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Lübeck Maßschneider gehen in Lübeck in die Lehre
Lokales Lübeck Maßschneider gehen in Lübeck in die Lehre
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20:28 06.11.2013
Miraya Kruse (31) macht in der Dorothea-Schlözer-Schule eine Übung an der Nähmaschine. In den ersten drei Wochen lernen die Auszubildenden, wie die Geräte funktionieren. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Miraya Kruse sitzt in der Dorothea- Schlözer-Schule vor einer Nähmaschine. Konzentriert näht sie zwei kleine Stoffstücke zusammen. „Ich wollte schon immer Schneiderin werden, seit meinem 14.

Lebensjahr“, sagt die 31-Jährige und lächelt. „Denn ich liebe es, individuell zu sein und meine eigenen Klamotten zu tragen, anstatt etwas von der Stange zu kaufen.“ Die Lübeckerin hat bereits mehrere Röcke, Kleider und Blusen für ihre fünf und elf Jahre alten Töchter und sich selbst genäht.

Dennoch schaffte sie es lange Zeit nicht, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Jetzt sieht es so aus, als könnte ihr Jugendtraum doch noch wahr werden. Beim Berufsvorbereitungs- und Ausbildungszentrum Lübeck Innenstadt (Bali) macht Miraya Kruse 15 Monate lang eine Qualifizierung zur Änderungsschneiderin. Danach entscheidet sich, ob sie auch eine Lehrstelle in dem Bereich bekommt.

Für den Unterricht kommt sie regelmäßig zur Dorothea-Schlözer- Schule. Die Einrichtung am Jerusalemsberg ist seit den Sommerferien Landesberufsschule für das Bekleidungsgewerbe. Zurzeit absolvieren die ersten angehenden Maß- und Änderungsschneider dort ihren Blockunterricht. Bisher war eine Schule in Kellinghusen der duale Ausbildungspartner für die Betriebe in Schleswig-Holstein. „Wir haben in den dortigen Räumen einen starken Schimmelbefall festgestellt“, sagt Lehrerin Anette Gangloff. „Da eine Sanierung nicht möglich war, mussten wir kurzfristig etwas Neues suchen.“

Ekkehard Brüggmann, Leiter der Dorothea-Schlözer-Schule, war sofort bereit, den Fachbereich zu sich zu holen. Denn bis Mitte der 90er Jahre hatte sich seine Einrichtung schon einmal um die Nachwuchskräfte im Bekleidungsgewerbe gekümmert. „Wir haben noch viele Lehrkräfte von damals bei uns“, sagt Brüggmann. 45 Schüler aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lernen nun viermal im Jahr für drei Wochen an der Dorothea-Schlözer-Schule, darunter nur drei Männer.

Einer von ihnen ist Phillip Sendel. Der 19-Jährige möchte Maßschneider werden — für Damenmode. „Ich arbeite einfach gern an der Nähmaschine“, sagt er. Als Kind habe er seiner Mutter immer über die Schulter geschaut, wenn sie eine Hose kürzte. „Das hat mich fasziniert“, sagt er. „Ich durfte aber nie selbst an die Maschine.“

Seit er im September seine Ausbildung begonnen hat, ist das anders. „Ich habe schon Röcke hergestellt und einen Mantel für die erste Anprobe fertiggemacht“, sagt der Rendsburger. In seinem Ausbildungsbetrieb ist er der einzige Mann. „Aber ich komme gut damit klar“, sagt Phillip Sendel und lacht. Seine Freunde und die Familie würden seinen Berufswunsch akzeptieren. „Sie wissen, dass das mein Ding ist.“

Auch Jennifer Marquardt kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Die 26-Jährige macht seit Oktober eine Umschulung zur Maßschneiderin. „Ich lerne, aus einem Stück Nichts etwas Tolles zu schaffen, und darf mich auch noch kreativ ausleben“, sagt die Lübeckerin. „Das macht Spaß.“ Sie hat auch schon konkrete Vorstellungen, wo es später mal hingehen soll. Marquardt: „Ich möchte mich gern mit einem kleinen Atelier selbstständig machen.“

Bei Salwa El-Omari waren dagegen praktische Gründe für ihre Berufswahl ausschlaggebend. Ihre drei Kinder kommen häufig mit Löchern in der Kleidung nach Hause. „Dann muss ich immer zu einer Änderungsschneiderin gehen und viel Geld fürs Zusammennähen bezahlen“, sagt die 34-Jährige. „Irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich das eigentlich nicht selbst lerne.“ Inzwischen nimmt sich die Lübeckerin auch ihre eigene Kleidung vor. „Ich liebe es, meine Sachen zu verschönern“, sagt sie. „Gerade nähe ich meine erste eigene Bluse.“ In Zukunft sollen noch viele weitere folgen.

„Wir haben einen Raum nur für die Azubis eingerichtet.“
Ekkehard Brüggmann

Janina Dietrich

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