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Lübeck Lübecks dunkle Ecken: Frauen wollen mehr Sicherheit
Lokales Lübeck Lübecks dunkle Ecken: Frauen wollen mehr Sicherheit
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15:05 08.01.2016
Für Viele unheimlich: Der Durchgang am Zob Quelle: Maxwitat

Die Vorfälle in Köln und Hamburg sind auch in Lübeck ein großes Thema, viele Frauen diskutieren die Übergriffe in der Silversternacht in ihren Freundeskreisen und bei der Arbeit. „Das alles habe ich schon im Hinterkopf“, gesteht die 21-jährige Helen Birkner. Gerade in dunklen Ecken beschleiche sie oft ein ungutes Gefühl. „Am Bahnhof holt mich mein Freund immer ab“, sagt Birkner, „damit ich nicht allein nach Hause gehen muss.“ Auch Eirini Andriadou geht es so: „Vor allem abends habe ich Angst“, sagt die 19-Jährige.

Das Problem ist vor allem das sogenannte subjektive Sicherheitsempfinden. „Unter anderem der Durchgang vom Zob zum Hauptbahnhof sollte belebter sein“, sagt Claudia Teschner (40). Weitere kritische Orte: die dunklen Parkplätze an der MuK und in der Kanalstraße, das Gebiet vor dem Hauptbahnhof und das Disco-Areal am Hüxterdamm. Belastbare Zahlen, die das mulmige Bauchgefühl bestätigen, gebe es aber nicht. Polizeisprecher Stefan Muhtz: „Die Örtlichkeiten sind nach polizeilicher Auffassung nicht per se angsteinflößend.“

Nichtsdestotrotz überlegen Stadt und Polizei seit Langem, wie sie das Sicherheitsgefühl steigern können. Die Busse des Stadtverkehrs sind mit Kameras ausgerüstet, gleichzeitig wird die Mittelinsel des Zob gefilmt. Dort kooperieren Polizei und Stadt seit Mitte 2012 und erarbeiteten ein gemeinsames Sicherheitskonzept. Im selben Jahr wurde auf der Partymeile Hüxterdamm wegen der vielen Schlägereien und Diebstähle die nächtliche Polizeipräsenz vor allem an Wochenenden aufgestockt, Kameras wurden zumindest diskutiert. Bei den zu dunklen MuK-Parkplätzen sah die Stadt allerdings noch im November trotz Kritik keinen Handlungsbedarf (die LN berichteten). Eine neue Einschätzung zum Gesamtthema konnte die Stadt gestern auf Anfrage nicht abgeben.

Dabei wünschen sich die Lübeckerinnen Nachbesserungen. Laut Helen Birkner seien „mehr Licht und Kameras“ ein guter Schritt. Die Lübecker Polizei will auf die Auswertungen aus Köln und Hamburg warten, „um über mögliche Konzepte gegen dieses neue Phänomen nachzudenken“, so Muhtz.

Catharina Strutz-Hauch vom Lübecker Frauennotruf versteht die Sorgen: „Überall dort, wo viele Menschen unterwegs sind, können Belästigungen passieren — zum Beispiel im Bus.“ Die Mehrzahl ereignete sich jedoch im eigenen sozialen Umfeld und dort, wo sich die Frauen sicher fühlen. „Etwa zu Hause oder auf der Arbeit“, so Strutz-Hauch. Detlef Hardt vom Weißen Ring führt zudem Discos an. Die dortige Atmosphäre werde gern von Männern genutzt, um Frauen „in einer unangemessenen Art anzusprechen und sie auch unsittlich zu berühren“.

Strutz-Hauch setzt sich deshalb dafür ein, die gesamte Gesellschaft zu sensibilisieren: „Es muss klar sein, dass sexuelle Belästigungen tabu sind.“ Hardt appelliert an die Mitmenschen, sich „wenn möglich einzumischen“ und zu helfen. Darüber hinaus helfe es, als Frau resolut und entschlossen aufzutreten. Das signalisiere „Stopp heißt Stopp“. Diese Vorgehensweise beherzt Claudia Teschner seit vergangenem November, sie besucht einen Selbstverteidigungskurs. „Damit fühle ich mich selbstsicherer.“

Peer Hellerling

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