenden Woche soll entschieden werden, wann der Abriss der Possehlbrücke vonstatten geht — und wie er im Detail aussieht. Die Kosten für den Neubau betragen zwölf Millionen Euro, das Land übernimmt die Hälfte. Trotz der zweimonatigen Abriss-Verzögerung soll die neue Possehlbrücke im Frühjahr 2017 fertig sein. „Der Zeitverlust soll möglichst ausgeglichen werden“, sagt Dorel. Das ist wichtig, denn die Bahnhofsbrücke wird parallel in Angriff genommen — ab Frühjahr 2016. Dann wird eine zweite Hauptverkehrsstraße in der Stadt nur teilweise befahrbar sein.

Die Reecker Brücke im Süden der Stadt wird noch ein wenig später fertig. Erst in der Woche vom 7. bis 13. September sollen die Autos über die neue Querung rollen können. Ende August wurde zuletzt als Zeitpunkt für die Fertigstellung genannt. „Leider hat die feuchte Witterung in der vergangenen Woche die Arbeiten verzögert“, bedauert Dorel. Aktuell wird die letzte Betonschicht auf die Brücke aufgetragen. Dann müssen die Fahrbahn asphaltiert und das Geländer angebracht werden. Die Querung führt über die Trave und verbindet Lübecks Ortsteil Reecke mit Hamberge in Stormarn. Die Kosten belaufen sich auf knapp zwei Millionen Euro. Den Löwenanteil zahlt die Stadt, aber die Nachbargemeinden geben ebenfalls Geld dazu.

Bereits seit Dezember 2014 fertig ist die Kamelbrücke. Die Fußgängerbrücke verbindet den Teutonenweg mit der Fregattenstraße. Sie soll auch als Radweg geführt werden — doch die Stadt überlegt seit acht Monaten, ob das geht. Der Knackpunkt: die Durchfahrtshöhe. Sie beträgt 2,35 Meter. Doch laut Richtlinie muss sie mindestens 2,50 Meter hoch sein. Inoffiziell wird die Querung sowieso schon von Zweiradfahrern genutzt.

Bei der maroden Josephinenbrücke sind Bauarbeiten noch in weiter Ferne. Da es an Geld und Personal mangelt, ist die Querung seit Mitte Juli zunächst für Lastwagen gesperrt — ab zwölf Tonnen. Doch dicke Brummis rollen weiterhin über die Querung. Die Ahndung dieser Fälle ist schwierig, erklärt Dorel. Es droht nur ein Bußgeld von 20 bis 25 Euro. Aber die Stadt setzt auf den Faktor Zeit.

„Erfahrungsgemäß werden die Sperrungen nach einiger Zeit angenommen“, so Dorel. Und: „Die Brücke wird sicherlich nicht sofort einstürzen.“

Teure Sanierungen
2008 sorgte der Brücken-Bericht der Bauverwaltung für Alarmstimmung. Demnach muss die Stadt mehr als 82 Millionen Euro in die Instandsetzung der 164 Straßen-, Fuß- und Radwegbrücken investieren. Viele wurden in den 1950er und 1960er Jahren errichtet und sind mittlerweile vom Betonkrebs zerfressen — wie die Possehlbrücke von 1956.

Josephine von Zastrow

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