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Lübeck Marode Träger: Dankwartsbrücke wird wohl abgerissen - Sperrung ab sofort
Lokales Lübeck Marode Träger: Dankwartsbrücke wird wohl abgerissen - Sperrung ab sofort
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19:19 28.06.2017
Die Dankwartsbrücke in Lübeck ist marode - und muss wohl abgerissen werden. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Die Standsicherheit und somit auch die Verkehrssicherheit des Bauwerks ist unter der regulären Verkehrsbelastung nicht mehr gegeben.

Taucher prüften Träger der Brücke ...

Derzeit wird das Bauwerk statisch überprüft und abgeklärt, ob die Standsicherheit unter Eigengewicht bis zum Neubau der Brücke noch vorhanden ist, oder ob das Bauwerk kurzfristig zurückgebaut werden muss.

... die sich als marode erwiesen. Fotos: Holger Kröger

Es ist 7 Uhr morgens, die Sonne geht auf, Verkehrsplaner Nils Weiland rollt mit seinem Rennrad über die Dankwartsbrücke zur Arbeit. „Da war nur eine vielleicht zwei Quadratmeter große Fläche gesperrt“, erinnert er sich am Nachmittag. Wenige Stunden später versperrt ein Bauzaun die kompletten Brückenaufgänge, daran prangt ein Umleitungsschild. Die Stadt hat die ganze Brücke sperren müssen. Die Holzpfähle der Querung sind morsch, es besteht eine akute Gefahr für Radfahrer und Fußgänger. Matthias Drever, Leiter des Bereichs Stadtgrün und Verkehr, spricht von „Verrottung, Pilzbefall und Insektenfraß in Pfählen und Längsträgern“. Die Schäden seien bei der routinemäßigen Hauptprüfung entdeckt worden. Nils Weiland ist überrascht: „Ich hatte nie ein schlechtes Gefühl. Das ist für viele Lübecker eine Umstellung. Die Brücke wird gut frequentiert.“

Doch nun sind Standsicherheit und Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet. Wie es weitergeht, ist bisher unklar. Fakt ist: Betreten darf die Brücke niemand mehr. „Die Pfähle sind erheblich von Fäulnis betroffen“, erzählt auch Jürgen Hock, „das Holz ist mürbe geworden, man kann es richtig abschälen.“ Hock leitet ein Bergungsunternehmen in Lübeck, seine Taucher haben die Pfähle vor zwei Tagen unter Wasser begutachtet. „Dort ging es noch, über Wasser waren die Schäden sogar noch schlimmer“, sagt er. Und das, obwohl das Holz wohl noch gar nicht so alt ist. „Da sollte es eigentlich besser aussehen“, meint Hock. Grund für die Fäulnis könnten seines Erachtens die Witterungseinflüsse sein. Dazu komme die Tatsache, dass es sich bei der Stelle in der Trave um eine Wasserwechselzone handele, in der der Wasserstand häufig schwankt.

Die Stadt will nun eine statische Überprüfung vornehmen. „Es wird abgeklärt, ob die Standsicherheit unter Eigengewicht bis zum Neubau der Brücke noch vorhanden ist, oder ob das Bauwerk kurzfristig zurückgebaut werden muss“, so Sprecherin Valessa Glisovic. Auch die Stadt ist überrascht, dass sich der Zustand der Brücke derart schlecht darstellt. Niemand hat damit gerechnet, „dass sich die Schäden gegenüber früheren Befunden so unerwartet drastisch verschlechtert haben“, so Drever.

Fußgänger und Radfahrer müssen während der Sperrung über die Obertravenbrücke oder die Wall- und Wipperbrücke fahren. Die Schifffahrt kann bis zum Vorliegen der Ergebnisse das Bauwerk weiterhin passieren. Doch die Lübecker sind bereits erprobt, wenn es ums Thema Brücken geht. Größtes Sorgenkind ist derzeit wohl die Possehlbrücke. Bis zu 15 Millionen kostet die neue Brücke, 2018 soll sie voraussichtlich fertig sein. Auch die Hubbrücke hat die Autofahrer mächtig geplagt. Sechs Wochen war sie gesperrt, weil das 117 Jahre alte Bauwerk gewartet werden musste. Bei den Arbeiten waren weitere Schäden aufgetreten. An der Lachswehrbrücke soll im September zudem der Fuß- und Radweg erneuert werden. Gleichzeitig beginnt die Ertüchtigung der Wakenitzbrücke. An der Klughafenbrücke erfolgen Arbeiten für den Korrosionsschutz. Maike Wegner

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