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Lübeck Mehr Plätze in der Bahn nach Hamburg?
Lokales Lübeck Mehr Plätze in der Bahn nach Hamburg?
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12:43 31.12.2017
Julian Gebler von Pro Bahn fordert für die Strecke Lübeck-Hamburg den Halbstundentakt montags bis freitags von 4 bis 23 Uhr in Richtung Hamburg und von 5 Uhr bis Mitternacht in Richtung Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Im Januar startet die Ausschreibung des „Elektronetzes Ost“. Auf den Strecken Lübeck-Hamburg, Puttgarden-Lübeck und Travemünde Strand-Lübeck sollen die künftigen Zugbetreiber ab 2022 wesentliche Verbesserungen für die Reisenden erbringen. Die Landesverkehrsservicegesellschaft Nah SH, die das Streckennetz im Landesauftrag vergibt, fordert neue Wagen, mehr Züge und eine modernere Ausstattung. Statt Loks mit sechs oder sieben Wagen sollen künftig doppelstöckige Triebwagenzüge zwischen Lübeck und Hamburg pendeln.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat jetzt seinen Forderungskatalog dazu veröffentlicht. Julian Gebler vom Verband in Lübeck: „Die steigende Fahrgastnachfrage auf der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck zeigt, dass die eingesetzten Doppelstockwagen, der montags bis freitags angebotene 30-Minuten-Takt und die Fahrzeit von rund 45 Minuten angenommen werden.“ Aber Pro Bahn weiß auch, dass das Reisen auf dieser Strecke oft ungemütlich ist. Deshalb verlangt der Fahrgastverband, dass die Zahl der Sitzplätze von 830 auf 960 pro Zug erhöht wird. Pro Bahn will ebenfalls doppelstöckige Triebzüge, aber längere. Geht nicht, sagt Nah SH. Denn wenn diese Züge zu lang werden, passen sie nicht mehr in den Hamburger Hauptbahnhof. Dort teilen sich die Züge nach Lübeck und nach Kiel nämlich einen Bahnsteig. Nah-SH-Sprecher Dennis Fiedel: „Nach unserer Einschätzung sollten keine Programme beauftragt werden, welche die Kapazität des Hamburger Hauptbahnhofs zusätzlich einschränken.“

Gegenargument von Pro Bahn: „Die neuen Züge von Nah SH bringen keine signifikante Erhöhung der Sitzplatzzahl“, sagt Gebler.

Der Fahrgastverband will auch, dass die Fahrgäste, die in Hamburg einsteigen und nach Travemünde oder Neustadt wollen, in Lübeck nicht mehr umsteigen müssen. Im Lübecker Hauptbahnhof würden die längeren Züge einfach entkoppelt und dann nach Neustadt beziehungsweise Travemünde durchgebunden. Julian Gebler geht davon aus, dass die Fahrgastzahlen auf der Travemünder Strecke dadurch im zweistelligen Bereich wachsen. „Reisen, ohne umsteigen zu müssen, ist immer besser“, bestätigt Nah-SH-Sprecher Fiedel. Nach Travemünde will die Verkehrsservicegesellschaft ebenfalls durchbinden. Über die Durchbindung nach Neustadt wird noch diskutiert, weil die Nachfrage auf dieser Strecke geringer sei.

Mit der Forderung nach mehr Zügen rennt der Fahrgastverband bei der Verkehrsgesellschaft offene Türen ein. Die Verlängerung des Halbstundentakts bis in die späten Abendstunden sei geplant, versichert Fiedel. Julian Gebler von Pro Bahn will den Halbstundentakt montags bis freitags von 4 bis 23 Uhr in Richtung Hamburg und von 5 Uhr bis Mitternacht in Richtung Lübeck. Auch an Wochenenden soll künftig Halbstundentakt angeboten werden. In den Nächten von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag sollen die Regionalexpresse künftig durchgehend im 60-Minutentakt verkehren.

Schließlich sollen Sprinterzüge in den Hauptverkehrszeiten stündlich zwischen den beiden Hansestädten pendeln. Julian Gebler von Pro Bahn: „Wer nachts aus Hamburg nach Lübeck zurückfährt, weiß, dass die Züge gut angenommen werden.“ Als beschämend bezeichnet der Vertreter des Fahrgastverbandes, „dass man in Lübeck mit dem Taxi oder dem Rad weiter muss, weil die Busse nicht mehr fahren.“

Warum erhebt Pro Bahn jetzt die Stimme? Der Verband befürchtet, dass die neue Jamaika-Landesregierung den Rotstift an die Vorschläge ansetzen könnte. Julian Gebler: „Wir haben Sorge, dass die Prioritäten sich stärker zum Autoverkehr verlagern.“ Nah SH gibt Entwarnung. Die Vorgaben für die Ausschreibung würden so bleiben, sagt Sprecher Fiedel. Auf der Strecke Lübeck-Hamburg müsse etwas geschehen. Fiedel: „Das ist die nachfragestärkste Strecke im ganzen Land.“

Das Elektronetz Ost

Die Bahnstrecken zwischen Puttgarden und Hamburg umfasst das Elektronetz Ost. Im Januar startet eine Ausschreibung, die Betreiber für die Strecken Lübeck-Hamburg, Puttgarden-Lübeck und Travemünde Strand-Lübeck von 2022 bis 2035 sucht. Bislang werden die Strecken von der DB Regionalbahn bedient.

Der Fahrgastverband Pro Bahn wurde am 28. März 1981 in Köln gegründet und zählt bundesweit 4000 Mitglieder.

Der Landesverband wird von Stefan Barkleit geleitet und ist in vier Regionalverbände untergliedert. Pro Bahn vertritt die Interessen der Bahnkunden.

 Kai Dordowsky

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