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Lokales Lübeck Mehr als kochen, waschen, putzen
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23:36 20.11.2017
Larissa Streek (17, l.) und Lea Bötcher (18) bereiten für die Gäste Gemüsespaghetti mit Pesto zu.
Lübeck

Drei Frauen, drei Berufswünsche, eine Ausbildung. Isabell Einfeldt (22) möchte sich nach ihrem Meister selbstständig machen und ein Hofcafé eröffnen. Sarah Zimmer (26) will Betriebsleiterin werden und in einer Schule, Kita oder Kantine arbeiten. Yvonne Zipper (19) kann sich zwischen Großbetrieb oder Behinderteneinrichtung noch nicht so recht entscheiden. „Der Beruf ist so interessant und abwechslungsreich“, sagt die Lübeckerin, „das hätte ich nicht gedacht.“

Die Landesmeisterschaft für Auszubildende in der Hauswirtschaft ist nicht nur Wettkampf und Spaß für die jungen Leute. Die Veranstaltung in der Dorothea-Schlözer-Schule soll auch die Vielfalt des Berufes und die vielen Arbeitsmöglichkeiten in Betrieben, Cafés, Kitas oder Hotels aufzeigen.

Vielfältiger Einsatz

Hauswirtschaft ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf in den Bereichen Hauswirtschaft und Landwirtschaft. Zu den Hauptaufgaben gehören Verpflegung, Haus- und Textilreinigung sowie die Betreuung von Personen verschiedenen AltersAuch um den Beruf bekannter und populärer zu machen, richtet der Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe Schleswig-Holstein und Hamburg alljährlich eine Landesmeisterschaft für die Auszubildenden aus. Die 16 Teilnehmer der zweiten und dritten Lehrjahre sind aus dem ganzen Land angereist. Acht davon besuchen die Dorothea-Schlözer-Schule, in der der Wettbewerb stattfindet. Das Motto der Landesmeisterschaft ist „Abenteuer Ernährung. Schulverpflegung 2017 – schmackhaft für Kinder“, und die Teilnehmer müssen über den Tag verteilt in drei Bereichen ihr Bestes geben.

Erstens in einer Präsentation über „gesunde und schmackhafte Ernährung im Hort“. Zweitens bei der Planung eines Adventsbasars in einer Grundschule. Das ist eine Teamaufgabe. Und Drittens bei der praktischen Nahrungszubereitung. Die Rezepte für zwölf Personen und Getränke für sechs Personen sind Kreationen der Teilnehmer. „Sie durften sie zu Hause ausprobieren und kochen die Speisen dann hier in den Küchen nach“, erklärt Sonja Moonen (48). Der Berufsschullehrerin und ihren Kollegen ist es wichtig, dass die Azubis Freude an der Meisterschaft haben. „Wir wollen aber auch den Beruf bekannter machen und für die Ausbildung werben.“

Als Moonen vor zwölf Jahren in der Dorothea-Schlözer-Schule angefangen hat, saßen über 30 Schüler in einer Klasse. Heute sind es etwa die Hälfe. „Etliche Betriebe haben aufgehört, die jungen Leute auszubilden“, erklärt Moonen, „aber es liegt vielleicht auch daran, dass viele Menschen denken, Hauswirtschaft ist nur kochen, putzen, Wäsche waschen.“ Ähnlich äußert sich Oberstudienrätin Heide Kruse-Andreasson (53). „Der Name Hauswirtschaft ist geblieben, doch der Beruf hat sich gewandelt“, sagt sie. Hauswirtschaftliche Betriebsleiter seien inzwischen für die komplette Einkaufs-, Speise- und Mitarbeiterplanung großer Einrichtungen zuständig. „Der Beruf ist vielfältig, anspruchsvoll, gefragt.“

Für die Ausbildung entscheiden sich nach wie vor meist Frauen, aber an der Dorothea-Schlözer- Schule gibt es neben den 36 weiblichen Azubis auch vier männliche. Ali Rezai (18) ist einer der künftigen Hauswirtschafter. Er ist im ersten Lehrjahr, möchte später seinen Meister machen und danach noch Altenpfleger werden. „Es macht mir richtig Spaß“, sagt der junge Mann, der aus Afghanistan geflohen ist, seit 2015 in Deutschland ist und fließend die neue Sprache spricht. An der Meisterschaft kann er noch nicht teilnehmen, erst ab dem zweiten Lehrjahr, aber er steht mit in der Küche. Mit seinen Mitschülern bereitet der 18-Jährige das Mittagessen für die Gäste zu. Erwartet werden rund hundert Personen, und es gibt zwei Gerichte zur Wahl: Rotkohl mit Burgunderbraten oder Gemüsespaghetti. Nach dem Essen und dem abschließenden Wettbewerbskochen stehen die Gewinnerinnen fest: Sarina Schmidt (33) hat sich in der Altersklasse über 23 Jahre den ersten Platz gesichert. Isabell Einfeldt ist Siegerin bei den unter 23-Jährigen – und ihrem Hofcafé damit vielleicht noch einen Schritt nähergekommen.

 Cosima Künzel

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