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Lübeck Marienkrankenhaus und UKSH feiern 1000. Geburt
Lokales Lübeck Marienkrankenhaus und UKSH feiern 1000. Geburt
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14:30 25.08.2016
Das 1000. Baby dieses Jahr im Marienkrankenhaus heißt Leentje. Quelle: Thorsten Wulff
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St. Jürgen/Innenstadt

Man spricht höflich distanziert übereinander. Ja, es gebe eine Konkurrenz, sagt Johanna Baran, Leiterin des Kreißsaals im UKSH. „Im Marienkrankenhaus entbinden die Frauen bei den Ärzten, die sie kennen.“ Es sei ein Wettbewerb, sagt Ute Röder, Pflegedirektorin des Marienkrankenhauses. „Natürlich darf man nicht verkennen, dass das UKSH auch seinen Auftrag hat.“ Aber bei allem Respekt freut man sich hier wie dort, wenn man die Geburtenzahl des anderen übertrifft. In diesem Jahr wird es ein enges Rennen: Am Dienstag verzeichneten beide Geburtskliniken ihre 1000. Geburt im Jahr 2016.

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Am gleichen Tag erreichen beide Lübecker Kliniken die Marke – Schließung der Geburtshilfe in Bad Oldesloe wirkt sich aus – Viele Flüchtlinge entbinden in der Uniklinik.

Margot Lau (29) aus Pogeez hält ein zartes Menschlein im Arm. Das Neugeborene öffnet zögerlich seine Augen, als fühle es sich noch etwas fremd in der Welt, auf die es nicht einmal einen Tag zuvor gekommen ist. „Du kleine Süße“, sagt die Mutter und beugt sich über sie, „kaum auf der Welt und schon in der Zeitung.“ Liliane ist ihr erstes Kind. Allerdings bei weitem nicht das erste Neugeborene, das sie hält. Margot Lau ist Ärztin in der UKSH-Frauenklinik.

Sie hat also Erfahrung – auch mit allem, was bei einer Geburt schief laufen kann. „Deswegen wollte ich auf Nummer sicher gehen und hier entbinden“, sagt sie. Normalerweise wäre sie es, die ein Neugeborenes wie Liliane bei seiner Entlassung untersuchen würde. Diesmal aber überlässt sie alles den Kollegen. Für das Foto setzt Margot Lau ihrer Tochter einen Kranz aus Ringelblumen auf den Kopf.

So einen, wie sie von ihren Eltern immer zum Geburtstag bekommen hat.

Beide Lübecker Geburtskliniken verzeichnen in diesem Jahr einen Zuwachs. „Wir sind jetzt 80 im Plus“, erklärt Johanna Baran vom UKSH bezogen auf das Vorjahr. Eine Ursache für die kontinuierlich steigenden Zahlen sei die Schließung der Geburtshilfe in Bad Oldesloe vor vier Jahren – das sagen UKSH und Marienkrankenhaus übereinstimmend. Vor allem beim UKSH kommen die Flüchtlinge hinzu, die dort entbinden. „Pro Monat sind es bestimmt zehn. Die meisten kommen aus Syrien“, sagt Johanna Baran. „Gerade heute Morgen hat eine Syrerin hier ihr fünftes Kind bekommen.“

Frauen, die mehr als drei Kinder zur Welt bringen, sind in Deutschland selten. Svenja Thiele (28), deren Tochter Leentje die 1000. Geburt des Jahres im Marienkrankenhaus war, ist eine solche Frau.

„Da ist Routine drin“, sagt sie, während Leentje neben ihr im Gitterbettchen schläft. „Man weiß, was auf einen zukommt.“ Keine ihrer Geburten sei besonders schwer gewesen, und sie seien immer leichter geworden. „Ich habe Gott sei Dank nie so schlimme Wehen“, sagt sie. Ihre Kinder Maurice (8), Insa (6) und Marieke (3) hätten sich alle auf das neue Geschwisterchen gefreut. Sie hätten auch gern bei der Namensgebung mitgeredet. Aber da war Svenja Thiele sich schon ganz sicher: „Ich wollte keinen Namen, bei dem sich mehrere Kinder umdrehen, wenn ich ihn rufe. Leentje kommt aus dem Holländischen, den fand ich einfach schön.“

Svenja Thieles Frauenarzt ist Belegarzt am Marienkrankenhaus. Leentje ist das erste ihrer Kinder, das hier zur Welt gekommen ist – die ersten drei sind nicht in Lübeck geboren. „Ich glaube einfach, dass das Marienkrankenhaus sich wachsender Beliebtheit erfreut“, sagt Pflegedirektorin Ute Röder. Im Herbst werde eine komplett neue Wochenbettstation eröffnet. Ob sie dort eines Tages noch einmal Svenja Thiele begrüßen wird, ist noch ungewiss. Svenja Thiele lässt offen, ob sie, wie einst ihre Mutter, noch ein fünftes Kind kriegen wird: „Keine Ahnung. Ich sag’ niemals nie, das hab’ ich gelernt.“

Die beiden Geburtskliniken

1505 Geburten gab es im vergangenen Jahr im Marienkrankenhaus, das damit knapp vor dem UKSH lag (1456 Geburten). Beide rechnen für dieses Jahr mit einer deutlich höheren Zahl.

Die Zahl der Kinder, die im UKSH geboren wurden, ist in diesem Jahr bisher höher als im Marienkrankenhaus: Im UKSH gab es 31 Zwillingsgeburten und eine Drillingsgeburt, im Marienkrankenhaus nur eine Zwillingsgeburt.

Das Marienkrankenhaus ist ein Belegkrankenhaus, das heißt, hier arbeiten ausschließlich niedergelassene Ärzte. Für Geburten mit absehbar erhöhtem Risiko – wie Drillingsgeburten – ist das UKSH zuständig.

 Hanno Kabel

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