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Lübeck Lübecks Pressezentrum schließt die Türen
Lokales Lübeck Lübecks Pressezentrum schließt die Türen
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09:14 07.08.2018
Ein weiterer Schock für die Lübecker Innenstadt: Das Pressezentrum schließt seine Türen. Geschäftsführer Jörg Jäger schaut sich nach einer neuen Verkaufsfläche um. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Innenstadt

„Das Haus ist einfach zu groß geworden“, sagt Geschäftsführer Jörg Jäger achselzuckend, während er schnellen Schrittes die zweite Etage durchquert. An der Wand hängt noch ein Schild auf dem „Kinder-DVDs“ steht, ein Wegweiser an der gegenüberliegenden Wand deutet zum „Pressecafé“, das einst zum Verweilen einlud. „Vor sieben, acht Jahren haben wir die zweite Etage komplett dicht gemacht“, erzählt Jäger, „auch im ersten Stock haben wir die Verkaufsfläche vor rund einem Jahr verkleinert.“

Schuld daran sei in erster Linie der eingebrochene Musik- und Filmumsatz. „Das liegt vor allem am technischen Fortschritt. Trotzdem haben wir immer alle Neuheiten da, falls die Kunden etwas suchen“, erklärt Jäger. Der 59-Jährige blickt aus dem Fenster des ehemaligen Cafés. „Nur noch die Touristen“, flüstert er, „die Innenstadt verödet.“ Die Einkaufszentren auf der grünen Wiese würden immer mehr und immer größer und die Parksituation in der Innenstadt sei immer noch schwierig. 

Ein weiterer Schock für die Lübecker Innenstadt: Das Pressezentrum schließt seine Türen. Der Mietvertrag für die 1000 Quadratmeter große Fläche in der Breiten Straße läuft zum 31. Januar 2019 aus. Der Geschäftsführer schließt eine Neueröffnung an einem kleineren Standort nicht aus.

Ein Problem, das auch Olivia Kempke, Chefin des Lübeck-Managements, kennt. „Die Lübecker gehen nicht mehr in die Innenstadt. Darüber mache ich mir ernsthaft Gedanken“, sagt sie. Die Schließung des Pressezentrums sei extrem bedauerlich. „Es war das letzte inhabergeführte Traditionsgeschäft in der Breiten Straße.“

Die Urlauber bummeln gerne durch das Erdgeschoss, in dem neben Zeitschriften und Büchern auch Geschenke und Souvenirs verkauft werden. „Dort ist der Umsatz nahezu gleich geblieben“, berichtet Jäger.

Aber es reicht eben nicht. Denn im ersten Stock herrscht gähnende Leere. Nur die Konzertkasse lockt die Kunden die Treppe hinauf. Doch auch der Ticketverkauf könnte bald ein Ende haben. Denn zum 31. Januar läuft der Mietvertrag aus. „Ich hätte die untere Etage gerne weiter gemietet, aber das war nicht gewünscht“, erzählt Jäger. Die Konsequenz: Das Pressezentrum muss schließen. Was dann passiert, steht in den Sternen.

„Es gibt nichts Konkretes“, so Jäger. „Wir schauen uns nach kleineren Flächen in der Innenstadt um. Es muss einfach passen.“ Für die Mitarbeiter kommt das drohende Aus nicht überraschend. „Ich habe das immer offen kommuniziert“, sagt Jäger. 45 Angestellte hatte das Pressezentrum zu Bestzeiten, heute sind es noch zehn. „Ich erwarte trotzdem von allen, dass sie bis zum letzten Tag voll dabei sind. So wie ich auch“, sagt der 59-Jährige. Denn der Verkauf geht normal weiter. Rund um Weihnachten will Jäger dann mit dem Ausverkauf starten.

Weil die Gutscheine nur noch bis zum 31. Januar ausgestellt werden, hat sich die Neuigkeit aber bereits bei Kunden herumgesprochen. Das Echo ist fast immer gleich: „Sie sind enttäuscht und bedauern die Schließung“, weiß Jäger. „Das ist wirklich traurig. Wir Lübecker sind doch mit dem Pressezentrum aufgewachsen“, findet Christian Maack. Und auch Leyla Nova wird das Traditionsgeschäft vermissen. „Wenn man mal schnell etwas braucht, gibt es hier alles“, findet sie. Und: „Der Service hier ist wirklich ganz toll.“

Betroffen vom Aus ist auch Eisverkäufer Ümit Yilmaz. Seit 2002 steht er mit seinem kleinen Wagen vor dem Pressezentrum und verkauft Softeis und Crêpes. „Es tut weh, aber was soll’s“, sagt er seufzend. Für ihn ist bereits Ende November Schluss. „Es hat sich ohnehin nicht mehr gelohnt. Die Konkurrenz wird immer größer.“ 1000 Euro plus Mehrwertsteuer muss er monatlich für seinen Standort zahlen. „Dafür muss ich viel Eis verkaufen“, sagt der 53-Jährige. Im Hansering hat Yilmaz ein Dartcafé eröffnet, es soll sein neues Standbein werden. Den Eiswagen will er im Winter vorerst in Rente schicken. „Aber wer weiß, vielleicht finde ich irgendwann wieder einen Ort dafür“, sagt er und streicht sanft über die bunte Plane.

Die Historie

Am 4. März 1976 fing in der Königstraße 51 alles an. Mit fünf Mitarbeitern eröffneten Martin Salzmann und Alexander Nolte das Pressezentrum. 1981 folgte aufgrund von Platzmangel der Umzug in die Breite Straße, zwei Jahre später wurden hier erstmals CDs angeboten. 2005 wurde das Pressezentrum in der Sparte „Handelspartner des Jahres“ mit dem Echo ausgezeichnet.

Der Preis steht seitdem neben der Konzertkasse.

Maike Wegner

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