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Lübeck Lübecks erster Schnullerbaum
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10:22 11.09.2014
Mathilda (4) schaut etwas skeptisch zur großen Esche hinauf. Dort soll ihr Schnuller künftig hängen? Sie braucht ihn zwar nur „ein paar Minuten zum Einschlafen“, aber so eine Entscheidung will gut überlegt werden. Am Ende war es gar nicht schwierig. Quelle: Fotos: Cosima Künzel
St. Gertrud

Am Anfang sind sie ein Segen. Aber wie wird man die Dinger wieder los? Generationen von Eltern lassen sich Geschichten über Feen und andere Tricks einfallen, um die Trennung vom „Nulli“, „Dudu“ oder „Tutu“ zu erleichtern. Jetzt hilft die Stadt. Im Drägerpark hat sie Lübecks ersten Schnullerbaum eingeweiht: aufhängen, Tschüs sagen, fertig. Theoretisch.

„Simon ist vier“, sagt Jana Pribik (37) und lacht herzlich, „es wird mehr als Zeit.“ Doch ihr Junge sieht das anders. Er hängt an seinen Schnullern, von denen sich im Laufe der Jahre 14 Stück angesammelt haben. Sein großer Bruder Leonard (8) brauchte nie einen, von dem ist kein Tipp zu erwarten. Gerade hatten die Eltern beschlossen, selbst einen Schnullerbaum in den Garten zu pflanzen, da kam das Angebot der Stadt. „Das ist unsere Chance“, sagt die Mutter, die Simons Einschlafhilfen an einer langen Schnur aufgehängt hat.

Ein paar Meter weiter steht Mathilda (4). Sie hat nur einen Schnuller, aber der ist nicht minder wertvoll. „Ich brauch ihn nur ein paar Minuten zum Einschlafen“, sagt die Kleine, „dann leg ich ihn unters Kopfkissen.“ Natürlich darf ihn dort niemand wegnehmen, nicht einmal die Schnuller-Fee. „Obwohl die schon einen Brief geschrieben hat“, sagt Mama Anna Schwertfeger (35) und freut sich, dass ihre Tochter den Baum im Park „zumindest anschauen“ will.

60 Jahre alt ist die Esche, die nun die Tröster tragen soll. Sie steht gegenüber des Naturbades Marli und ist mit ihren 17 Metern so groß, dass die Kinder sich ihre Schnuller nicht einfach wieder herausholen können. Von Mai bis Oktober soll der Hubsteiger an jedem zweiten Mittwoch des Monats bereitstehen (ab 15 Uhr), und Björn Peters (42) erklärt: „Die Kinder können ihre Schnuller selbst aufhängen und so spielerisch Abschied nehmen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.“ Gesichert und begleitet werden Eltern und Kinder auf ihrer Hubsteigerfahrt von Baumpflegern. „Ganz nebenbei gewinnt der eine oder andere mit dem Schnullerbaum möglicherweise nicht nur einen Seelentröster für die kommenden Tage und Wochen, sondern einen echten Freund fürs Leben.“

Tomek (3) ist sich da noch nicht so sicher. Mit großen Augen und drei Schnullern in den Händen steht er neben Mutter Tina Bunk (38) und sagt dann leise: „Die Fee holt meinen Schnuller dann aus dem Baum und gibt ihn dem Baby von Mamas Freundin.“ Diese Freundin, Nadine Paul (37), steht mit ihrem schönen, runden Bauch und Jonte (2) daneben und lächelt. „Genau so machen wir das.“ Am Ende fällt allen Kinder das Abschiednehmen leichter als erwartet. Die Fahrt mit dem Hubsteiger ist so aufregend, dass sie alles andere fast vergessen. Außerdem gibt es zur Belohnung Geschenke: Schnuller aus Weingummi.

Cosima Künzel

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