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Lübeck Mehr Verkehrsberuhigung in der Altstadt?
Lokales Lübeck Mehr Verkehrsberuhigung in der Altstadt?
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15:43 06.01.2016

„Nein, das führt dazu, dass die Innenstadt noch leerer wird. Zum Flanieren reicht die Breite Straße. Die Königstraße ist die dringend nötige Nord-Süd-Achse für das bisschen Verkehr, das auf der Altstadtinsel überhaupt noch erlaubt ist. Stattdessen soll selbst der öffentliche Nahverkehr aus der Königstraße verbannt werden. Dabei fordern doch gerade die Grünen, dass wir der Umwelt zuliebe auf Busse umsteigen. Wie soll so die Altstadt attraktiv bleiben?“

„Der Charme des Konzepts der Grünen liegt doch gerade darin, dass es auf die Interessen von Geschäften (Lieferverkehr) und Anwohnern Rücksicht nimmt. Gerade die Anwohner würden profitieren — sie können weiter mit Autos hinein und hinaus. Zugleich würden sie in einer deutlich aufgewerteten Umgebung leben. Die Untertrave ist keine Lösung. Die Musik spielt in der östlichen Altstadt.“




Duell der
Argumente
„Weder Fußgänger noch Autofahrer sind gestresst, es ist ein munteres Miteinander. Wir brauchen nicht noch eine Flaniermeile. Zumal künftig auch an der Untertrave flaniert werden soll. Wir müssen aufpassen, dass die Innenstadt nicht zur reinen Bummelmeile verkommt — das schätzen bloß Besucher. Eine Stadt lebt aber gerade davon, den Bedürfnissen der eigenen Bewohner gerecht zu werden.“
„Die Fußgängerzone in der Altstadt ist ein Witz. Kaum bist du drin, ist sie auch schon zu Ende. Das Flaniermeilchen muss dringend erweitert werden. Die Königstraße bietet sich geradezu an. Denn von dort können Besucher, Touristen, Bewohner und Kunden in die beliebten Rippenstraßen laufen. Ohne auf Busse, Taxen und Autos in der Königstraße achten zu müssen. Deshalb ist der Vorschlag der Grünen richtig: Königstraße dichtmachen.“
LN-Redakteur Kai Dordowsky (54) ist glühender Verfechter moderner Innenstadt-Gestaltung — und die sieht aus seiner Sicht eine Verdrängung von Kraftfahrzeugen zugunsten von mehr Lebensqualität vor. Was in anderen Städten funktioniere, dürfe Lübeck nicht verpassen.
„Ja, bloß nichts verändern . . . Es geht ja im Grünen-Konzept nicht nur um die Königstraße. Es geht auch um mehr Platz und Komfort für die Radfahrer, mehr Platz für die Fußgänger, den Ausbau eines Parkhauses, noch mehr Tempo 30 in der Innenstadt und attraktivere Busfahrpreise an Wochenenden. Innenstädte wandeln sich. Modern ist da, wo die Blechkisten — so weit es geht — rausfliegen.“
„Auch jetzt dürften eigentlich bloß Anwohner und Lieferanten in die Rippenstraßen und Königstraße. Dafür hat die Stadt die Parkausweise eingeführt, kontrolliert sie aber nicht energisch genug. Zudem ist der Leerstand der Innenstadtgeschäfte mit 14,2 Prozent deutlich höher als in den umliegenden Stadtteilen (8,2 Prozent). Das dürfte mit noch weniger Bussen und Taxen nicht besser werden.“
„Das hat nichts mit Angst vor dem Wandel zu tun. Das Konzept muss jedoch gut durchdacht sein und darf nicht nur mit der simplen Verkehrsberuhigung der Königstraße beendet sein. Wenn die angesprochenen Punkte wirklich alle umgesetzt werden, bin ich voll und ganz dabei. Das Problem ist nur: Die Stadt hat gar kein Geld, um alles zu verwirklichen — und so droht am Ende halbgares Flickwerk.“
„Moderne Innenstädte leben vom ungestörten Einkaufserlebnis, von der berühmten Aufenthaltsqualität, vom Flanieren über viele Kilometer. Die Königstraße dagegen verursacht allen Nutzern nur Stress.
Die Fußwege sind viel zu schmal, die Busse für die schmale Straße viel zu groß. Der Nahverkehr nimmt keinen Schaden, wenn die Linienführung geändert wird.“
LN-Redakteur Peer Hellerling (32) kann sich nicht mit der Königstraßen-Idee der Grünen anfreunden. Das vorgestellte Konzept bringe auf lange Sicht nichts. Gerade das Verdrängen des Busverkehrs sei das falsche Signal und sorge dafür, dass die Innenstadt unattraktiver werde.

LN

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