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Lübeck Männerquote in den Kitas steigt
Lokales Lübeck Männerquote in den Kitas steigt
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23:34 05.11.2013
Bunter Abschluss: Kita-Kinder ließenmit ihren männlichen Erziehern Ballons steigen. Quelle: Roeßler
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Lübeck

Iris Birnbacher, Leiterin der Kita „Unter dem Regenbogen“ in St. Jürgen hätte gern einen männlichen Erzieher ins Team geholt. „Auf unsere Ausschreibung hat sich nicht ein Mann beworben“, bedauert die Leiterin, dabei ging es sogar um eine Vollzeitstelle für eine Krippengruppe. Noch schlechter geht es Sabine Notzke, Leiterin der Kita „Grauer Esel“ im selben Stadtteil. „Wir haben gerade einen Mann verloren“, berichtet Notzke. Der Erzieher hat auf der Abendschule sein Abitur nachgeholt und studiert jetzt an der Hamburger Uni auf Lehramt. „Vom Erziehergehalt kann man halt nicht leben“, nennt die Kita-Chefin einen Grund, zumal die meisten Stellen in Teilzeit vergeben würden.

Männer als Erzieher sind begehrt in Lübeck und auch im restlichen Deutschland. Drei Jahre lang förderten Bund und Europäische Union (EU) mit einem Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“ den Zuwachs an männlichem Kita-Personal. Ende dieses Jahres läuft das Projekt aus. „Vor drei Jahren hatten wir 2,6 Prozent Männeranteil in den Kitas“, erklärte Joachim Karschny vom Kita-Anbieter Kinderwege, „im vergangenen Jahr waren es bereits elf Prozent.“ Kinderwege ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat bereits eine Männerquote von 16 Prozent. In Lübeck würden weitaus mehr Männer in den Einrichtungen arbeiten als vor zehn Jahren, bestätigt Nicola Leuschner, Vorsitzender des Dachverbandes der Freien Träger. Auch der Kinderschutzbund, bei dem Leuschner arbeitet, hat gerade zwei Männer als Erzieher neu eingestellt. In den städtischen Kitas dagegen vollzieht sich die Entwicklung weitaus betulicher. Im Januar 2010 kamen auf 225 Beschäftigte gerade einmal vier Männer. Im November dieses Jahres sind es schon elf Männer — allerdings bei inzwischen 301 Beschäftigten.

Nicola Leuschner vom Dachverband der Freien Träger geht davon aus, dass sich die Langzeitwirkung des Projekts erst in fünf Jahren einstellt. Dann werde sich die Überzeugungsarbeit in den Schulen auszahlen. Und die Folgen des Projekts „Soziale Jungs“ würden dann sichtbar. Anfang vergangenen Jahres starteten die „Sozialen Jungs“, die Teil des Gesamtprojekts sind. Über 80 Schüler wurden nach Angaben von Petra Meißner, Projektkoordinatorin von „Mehr Männer in Kitas“, als Freiwillige in Kitas vermittelt. Die Macher des Projekts haben auch Quereinsteiger für den Beruf gewonnen. Zusammen mit dem Berufsschulzentrum Mölln wurde ein Programm aufgelegt, in dem Frauen und Männer aus anderen Berufen am Feierabend zu Erziehern umgeschult wurden. Der Männeranteil in den Kursen lag in der Vergangenheit bei drei bis fünf Prozent, mittlerweile liegt er bei 20 bis 30 Prozent.

„Soziale Jungs“ und auch die Väterabend (LN berichteten) sollen auch nach dem offiziellen Ende des Gesamtprojekts weiterlaufen. Dazu erhoffen sich die Verantwortlichen Gelder von Stiftungen.

Jugendsenatorin Annette Borns (SPD) bezeichnete die Ergebnisse von „Mehr Männer in Kitas“ bei der Abschlussveranstaltung am Montagabend im Rathaus als beeindruckend. Borns: „Als das Projekt startete, war ich skeptisch.“ Inzwischen sei Lübeck deutlich weiter als andere Städte und Kreise. „Lübeck hat einen großen Sprung gemacht“, bestätigte Dr. Tim Rohrmann, Mitarbeiter der bundesweiten Koordinationsstelle für das Projekt, „die Männer verändern die Kultur in den Kitas“. Die große Kunst bestehe jetzt darin, dass die Entwicklung weiter gehe, auch ohne dass Millionen in solche Projekte gepumpt würden. Eine wichtige Frage sei nach wie vor ungeklärt. „Die EU fordert höhere Gehälter für Erzieherinnen und Erzieher“, erklärte Rohrmann.

Die Männerquote
20 000 Männer arbeiten nach Angaben der Bundesregierung aktuell in deutschen Kitas, 15 000 sind qualifizierte Erzieher.
Die Quote liegt bei 3,6 Prozent. Vor 15 Jahren arbeiteten nur 8600 Erzieher in deutschen Kitas. In Lübeck kommen 113 männliche Erzieher (Stand: 2012) auf etwas über 1000 Beschäftigte in den 110 Kitas. Das Projekt „Mehr Männer in Kitas“ lief drei Jahre, wurde mit 13 Millionen Euro bezuschusst. Lübeck war eine von 16 Modellregionen und erhielt 890 000 Euro.

Kai Dordowsky

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