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Lübeck Lübecks Sportflieger bangen um ihr größtes Hobby
Lokales Lübeck Lübecks Sportflieger bangen um ihr größtes Hobby
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00:00 18.10.2012
Gleich geht’s los: Thomas Gürtler ist seit 39 Jahren begeisterter Segelflieger und kann – wie seine Vereinskameraden – nur hoffen, dass der Aero Club nächstes Jahr wieder in eine neue Saison startet.
Lübeck

Gut die Hälfte der 50 Aktiven im 140 Mitglieder starken Aero Club von Lübeck (ACvL) sind zur Südseite des Flughafens Blankensee gekommen, um ein letztes Mal in dieser Saison durch die Lüfte zu segeln. Jeder kann sooft fliegen wie er mag, zudem an einem Ziellandungswettbewerb teilnehmen, abends ist eine Party angesagt. Alles prima also – bis auf die Tatsache, dass niemand weiß, ob sie nächstes Jahr im März wieder starten können. Zu ungewiss ist die Zukunft des Flughafens Blankensee. „Wir machen uns große Sorgen“, sagt Vorsitzender Rüdiger Kosemund (51).Gemeinsam mit den motorisierten Sportfliegern vom Lübecker Verein für Luftfahrt machen sich die Segelflieger stark für ihren Verbleib an Ort und Stelle. „Wir sind intensiv im Gespräch mit Bürgermeister, Politik und möglichen Investoren“, sagt Kosemund, „denn wir sind sehr interessiert daran, unsere mehr als 60-jährige Geschichte fortzusetzen“. Zum einen hätten beide Vereine den Flughafen Blankensee zunächst allein betrieben, zum anderen aber verweist er auf die rund 1600 Schulungsflüge pro Jahr sowie die Arbeit mit Jugendlichen und Behinderten.Auch beim rund 80 Mitglieder starken Lübecker Verein für Luftfahrt mit seinem Vorsitzenden Torsten Rieß (51) sind „alle sehr besorgt“. Wenn der Flughafen abgewickelt würde, sagt Rieß, „wäre das eine Katastrophe, denn in eineinhalb Stunden Entfernung gibt es keinen anderen Flughafen“. Dabei denkt er nicht nur an die Hobby-, sondern auch an sonstige Flüge „wie zum Beispiel die Organflüge. Wenn gar nichts anderes ginge, überlegt der Vorsitzende, „müsste man versuchen, auf der Südseite einen Bedarfsplatz einzurichten“. Momentan hängen die Hobbyflieger im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft.„Die Sportflieger müssen bei einer Abwicklung des Flughafens gehen“, sagt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Denn die rot-rot-grüne Rathaus-Mehrheit will dem Airport die städtischen Zuschüsse ab 2013 streichen. Schindler: „Ein Sportflugplatz kostet aber auch Geld. Nur bei einem Verkauf oder einer Konsolidierung wäre Sportfliegen in Lübeck weiter möglich.“ Nach Angaben von Flughafen-Chef Prof. Jürgen Friedel würde ein reiner Sportflugplatz die Stadt rund 800 000 Euro im Jahr kosten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt diese Summe bezahlt“, erklärt Friedel. Bei einer Insolvenz oder Abwicklung des Airports würde die Betriebsgenehmigung erlöschen. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass eine neue Betriebsgenehmigung erteilt wird“, so Friedel: „Hier bleibt nur eine Wiese.“ Die würde zumindest für die Segelflieger reichen, stellt Jan Lindenau (SPD) fest. Welche Bedingungen die Motorsportflieger brauchen, will die SPD in einem demnächst anstehenden Gespräch mit den Hobbypiloten klären. Lindenau: „Wir könnten ihnen im südlichen Bereich einen Platz verpachten, den sie selber bewirtschaften.“Gerade für die Segelflieger wäre eine Lösung wichtig, denn hier werden etliche Jugendliche ab 14 Jahren ausgebildet. Ohne Lübecker Flughafen sähe es schlecht aus: Der nächste Sportflughafen liegt hinter Mölln. „Ein Erwachsener könnte vielleicht noch dorthin fahren, aber jugendliche Schüler hätten gar keine Chance mehr“, sagt Thomas Gürtler (53), der seit 39 Jahren in die Lüfte geht und Segelfliegen als „das tollste Hobby“ bezeichnet. Der 16-jährige Henning Steinburg liebt sein Hobby ebenfalls, „weil man beim Segelfliegen immer unterschiedliche Situationen hat und es spannend bleibt “. Auch Segelflugreferentin Nadine Sevegnani (31), die von einem „unbeschreiblichen Gefühl“ beim Segelfliegen spricht, hat Angst: „Wenn wir hier nicht mehr fliegen dürfen, wird’s dramatisch, weil einem hier das größte Hobby weggenommen wird.“ Rüdiger Kosemund blickt gen Himmel und sagt: „Wir können nur hoffen, dass wir im März weiterfliegen dürfen.“

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