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Lübeck Lübecks neuer Bausenator ist eine Frau
Lokales Lübeck Lübecks neuer Bausenator ist eine Frau
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22:20 26.01.2017
Joanna Glogau (45, parteilos) wird am 1. Mai neue Bausenatorin der Hansestadt Lübeck und beerbt damit Franz-Peter Boden (65, SPD). Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Die Hansestadt hat ihre erste Bausenatorin: Joanna Glogau (parteilos). Die 45-jährige Lübeckerin ist von der Bürgerschaft gewählt worden, setzt sich in einer Kampfabstimmung gegen Christian Mews (41, SPD) aus Schwerin durch. In geheimer Wahl erhält Glogau 25 Stimmen, Mews nur 22 Stimmen. Überraschend setzen sich damit die kleinen Fraktionen durch. Denn Glogau ist die Kandidatin von BfL, FDP, Grünen. Die CDU soll sie mitgewählt haben – jedenfalls größtenteils. Die SPD indes verliert die Stichwahl mit ihrem Kandidaten. Mews soll die Stimmen von Bruno Böhm (Freie Wähler) und GAL erhalten haben – zumindest von einigen.

„Mit großer Freude nehme ich das Amt an“, sagt die frisch gekürte Bausenatorin. Für sie war es nicht ausgemacht, dass sie die Wahl für sich entscheidet. Denn: „Ich bin nicht vernetzt in der Stadt und nicht parteipolitisch aktiv.“ Sie habe auf ihre Fachkompetenz gesetzt. „Das war offensichtlich erfolgreich“, sagt Glogau. Ihre Bewerbung um den Job des Bausenators sei das Ergebnis „reiflicher Überlegung – und ein bisschen Herz war auch dabei“. Sie wird ihr Amt am 1. Mai antreten. Bausenatorin Franz-Peter Boden (SPD) geht in den Ruhestand. Der 65-Jährige war dann 14 Jahre im Amt.

Glogau ist Lübeckerin, hat in Hannover Architektur studiert und arbeitet aktuell beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein in Kiel. Dort leitet sie den Bereich Bundesbau mit 300 Mitarbeitern. Sie lebt in St. Lorenz Süd und pendelt nach Kiel. Als Bausenatorin will Glogau den Dialog mit den Bürgern führen. „Ein Planer muss auch mit einer anderen Brille auf die eigene Planung schauen“, so Glogau. Die Politiker will sie fundiert über Bauprojekte informieren. „Das ist wichtig, um eine tragfähige Grundlage zu haben.“ Und die sei notwendig für den Erfolg. Den will Glogau mit den Fachleuten der Verwaltung sicherstellen. Mit ihrer Rede vor der Bürgerschaft stellt sie Mews in den Schatten, der vor allem seine Behördenerfahrung hervorhebt.

Große Freude bei der BfL. „Wir haben es geschafft, Senatorin Kathrin Weiher eine zweite, parteilose Person zur Seite zu stellen“, sagt BfL-Mann Marcel Niewöhner stolz. Denn er hat im Hintergrund die Mehrheiten für Glogau organisiert. Anders als die CDU. Die hat selbst keinen Kandidaten nominiert. Denn CDU-Bauexperte Christopher Lötsch hat für Martin Lambert (CDU) aus Berlin keine Mehrheit zusammenbekommen. Dabei hatte Lambert beim großen Bausenatoren-Casting einen guten Eindruck hinterlassen. Er war der dritte Bewerber, der noch im Rennen war. So hat sich die CDU intern dann auf eine Unterstützung Glogaus festgelegt, konnte sich aber nicht auf eine Nominierung einigen. Denn die CDU-Fraktion ist aktuell von einem internen Machtkampf zerrissen. Die Fraktion teilt sich in zwei Lager – pro und contra Fraktionschef Andreas Zander. Der sagt nach der Wahl: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass Glogau besonders beim Schulbau sowie im Straßen- und Brückenbau in Lübeck neue Akzente setzen kann.“ Und CDU-Kreischefin Anette Röttger urteilt: „Glogau hat sich als aktive und kompetente Frau präsentiert.“

In der Schlange der Gratulanten steht auch Senatorin Weiher. „Eine zweite Frau im Senat – ich freue mich“, so Weiher. Und Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse meint: „Ich freue mich, dass wir eine weitere Frau in der Senatsriege haben.“ Denn mit Glogaus Wahl verändert sich das Gesicht des lübschen Senats entscheidend. Ab Mai sitzen dort zwei parteilose Frauen: die neue Bausenatorin Glogau sowie Schul- und Kultursenatorin Weiher. Hinzu kommen zwei Männer: Wirtschafts- und Sozialsenator Sven Schindler (SPD) sowie Innen- und Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU). Chef der Runde ist Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Jedenfalls bis Ende April 2018. Dann geht er in den Ruhestand.

Um den Bürgermeisterposten bewerben sich zwei Frauen und ein Mann. Senatorin Weiher ist von der CDU und den kleinen Parteien nominiert. In der SPD wollen Fraktionschef Jan Lindenau und die Hamburger Regierungsrätin Konstanze Wagner den Posten. Die SPD entscheidet am 11. Februar, wen sie ins Rennen schickt. Die Bürgermeisterwahl ist im Herbst. jvz

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