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Lübeck Magische Momente in Ostchina
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21:14 06.10.2017
Millie (l.) führt Luisa Rische durch Shanghai. Die Millionenmetropole ist die letzte Station vor der Überfahrt nach Japan.

Auf dem Weg sind Natur und Kultur eine gut versteckte Rarität, verbaut, versmogt, vergessen. Stadt auf Stadt. Schlag auf Schlag.

Auf der letzten Station Nanjing war Kräftesammeln angesagt. Das Viertel Laomendong versprach Ruhe in einer hektischen Millionenstadt. Doch die Fahrt geht weiter durch das östliche China. Von Nanjing geht es Richtung Meer in die Metropole Shanghai.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Ich habe meine Kopfhörer, ein Hörbuch in den Ohren, als mich zwischen Jiangyin und Changshu eine Stimme von der Seite aus meiner Trance reißt. Es ist ein Rennradfahrer. Weißer Helm, schwarzes Trikot, schwarze Brille. Ich spreche kein Chinesisch, sage ich ihm. Englisch, fragt er. Sicher. Er ist nervös, nimmt sich Zeit, die Wörter so deutlich wie möglich auszusprechen. Es sei das erste Mal, dass er mit einem Fremden in einer fremden Sprache spricht, erzählt er. Wir fahren zusammen weiter.

John Yi Yang ist auf dem Weg in seine Heimatstadt Changshu. Er ist 21 Jahre alt, studiert in Nanjing und trainiert für ein 400-Kilometer-Radrennen. Mit Freunden sei er im Juli von Shanghai nach Lhasa geradelt, erzählt er und zeigt mir Bilder. Goldene Tempel und gewaltige Landschaften machen es mir nicht leichter, Tibet auf dieser Reise auszulassen. Wir überlegen, vielleicht in Zukunft gemeinsam durch Tibet zu fahren, tauschen Nummern und Adressen aus, bevor sich unsere Wege in Changshu trennen.

Das Navi führt mich am nächsten Morgen auf eine einsame Landstraße. Mit der Sonne, die sich ihren Weg durch die Wolken sucht, und dem Nebel, der über Feldern und grauen Bauernhäusern liegt, zeichnet sich vor mir eine einmalige Kulisse ab, die in der Stille des Morgens für einen magischen Moment sorgt. Der Höhepunkt des Tages. Danach beginnt praktisch Shanghai. Ich lasse das städtische Chaos der letzten 50 Kilometer schnell hinter mir und lande zur Mittagszeit in der Millionenstadt.

Bevor ich Shanghai mit der Fähre verlasse, bleibt mir noch ein ganzer Tag in der Stadt von allerlei Superlativen. Den verbringe ich mit Millie, die ich vor zwei Wochen in Tianjin kennengelernt hatte.

Wir treffen uns auf der Nanjing Road. Die Einkaufsstraße ist Touristenmagnet und Reklamespektakel. Millie führt mich durch die Straße, die Einwohner grundsätzlich meiden, und zeigt mir den People’s Park, wo Mütter um Ehemänner für ihre Töchter bitten. Anschließend schlendern wir zum Huangpu und bestaunen die Uferpromenade – besser bekannt unter dem Namen „The Bund“.

Im Laoshengchan gibt es Tomatensuppe, Teigtaschen, Frühlingsrollen, Eierteig, Reis und Pilze zum Mittag, bevor wir mit der U-Bahn nach Tiánzifáng fahren – ein Kontrapunkt zur modernen Nanjing Road.

In den schmalen Gassen zwischen alten Dreistockhäusern verstecken sich Düfte, Fächer, Porzellan, Brillen, Postkarten, Krimskrams und deutsches Bier. Völlige Reizüberflutung. Es ist ein unvergesslicher Tag mit Millie.

Dann kommt der Aufbruch zur Fähre. Weil ich so nervös bin – da könnten tausend Dinge schieflaufen, hat mein Generator für Worst-Case-Szenarien ermittelt –, stehe ich bereits zwei Stunden vor Check-in im Shanghai International Cruise Terminal, warte anderthalb Stunden und stelle fest: alles halb so wild. Nach zwei Sicherheitskontrollen, Check-in, Zoll und einer Busfahrt kommen „Anton“ und ich an Bord der „Su Zhou Hao“ an. Nächster Halt: Osaka, Japan.

Von Luisa Rische

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