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Lübeck Mehr als eine Familiengeschichte
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18:15 16.02.2013
Von Sabine Risch
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Lübeck

Es ist eine Familiengeschichte — und zugleich ein Stück Zeitgeschichte: das Erstlingswerk der Lübeckerin Katarina Junge. „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ begleitet die Familie des Berliner Professors Ernst Fey durch die 20er und 30er Jahre in Berlin, wo die vier sehr unterschiedlichen Söhne Carl, Hermann, Dietrich und Ernst aufwachsen.

Dietrich und Carl treten in die Fußstapfen ihres Vaters, beide werden Kirchenrestauratoren. Mit Ehefrau Ingeborg zieht Carl nach Schleswig-Holstein, die drei Töchter Katarina

, Inge und Monika wachsen in extrem ländlicher Umgebung, in Talmühle bei Ahrensbök, auf. Auch Dietrich kommt nach Schleswig-Holstein, er erhält den Auftrag, die im Krieg zerstörten gotischen Malereien zu restaurieren und ist hochgeachtet, bis auffliegt, dass er und Lothar Malskat nicht restauriert, sondern eigene Malereien in dem Gotteshaus angefertigt haben. Was als der deutsche Kunstfälscher-Skandal schlechthin durch sämtliche Medien ging und 1956 mit Haftstrafen für Malskat und Fey endete, nimmt in Katarina Junges Buch nur einen kleinen Teil ein.

Und dennoch beeinflusste es seinerzeit auch ihre Familie extrem. Ihr Vater, der sich Anfang der 50er Jahre gerade einen Namen als Kirchenrestaurator machte und häufig aufgrund des Familiennamens mit seinem verurteilten Bruder „verwechselt“ wurde, schuf erst durch den Doppelnamen Fey-Talmühlen den entsprechenden Abstand zu Dietrich.

Selbst die heute 64-jährige Autorin wurde wegen ihres Namens, „als ich in den 60er Jahren in Lübeck zur Schule ging, immer wieder darauf angesprochen“. Doch letztlich hat ihr Onkel dazu beigetragen, dass sie jetzt ihr erstes Buch veröffentlichen konnte. „Mein Vater und mein Onkel waren einfach großartige Erzähler.“ Ihre Schwester Inge und sie hätten früher jahrelang alles aufgeschrieben. Jetzt sei es ihr ein Bedürfnis gewesen, diese Zettel hervorzuholen und daraus ein Buch zu machen. „Nicht nur für die Familie, sondern für die Öffentlichkeit.“

Nicht jedem ist es gegeben, eine Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte hinweg so leicht und interessant auch für Außenstehende zu erzählen. „Ich habe viel von meinen ,Oldies‘ gelernt, für die ich Reisebeschreibungen geschrieben habe“, sagt Katarina Junge, die jahrelang Direktions-Assistentin in der „Hanse-Residenz“ war und einen Teil des Jahres in Südfrankreich lebt. Alles in allem zweieinhalb Jahre hat sie an „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ gearbeitet, Ehemann Gerd L. E. Junge, Jurist und Jazzmusiker, war liebevoller Kritiker. Ein kleiner Berliner Verlag — „eine wunderbare Zusammenarbeit“ — veröffentlichte ihr Buch, das für elf Euro in der Buchhandlung Adler erhältlich ist.

Ausstellung und Lesung: In der Galerie der Essigfabrik, Kanalstraße 26-28, stellt Katarina Junge am Sonntag, 24. März, ihr Buch vor. Zudem werden Bilder ihres Großvaters Prof. Ernst Fey und ihres Vaters Carl Fey-Talmühlen gezeigt, die Band „Alive and well“ spielt Jazz. Beginn ist um 11 Uhr, die Ausstellung ist bis zum 10. April dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr, zu sehen.

sr

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