Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Mehr Übergriffe und Pöbeleien gegen Beamte
Lokales Lübeck Mehr Übergriffe und Pöbeleien gegen Beamte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:45 07.09.2016
„Lübeck gehört insgesamt nicht zu den Brennpunkten.“Leitender Polizeidirektor Norbert Trabs
Anzeige
Innenstadt

 Teilweise alkoholisierte Bürger drängen sich in der Verwaltung ohne Wartemarke vor, wenden sich lautstark an die Beamten und randalieren. Als „sehr besorgniserregend“ bewertet Innensenator Ludger Hinsen (CDU) die Zustände. Er berichtet von einem alkoholisierten Mann, der im Stadtteilbüro am Meesenring derart vehement gepöbelt habe, dass ihn Polizeibeamte aus dem Gebäude begleiten mussten.

Doch nicht nur die Übergriffe gegen Verwaltungsmitarbeitern nehmen zu. Die Polizei beobachtet ebenfalls eine zunehmende Gewalt gegenüber ihren Einsatzkräften. „Die Angriffe auf Polizeibeamten nehmen zu“, stellt Norbert Trabs, Lübecks leitender Polizeidirektor, auf einer Podiumsdiskussion zur inneren Sicherheit in Lübeck fest. Allein im vergangenen Jahr habe die Polizei 67 Verletzte hinnehmen müssen, vier Beamte seien dabei schwer verletzt worden. „Das macht mich betroffen“, sagt Trabs.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion und die Kommunalpolitische Vereinigung hatten neben Hinsen und Trabs auch CDU-Landtagsmitglied Axel Bernstein zur Diskussion ins Rathaus eingeladen. Wohnungseinbrüche, die polizeiliche Präsenz in diversen Stadtteilen, das Sicherheitsempfinden des Bürgers, die Notwendigkeit technischer Aufrüstung zur Überwachung – die Liste der angesprochenen Themenfelder ist lang.

Zu Beginn der Veranstaltung wirft CDU-Bürgerschaftsmitglied Ulrich Krause die Frage auf, ob sich Lübecks Bürger noch sicher fühlen könnten. Angesichts der zunehmenden Übergriffe gegenüber Stadt und Polizei drängt sich aber auch eine ganz andere Problematik auf: Muss Lübeck seine Beamten besser schützen?

„Wir schützen uns bereits“, sagt Hinsen. Seit Juli gibt es Schulungen für die Mitarbeiter. Die Stadt denke nun über die Einschaltung eines Sicherheitsdienstes nach. Auch einige der 40 Zuhörer im Roten Saal des Rathauses wünschen sich mehr Sicherheit, konkret eine höhere Polizeipräsenz.

„Nicht angemessen“ sei die Personalsituation der Polizei, sagt Axel Bernstein. In den letzten dreißig Jahren sei die Größe der Landespolizei nahezu unverändert geblieben, während die Anforderungen stetig gewachsen wären. Der Innenpolitiker fordert deshalb wenigstens mehr Polizeianwärter – und bekommt Unterstützung vom Polizeidirektor. „Ich wünsche mir eine Verstetigung der durch die Regierungskoalition beschlossenen erhöhten Einstellungszahlen für die nächsten Jahre, so dass eine spürbare Personalmehrung für die Bewältigung der gestiegenen Aufgaben der Polizei vorhanden ist“, sagt Trabs. Vom Bürger wünscht sich der seit März amtierende Polizeidirektor zudem „mehr Unterstützung“. Er spricht vom „achtsamen Nachbarn“, der im Zweifel einfach die 110 wählen könne. Mit ganz bescheidenen Mitteln könne schon der Einzelne für mehr Sicherheit sorgen. Sei es beim Schließen seines Fensters oder beim Abschließen der Eingangstür.

„Grundsätzlich können sich die Lübecker aber sicher fühlen“, betont Polizeidirektor Trabs. Daran ändere auch ein signifikanter Anstieg der Wohnungseinbrüche nichts. 2015 gab es 611 Wohnungseinbrüche – 71 mehr als noch 2014. Hinsichtlich der Aufklärungsquote bei diesen Delikten muss die Polizei einen Rückgang von 18,5 Prozent im Jahr 2014 auf 10,6 Prozent im vergangenen Jahr konstatieren. Beunruhigt ist Trabs aber nicht. Tatsächlich ist die Anzahl der Delikte mit körperlicher Gewalt und Raubüberfällen rückläufig. Die Polizei musste im vergangenen Jahr 274 Körperverletzungen weniger verzeichnen als noch 2014. Im Vergleich zu anderen Gebieten in Hamburgs Peripherie stellt Trabs deshalb fest: „Lübeck gehört nicht zu den Brennpunkten.“

 Christoph Brandt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige