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Lübeck Marienkirchhof: Ein Ort mit Geschichte(n)
Lokales Lübeck Marienkirchhof: Ein Ort mit Geschichte(n)
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18:30 21.01.2017
Der „Steinalt“ war ein Kaufmann, der nicht sterben wollte. Als er einsam wurde, suchte er den Tod in der Kirche, wartete und versteinerte dort.
Innenstadt

Ein lichtarmer, zugiger Ort ist der südliche Marienkirchhof. Ein wenig eingezwängt zwischen Kirchenmauern und Rathaus. Es sei nicht der schönste Ort auf der Altstadtinsel, sagt Inis Ober. Dennoch hat die junge Erzieherin ihn als ihren liebsten Platz auserkoren. „Die Geschichten rund um die Marienkirche machen ihn besonders“, sagt die lebenslustige, bald 30-Jährige, die Lübecks erste Welterbe-Botschafterin ist.

Der Platz mit dem Teufelchen und dem „Steinalt“ ist Inis Obers liebster Ort in Lübeck – obwohl er schöner sein könnte.

Geboren und aufgewachsen in der Hansestadt, fühlt sie sich mit ihrer Heimat eng verbunden. Dabei hatte es sie nach der Ausbildung zur Erzieherin erst einmal in die Ferne gezogen. „Ich habe in Genf als Au-pair gearbeitet, später in Lausanne als Erzieherin und letztes Jahr einige Monate auf Mallorca“, erzählt Ober. Sie hat „die Runde gemacht“ und ist jetzt wieder am Ausgangsort angekommen. Was sie in all der Zeit nie vergessen hat, sind die Geschichten rund um den Kirchhof und die Kirche selbst: Der Teufel, der wütend wurde, weil die Lübecker ihm vorgegaukelt hatten, sie würden ein Wirtshaus anstelle des Gotteshauses bauen. Und der reiche Kaufmann, der nicht sterben wollte, bis er einsah, dass ihm der Tod willkommener als die Einsamkeit ist.

„Das sind Geschichten, die mich mit der Stadt verbunden haben und einen Ort lebendig machen“, sagt Ober lächelnd. Gerade bei Kindern könnten solche Legenden Entdeckergeist und Interesse für Bauwerke und Geschichte wecken. „Es ist eine Art von Kulturvermittlung, die ich besonders wichtig finde; Geschichten, die einem Ort Identität geben“, sagt Ober.

Kinderfreundlichkeit – oder überhaupt etwas mehr sichtbare Freundlichkeit – würde dem Platz nach ihrer Meinung allerdings nicht schaden. „Hier fehlt etwas Leben“, sagt die Botschafterin. Der Mittelaltermarkt zur Weihnachtszeit sei ein schönes Beispiel für gelungene Nutzung. „Die roten Sterne schaffen eine tolle Atmosphäre. Es wäre schön, wenn auch zu anderen Zeiten im Jahr Menschen an den Platz gelockt werden könnten.“ Ein bisschen mag es mit dem Marienkirchhof wie mit dem Welterbe-Titel sein. Etwas in Vergessenheit geraten, etwas zu sehr zur Selbstverständlichkeit verkommen.

Insofern gut, dass sich in beiden Fällen etwas ändert: Die Stadt und das Lübeck und Travemünde Marketing möchten den Titel zum 30-jährigen Jubiläum mit einer Reihe von Sonderaktionen zu neuer Wertschätzung verhelfen. Und der Kirchhof wartet indessen tatsächlich auf Verschönerung: Geplant ist eine umfassende Umgestaltung des Platzes durch die Kirchengemeinde St. Marien. Ein Schmuckstück solle es werden, kündigte Pastorin Annegret Wegner-Braun 2016 an.

„Ich würde mir ein Café wünschen“, sagt Ober nach kurzer Überlegung, „vielleicht Bänke oder ein Karussell.“ Wenn sie dann eines Tages mit einer Kita-Gruppe Teufelchen und Steinalt besucht, könnten es nicht nur die Geschichten, sondern auch der schöne Platz sein, der die Kinder begeistert und mit ihrer Stadt verbindet.

Eine Serie, zwölf Botschafter

Einmal im Monat präsentiert ein Welterbe-Botschafter in den LN von heute an seinen Lieblingsort in der Altstadt. Hintergrund kann dabei eine ganz persönliche Geschichte sein – oder einfach die Faszination für ein bestimmtes Bauwerk.

Jeder Welterbe-Botschafter wird in diesem Jahr 30 Jahre alt – genau wie der Titel Unesco Weltkulturerbe, der Lübeck 1987 verliehen wurde. Damals wurde mit der Altstadtinsel erstmals in Nordeuropa fast eine gesamte Altstadt unter den Schutz der Unesco gestellt.

Luisa Jacobsen

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