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Lübeck Mann nach Chaosfahrt mit Gabelstapler wieder frei
Lokales Lübeck Mann nach Chaosfahrt mit Gabelstapler wieder frei
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21:43 30.10.2017
Der Mann beschädigte mit dem 32-Tonnen-Stapler rund 40 Fahrzeuge. Quelle: Holger Kröger
Travemünde

Die zuvor sorgfältig aufgereihten Fahrzeuge sind wie ein großer Schrotthaufen zusammengeschoben worden. Einige liegen auf dem Dach, andere sind eingedellt, die Reifen sind platt, die Scheiben zersprungen. Es sind größtenteils hochwertige Neuwagen und einige Paketwagen der DHL. Die zerstörten Fahrzeuge sind das Ergebnis der Irrfahrt eines 28-jährigen Lkw-Fahrers aus Polen.

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Dabei wartete der Mann um 0.18 Uhr eigentlich nur auf seine Fähre. Über ein Promille Alkohol hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits im Blut. Dann rastete er plötzlich aus, kletterte auf einen Gabelstapler und raste los. Sofort rückten zahlreiche Streifenwagen an. „Um 0.35 Uhr ist es der Besatzung eines Funkwagens aus Kücknitz gelungen, auf den 32-Tonnen-Stapler zu klettern“, erzählt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. „Unter Androhung der Anwendung von Pfefferspray und unter Einsatz einfacher körperlicher Gewalt gelang es den Beamten, den Fahrer über die Fahrzeugleiter zu Boden zu bringen und dort zu fixieren“, so der Sprecher weiter.

Zu diesem Zeitpunkt soll der Mann laut LN-Informationen lediglich mit Handschuhen bekleidet gewesen sein. Außerdem soll er versucht haben, den Gabelstapler auf einen Linienbus zu richten, der auf seinem Weg den Hafenbereich passierte und Fahrgäste an Bord hatte.

Wie der 28-Jährige in den Gabelstapler kam und warum er diesen starten konnte, ist bisher unklar. Auch die Hafengesellschaft will darüber keine Auskunft geben. „Wir äußern uns während der laufenden Ermittlungen nicht zu dem Vorfall“, sagt die Sprecherin Natascha Blumenthal. Doch zumindest der Schaden ist erheblich: „Bisherigen Erkenntnissen zufolge wurden durch die Aktion des 28-jährigen Mannes etwa 40 Fahrzeuge beschädigt oder zerstört. Der entstandene Schaden dürfte im einstelligen Millionenbereich liegen“, sagt Polizeisprecher Dierk Dürbrook. Die Fahrzeuge sollten eigentlich in Kürze verschifft werden. Der 28-Jährige wurde noch in der Nacht zu Sonntag in Polizeigewahrsam genommen. Die Beamten führten einen Atemalkoholtest durch.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst einen Haftbefehl beantragt, diesen jedoch im Laufe des gestrigen Tages zurückgezogen. „Durch weitere Ermittlungen konnte die Identität des Beschuldigten sicher geklärt werden. Er verfügt über einen festen Wohnsitz und eine Arbeitsstelle in Polen. Der Haftgrund der Fluchtgefahr war daher nicht zu begründen“, sagte Ulla Hingst, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft. Über den weiteren Antrag auf Verhängung eines vorläufigen in Deutschland geltenden Fahrverbots muss das Gericht noch entscheiden.

Der Mann soll polizeilich nicht unbekannt sein. Vorstrafen sollen laut LN-Informationen aber wohl keine vorliegen. Ein Drogentest verlief laut Polizei negativ, außerdem bestehen keine Anhaltspunkte für eine psychische Störung.

Von Maike Wegner

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