Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübecks Rasern geht es mit High-Tech an den Kragen
Lokales Lübeck Lübecks Rasern geht es mit High-Tech an den Kragen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 16.11.2016
Anzeige
Lübeck

Attacken auf Blitzersäulen und unscharfe Fotos sollen bald der Vergangenheit angehören: Die Hansestadt rüstet kräftig nach. Mit gemieteter, sogenannter semistationärer Geschwindigkeitsüberwachung sagt Lübeck den Rasern den Kampf an. Ab kommendem Jahr werden verschiedene Systeme ein halbes Jahr lang getestet. Und die bereits existierenden Blitzer bekommen neue Kameras. Die Stadt erhofft sich nicht nur einen Anstieg der Bußgeldeinnahmen, sondern vor allem auch einen Anstieg der Sicherheit auf den Straßen.

„Die neuen Geschwindigkeitsmesser vereinen die Vorteile von stationären und mobilen Blitzern“, erklärt Innensenator Ludger Hinsen (CDU) auf LN-Anfrage. Die über eine Tonne schweren Container bräuchten nämlich kein Personal, könnten aber an allen Gefahrenstellen nach Bedarf aufgebaut werden. „Deshalb freuen wir uns immer über Hinweise aus der Bevölkerung“, sagt Hinsen. Weiterhin gebe es aber auch mobile Messgeräte. Die Pläne wurden im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung präsentiert. Bald sollen die gepanzerten Blitzer im Einsatz sein.

Der Clou an der Sache: Die grauen Kästen sind nur gemietet. 8000 Euro kostet ein solches Messgerät monatlich. „Aber nur in der Testphase. Wenn wir uns für ein System entschieden haben und länger als ein paar Monate mieten, sinkt die Gebühr“, so Hinsen. Gleichzeitig sind die High-Tech-Blitzer nicht nur vandalismussicher, sondern auch versichert. „Wir würden nicht in die Verlegenheit kommen, Reparaturen aus eigener Tasche zu zahlen“, sagt Hinsen.

Lübecks Geschwindigkeitsmesser waren immer wieder Ziel von Saboteuren. Mehrfach schlugen Unbekannte die roten Fenster des Blitzlichts ein und beschmierten die Säulen mit Farbe. Zuletzt traf es im März und Mai die Anlagen im St.-Jürgen-Ring kurz vor dem Berliner Platz in Fahrtrichtung Geniner Straße und erneut den Blitzer in der Wallbrechtstraße. Im Mai drohte Innensenator Hinsen an, dass nun schärfere Geschütze aufgefahren würden. Die festen Blitzersäulen bekommen neue, moderne Kameras – der Fahrer eines Wagens wird genau zu erkennen sein.

Gleich mehrere Fahrspuren können die gepanzerten Blitzer erfassen. Und auch den Motorradfahrern geht es nun an den Kragen – die Kameras schießen auch Fotos von hinten. Die Akkus der Blitzer halten im Dauereinsatz fünf Tage. Laut Verwaltung sollen die Mietkosten der Blitzer gedeckt sein, wenn es durchschnittlich einen Raser pro Stunde gibt. Die Gebühren für einen Bußgeldbescheid belaufen sich nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz auf mindestens 25 Euro – plus geforderte Geldbuße. 1,5 Millionen Euro nahm Lübeck zuletzt mit stationären Tempomessern ein. „Wir rechnen nur mit einem moderaten Anstieg der Einnahmen. Denn es geht hauptsächlich um die Sicherheit“, so Hinsen. Von Tomma Petersen

 

Blitzer-Attacken

Immer wieder werden Lübecks Starenkästen demoliert. Mitte März schmierten Unbekannte zähe, rote Farbe auf die Blitzer vor dem Berliner Platz.
Regelmäßig trifft es die Blitzer in der Wallbrechtstraße und der Neuen Hafenstraße. Im Februar und März wurden sie beschmiert. 2014 beschädigten Unbekannte die stationären Säulen vier Mal.

Kommentar

Outsourcing von Blitzern

Lübecks Temposünder werden zur Kasse gebeten. Und die Hansestadt hält die Kosten für den Raser-Krieg klein – mit gemieteten Blitzern. Outsourcing im Kleinen. Mit den modernen Containern kann nicht nur mehr, sondern auch effektiver kontrolliert werden. Durch die zusätzlichen, autarken Geschwindigkeitsmesser spart man nicht nur Personalkosten: Werden die tonnenschweren Foto-Panzer tatsächlich morgens vor Kindergärten und Schulen, abends und nachts an bekannten Raserstrecken aufgebaut, ist das eine gute und sichere Sache.

Besonders gut tarnen können sich die gemieteten High-Tech-Geräte nicht. Allein durch die auffälligen und großen Geräte dürfte eine Vielzahl der Autofahrer Zeit haben, auf das vorgegebene Tempo herunterzubremsen. Und: Vielleicht vergeht bei alarmgesicherten Blitzern auch dem letzten Rowdy die Lust am Randalieren. Tomma Petersen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige