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Lübeck Lübecks Kinder bleiben immer länger in der Kita
Lokales Lübeck Lübecks Kinder bleiben immer länger in der Kita
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22:27 05.03.2016
Gute Nachricht für Nora (4), Olivia (5), Frieda (5), Mona (4) und Greta (8), die von Beate Zaremba (42) betreut werden: Die Kita St. Aegidien erweitert die Betreuungszeit für eine Elementargruppe (Drei- bis Sechsjährige) von sechs auf 8,1 Stunden am Tag. Quelle: Fotos: Maxwitat, Daake

Der klassische Halbtagsplatz in der Kita wird zum Auslaufmodell. Lübecks Eltern brauchen Ganztagsplätze. 90 Prozent der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren sind ganztags belegt. In den Kindertagespflegestellen werden 45 Prozent der Sprösslinge mehr als 30 Stunden in der Woche betreut. 67 Prozent der Kita-Kinder zwischen drei und sechs Jahren sind sechs Stunden und mehr in der Einrichtung. „Die Nachfrage hält an — und das Angebot wird ausgebaut“, erklären die städtischen Jugendhilfeplaner in ihrer neuesten Bedarfsplanung für 2016/2017.

Der klassische Halbtagsplatz in der Kita wird zum Auslaufmodell. Lübecks Eltern brauchen Ganztagsplätze. 90 Prozent der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren sind ganztags belegt.

Gemeinschaft in der Dornbreite

In dörflicher Umgebung

hören die Menschen noch zu und suchen die

Begegnung. Seite 15

Landesweit vorn

30 Prozent beträgt die Ganztagsbetreuungsquote in Schleswig- Holstein, sagt der Report „Kindertagesbetreuung regional 2015“ der Statistischen Ämter. Lübeck liegt landesweit kurz hinter Flensburg.

54 Millionen Euro investiert die Stadt in die Betreuung.

6984 Kinder werden aktuell in Kitas, Horten und bei Tagespflegestellen betreut.

„Immer mehr Frauen müssen arbeiten, um zur finanziellen Versorgung der Familie beizutragen“, erklärt Nadine Wiederhold, Leiterin des Kitawerks der evangelischen Kirche. „Wir machen seit letztem Sommer die Erfahrung, dass Familien sich gegen unsere Einrichtungen entscheiden, wenn die Kita am Freitag um 14 Uhr schließt.“ Das Kitawerk packt auf die von der Stadt finanzierte Erweiterung von Öffnungszeiten noch etwas obendrauf — aus Eigenmitteln.

„Immer mehr Eltern brauchen die längeren Öffnungszeiten“, stellt Joachim Karschny, Chef von Kinderwege, fest. Das bestätigt auch Andreas Voß, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Die ASB-Betriebskita „Gewerbezwerge“ nimmt Kinder schon um 5.45 Uhr auf, weil Eltern Schichtdienste haben. Die 2. Frauen-Bürgerschaft beschloss, dass die Stadt die Betreuung in den Randzeiten — ganz früh morgens oder spät abends — ausbauen müsse. „Die Öffnungszeiten sind zu starr“, erklärt Nicole Voß, eine politisch aktive Mutter. „Viele Frauen kommen mit den engen Zeiten nicht zurecht“, weiß die Frauenbeauftragte Elke Sasse. Verkäuferinnen und Pflegekräfte bräuchten auch Betreuungszeiten in den Abendstunden.

Von 5.45 bis 21 Uhr haben die „Unizwerge“ geöffnet — das ist Spitze in Lübeck. „Maximal zehn Stunden sind die Kinder in der Kita“, sagt Claudia Haase, Leiterin Beruf und Familie beim UKSH, „das ist abhängig von den Schichtdiensten der Eltern.“ Die „Unizwerge“ (130 Plätze) haben Wartelisten. Zehn Stunden Betreuungszeit sind in städtischen Kitas die Ausnahme. 27 von 1618 Kindern sind dafür angemeldet. Aber verlängerte Öffnungszeiten sind auch beim städtischen Träger ein Thema — fünf Einrichtungen weiten zum August die Zeiten aus. Ganz neu ist der Trend nicht, er nimmt aber an Tempo zu.

In den vergangenen Jahren haben 36 Kitas die Betreuungszeiten verlängert. Im Kita-Jahr 2016/2017 sind es allein 22.

Ganztagsgruppen erhalten mehr Personal. Ab August finanziert das Land pro Gruppe eine halbe Fachkraftstelle zusätzlich. Jugendsenatorin Kathrin Weiher (parteilos) findet es „unheimlich gut“, dass das Land den Bedarf erkannt habe. Problematisch werde die faktische Umsetzung, warnt Doris Oldenburg, Bereichsleiterin der 28 städtischen Kitas: „Woher soll ich die Leute nehmen?“ Der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen sei leergefegt. Die Kreis- und Stadtelternvertretung der Kitas fordert, dass tatsächlich mehr Personal eingestellt und nicht die Arbeitszeiten der bereits vorhandenen Betreuungskräfte verlängert werden. Außerdem sollen die Kita-Gruppen verkleinert werden. Das lehnt Weiher als unbezahlbar ab.

Von Kai Dordowsky

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