Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Marderfalle: „Kitty“ verliert rechtes Hinterbein
Lokales Lübeck Marderfalle: „Kitty“ verliert rechtes Hinterbein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 11.09.2013
Das rechte Hinterbein von „Kitty“ war nicht mehr zu retten, die Tierärztin amputierte es. Quelle: Foto: Hellerling

Verunsichert kauert „Kitty“ im Wohnzimmer von Christine S., die Augen schauen ängstlich aus der Halskrause. Das zweijährige Kätzchen mit dem schwarz-weißen Fell hat Schlimmes hinter sich. Ende August war „Kitty“ in der Dornbreite zu einer ihrer zahlreichen Erkundungstouren aufgebrochen, eigentlich alles wie immer. Doch abends fehlte immer noch jede Spur von dem Stubentiger, Besitzerin Christine S. machte sich langsam Sorgen. „Sie kommt immer wieder“, sagt die 26-Jährige. Doch selbst in der Gartenhütte, wo „Kitty“ notfalls Unterschlupf findet, war am 28. August keine Spur von ihr.

Am nächsten Morgen beschloss die 46-jährige Mutter von S., sich auf die Suche zu machen — ohne Erfolg. Erst am Nachmittag, gegen 16.30 Uhr, tauchte „Kitty“ plötzlich auf der Terrasse auf. Mit letzter Kraft schleppte sie sich zum Trinknapf und brach dort erschöpft zusammen. „Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt“, sagt die 26-Jährige. Das rechte Hinterbein sah schlimm aus, voller Blut. „Ich dachte zuerst an eine Bisswunde.“

Doch wie schlecht es um „Kitty“ stand, das sagte erst die Tierärztin, zu der S. umgehend fuhr. „Sie tippte auf eine sogenannte Schlagfalle, in die ,Kitty‘ geraten sein muss.“ Um sich zu befreien, muss sich die Katze offenbar so lange selbst in den Hinterlauf gebissen haben, bis sie das Bein herausziehen konnte. Anfangs versuchte die Veterinärin noch, die Pfote zu retten, doch letztlich war nur noch eine Amputation möglich. „Vor lauter Schock wollte ich ,Kitty‘ zunächst einschläfern lassen“, sagt die 26-Jährige. S. schrie die Tierärztin an, Wut und Angst wechselten sich ab. Am Ende stimmte sie der 550 Euro teuren Operation doch zu, S. musste dafür ihr Konto überziehen. „Die Katze gehört schließlich zur Familie“, sagt sie.

Jetzt, fast zwei Wochen nach dem Unglück, erstattete S. Anzeige bei der Polizei — um eventuell doch noch den Täter zu bekommen. „Wir ermitteln wegen Tierquälerei“, sagt Behördensprecherin Anett Dittmer. Zeugen werden gebeten, sich an die Telefonnummer 04 51/13 10 zu wenden. „Kitty“ stromerte in der Dornbreite meist zwischen Elsterweide und Steinrader Damm herum.

S. vermutet, dass ein Anwohner mit der Schlagfalle Marder fangen wollte — viele klagen in dem Gebiet über die schädlichen Raubtiere. Die zuschnappenden Metallbügel töten Tiere nicht zuverlässig, ebenso können sich andere Vierbeiner in die Todesapparatur verirren. Sie ist daher gesetzlich verboten. „Das generelle Problem ist, dass sie dennoch frei verkäuflich ist“, sagt Claudia Andernach, Vorsitzende der Lübecker Kreisjägerschaft.

Tierheim-Leiterin Jenny Koldehoff hat solch einen Fall noch nicht erlebt, spricht Christine S. aber Mut zu. Im Heim hatte Koldehoff schon einmal eine dreibeinige Katze. „Sie hat sich letztlich aber gut daran gewöhnt.“ Auch S. ist der Tierärztin inzwischen dankbar, dem Einschläfern nicht zugestimmt zu haben: „Es war die richtige Entscheidung.“

pah

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige