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Medizinische Erstversorgung im Kriegsgebiet: Lübecker Arzt hilft in Mossul

Lübeck Medizinische Erstversorgung im Kriegsgebiet: Lübecker Arzt hilft in Mossul

Zwei Wochen lang war der Lübecker Arzt Dr. Axel Nötzold in der irakischen Stadt Mossul. Mit der Hilfsorganisation Cadus hat er ehrenamtlich die medizinische Erstversorgung der Bevölkerung übernommen. Hunderte Menschen hat er behandelt, darunter viele Kinder. Ein harter Job.

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Mit seinem OP-Material unterm Arm ist Dr. Axel Nötzold (54) auf dem Weg zur Arbeit. Zwei Wochen lang war er in Mossul im Nordes des Iraks ehrenamtlich im Einsatz. Schwerstverletzte waren an der Tagesordnung.

Quelle: Fotos: Ruben Neugebauer

Lübeck/Mossul. Jetzt ist der Herzchirurg und Vater von drei Kindern zurück und erzählt von seinem Job, bei 45 Grad Celsius, in schwer umkämpftem Gebiet. Feste Arbeitszeiten, einen Tag- Nacht-Rhythmus oder gar Feierabend, das gab es für Dr. Axel Nötzold (54) zwei Wochen lang nicht. „Ich habe zwischendurch immer mal wieder eine Stunde geschlafen, wenn es möglich war, mehr nicht“, sagt er – und das klingt, als wäre es selbstverständlich gewesen. Denn wie soll das mit dem Schlaf auch gehen, wenn man nicht weiß, wann die nächsten Schwerverletzten reinkommen. Menschen mit offenen Brüchen, Verbrennungen, Splittern im Kopf oder Mütter, die ihre leblosen Babys im Arm tragen.

LN-Bild

Medizinische Erstversorgung im Kriegsgebiet ist nichts für schwache Nerven. Aber für Verzweiflung hatte Axel Nötzold keine Zeit.

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Die Großstadt Mossul im Norden des Iraks wurde 2014 vom sogenannten Islamischen Staat (IS) eingenommen und wird seit 2016 in Etappen zurückerobert. Ursprünglich wollte der Lübecker Arzt mit seinem Team der Hilfsorganisation Cadus ein mobiles Krankenhaus in Mossul aufbauen. Einsatzorte sollen nicht nur im Nordirak, sondern auch in Syrien sein. Denn laut Cadus existiert in diesen Gebieten nach dem Kampf gegen den IS und mehreren Jahren Bürgerkrieg meist keine Struktur mehr. Erst recht keine medizinische. „Das Konzept besteht aus zwei Lastern plus Anhänger, die als Allradfahrzeuge im Einsatz sind und in vier Stunden zu dem mobilen Krankenhaus aufgebaut werden können“, sagt Nötzold. Die Einrichtung verfügt über einen OP-Bereich sowie zehn Plätze für weitere Behandlungen und kann auch als Lehreinheit für Pflegepersonal dienen. Um die Fahrzeuge auszubauen und zu bestücken, werden derzeit Spenden gesammelt.

Zum Aufbau des kompletten Krankenhauses kam es vor ein paar Wochen aber nicht. „Die Weltgesundheitsorganisation war über die Lage in Mossul so verzweifelt, dass man uns gebeten hat, umgehend einen Trauma Stabilization Point (TSP) in der Nähe des umkämpften Gebietes aufzubauen.“ Laut Nötzold ähnelt der TSP dem mobilen Krankenhaus, ist aber eher mit einer Notfallambulanz zu vergleichen. „Unser Einsatzort war nur etwa 1,5 Kilometer von dem Bereich entfernt, in dem sich die IS-Kämpfer verschanzen.“

Die Arbeit dort ist für das achtköpfige Team „unglaublich anstrengend“. Sie schützen sich, wenn nötig, mit Splitterweste, Helm und Gasmaske, wohnen spartanisch in einer Werkstatt, die Temperatur liegt im Schnitt bei 45 Grad, und erst gegen vier Uhr wird es ein paar Grad kühler. Und dabei reißt in der Ambulanz der Strom der Patienten nicht ab. Nötzold schätzt, dass er während seines Aufenthaltes einige Hundert Personen behandelt hat. Vor allem die Menschen, die seit Monaten innerhalb des IS-Gebietes gehungert und unter Wassermangel gelitten haben, verfügen über keine Reserven mehr, um ihre Verletzungen zu überstehen, sagt er. „Ganz schlimm ist, dass wir immer wieder auch Kinder verloren haben.“ Sein schlimmstes Erlebnis war ein achtjähriger Junge, der beim Spielen von einer explodierenden Mine getroffen wurde. „Sein Bruder hat versucht, Hilfe zu holen und ihn dann schließlich bis zu uns getragen.“ Doch der Junge war so schwer verletzt, dass er trotz aller Reanimationsversuche nicht gerettet werden konnte. Die psychische und physische Belastung ist ein Grund dafür, dass die Einsätze in der Regel nicht länger als ein paar Wochen dauern, dann wechseln die Teams. Gleichzeitig weiß der Lübecker, dass man vor Ort keine Wahl hat: „Für Verzweiflung ist keine Zeit.“

Zurück in der Hansestadt hat er in den ersten Nächten etwa 18 Stunden pro Nacht geschlafen und versucht nun, sich zu regenerieren. Seinen nächsten Einsatz hat der Lübecker noch nicht geplant, als selbstständiger Arzt ist er meist in ganz Deutschland im Einsatz. „Aber jetzt mache ich erstmal Urlaub an der Ostsee.“

Symbolischer Ort

Mossul gilt als symbolischer Ort im Kampf gegen die Terrormiliz IS, die 2014 fast ein Drittel des Landes eingenommen hat. Im Oktober 2016 starteten die irakischen Truppen eine Offensive, um die zweitgrößte Stadt des Landes zu befreien – mit Unterstützung einer US-geführten Koalition. Vergangene Woche nun begann der Vorstoß auf die Altstadt von Mossul. Dort haben sich die letzten IS-Kämpfer verschanzt und Zehntausende Zivilisten als Geiseln genommen.

Cadus ist eine gemeinnützige und unabhängige Hilfsorganisation, die schwerpunktmäßig Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Aktuelles Projekt ist ein mobiles Hospital, für das dringend um Spenden gebeten wird (www.cadus.org/de/).

 Cosima Künzel

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