Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Märtyrer-Schau bekommt neues Gesicht
Lokales Lübeck Märtyrer-Schau bekommt neues Gesicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:28 11.11.2013
Luther-Pastorin Constanze Oldendorf (r.) und Dr. Karen Meyer-Rebentisch begutachten das Modell für die Ausstellung. Quelle: Olaf Malzahn

Eigentlich war die Märtyrer-Ausstellung auf diesen historisch passenden Ort gar nicht zugeschnitten; war sie ursprünglich doch im Burgkloster beheimatet, bevor sie dann im Jahr 1995 auf die Empore der Lutherkirche wanderte. „Dieser Platz ist jedoch optimal“, meint Luther-Pastorin Constanze Oldendorf, „und er wird es auch in Zukunft bleiben.“ Schließlich sei die Kirche — 1937 unter Führung der Deutschen Christen eingeweiht — als authentischer Ort selbst das größte Exponat darin. Von der Empore zum Beispiel eröffne sich der Blick auf die Kanzel, auf der damals Pastor Karl Friedrich Stellbrink gepredigt habe. Die Ausstellung in der Lutherkirche soll nun ein frischeres Gesicht bekommen und wird zu diesem Zweck vorübergehend abgebaut.

„Den Beschluss dazu haben wir vor zweieinhalb Jahren zur Seligsprechung der drei katholischen Kapläne gefasst“, sagt Oldendorfs Kollege, Pastor Thorsten Rose. Dass er nun nach Fertigstellung der weiteren Märtyrer-Gedenkstätte in Herz Jesu umgesetzt werden könne, sei eine schöne Parallelität. „Bei uns wird aber nicht so sehr die Verehrung im Mittelpunkt stehen“, fügt der Theologe hinzu. Das Modell mit sechs Themenbereichen ist bereits entworfen; auch einen Raum der Begegnung soll es auf der 150-Quadratmeter-Fläche geben. Schautafeln, Infopulte, Multimedia-Einheiten sind vorgesehen. Und die Ausstellung soll erweiterbar sein — um neue Erkenntnisse aus der Geschichtsforschung jederzeit integrieren zu können.

„Aufgrund der schon bestehenden Angebote in Herz Jesu und mit dem Gedenkweg können wir uns bei der Überarbeitung der Exponate mehr auf die eigene Gemeindegeschichte konzentrieren“, erklärt Dr. Karen Meyer-Rebentisch. Die Kulturwissenschaftlerin, die selbst zur Luthergemeinde gehört, hat das inhaltliche Konzept der Schau erarbeitet. Die Gemeindehistorie sei auch wichtig, um die Entwicklung Pastor Stellbrinks, der 1943 zusammen mit Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek von den Nazis ermordet worden ist, vom Anhänger des Nationalsozialismus zu einem tief überzeugten Gegner zu verstehen.

Ein weiterer Aspekt, der von ihr hervorgehoben wird: Das Dargebotene soll gut verständlich für alle sein, besonders für jüngere Menschen wie Konfirmanden und Firmlinge. „Schließlich macht uns das Leben der vier Lübecker Märtyrer immer wieder deutlich, dass uns Freundschaft und Solidarität stärken, gegen Unrecht aufzustehen und nach unseren Überzeugungen zu leben“, bemerkt Constanze Oldendorf. Dies könne für jüngere Menschen Orientierung bieten.

Bis die überarbeitete Ausstellung zu sehen sein wird, wird wohl ein Jahr ins Land gehen. Auch die Kosten für das Vorhaben — knapp 500 000 Euro — sind noch nicht komplett finanziert. „Es fehlt uns noch ungefähr die Hälfte der Summe“, resümieren Rose und Oldendorf. Deshalb seien Spenden jederzeit sehr willkommen.

Wie sehr die Ökumene im Gedenken an die Märtyrer verwurzelt ist, zeigt sich auch im Rahmen des 70. Jahresgedenkens der Hinrichtung. So erklärt Oberkirchenrat Wolfgang Vogelmann vom Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche: „In dem Meer des Schweigens gab es Stimmen des Protestes. Aus der Kraft des Glaubens nannten die Lübecker Märtyrer das Unrecht beim Namen und setzten dafür ihr Leben ein. Sie schauten nicht auf das Trennende, sie schauten auf das Verbindende und legten somit das Zeugnis der Ökumene ab.“ Denn Märtyrer, aus dem Griechischen abgeleitet, bedeute nichts anderes als Zeuge. Sie seien Zeugen dafür, dass die christliche Einheit in der Vielfalt der Formen möglich sei.

„Das neue Konzept mit multimedialer Präsentation soll vor allem auch für Jüngere attraktiv sein.“
Dr. Karen Meyer-Rebentisch

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Servicestellen in der Innenstadt und der Fackenburger Allee sollen bleiben. Kfz-Angelegenheiten sollen wieder am Meesenring konzentriert werden.

11.11.2013

Die Christdemokraten vermuten eine Gefälligkeit des Rathauschefs. Die Kommunalaufsicht soll den Fall prüfen.

11.11.2013

Experten diskutierten über Entwurf des Psychisch-Kranken-Gesetzes.

11.11.2013
Anzeige