Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Mehrheit der Lübecker für Verkehrsberuhigung in der City
Lokales Lübeck Mehrheit der Lübecker für Verkehrsberuhigung in der City
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 08.08.2016
Auf den Busverkehr in der Innenstadt wollen die wenigsten Lübecker verzichten. Die Königstraße möchten 42 Prozent von ihnen aber mindestens stark verkehrsberuhigt sehen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Anzeige
Lübeck

Bislang steht eines fest: Die Lübecker wollen definitiv eine Veränderung. Bei der großen LN-Umfrage können sie seit Kurzem ihre Meinung kundtun. Welche Straßen sollen verkehrsberuhigt werden? Soll die Stadt sogar komplett autofrei werden? Die Umfrage soll hier Antworten liefern.

Wie soll sich der Verkehr in der lübschen Altstadt entwickeln? – Große LN-Umfrage läuft weiter – Bisher nahmen schon über 1000 Hansestädter teil.

„Damit hätte ich nicht gerechnet – ein traumhaftes Votum.“Jan-Hendrik von Kuick (44)

Serie

Autofreie

Altstadt?

1111 Teilnehmer haben bereits an der Online-Umfrage teilgenommen – und eine Tendenz fällt ins Auge. Zwar sind 40 Prozent der Lübecker gegen eine autofreie Altstadt. Rechnet man allerdings die Befürworter der autofreien Innenstadt und diejenigen, die für eine deutlich stärkere Verkehrsberuhigung sind, zusammen, zeigt sich, dass 59 Prozent der Befragten ein neues Verkehrskonzept wollen, und zwar eins, das den Verkehr in der City stark reduziert. Besonders auffällig: Fast 500 Menschen sprechen sich für eine Verkehrsberuhigung oder Autofreiheit in den sogenannten Rippenstraßen aus. „Damit hätte ich nicht gerechnet – ein traumhaftes Votum“, sagt Jan-Hendrik von Kuick begeistert. Er ist der Vorsitzende des Vereins Fleischhauerstraße, dessen Mitglieder Autos und Fahrräder sonnabends von 11 bis 18 Uhr aus der Einkaufsstraße verbannen wollen. Die Zahlen ermutigen den 44-Jährigen. „Immer wieder sind wir im Gespräch mit den Geschäftsleuten, die Sorge um ihre Kunden haben und damit argumentieren, dass diese mit den Autos in die Nähe des Ladens wollten, aber das ist ja gar nicht erlaubt“, so von Kuick. Die Königstraße zu beruhigen, wie von vielen Teilnehmern der Umfrage gefordert, dürfte allerdings schwierig sein, meint er.

Die wenigsten Umfrageteilnehmer wollen auf den Busverkehr verzichten: 78 Prozent finden, dass die Busse überall weiterfahren sollen. „Das ist schon mal ein schönes Ergebnis“, sagt die Geschäftsführerin des Lübeck-Managements, Olivia Kempke. Die entscheidende Frage sei aber eine andere. „Wir müssen definieren, welche Funktion Lübeck hat – sind die Themen Einkaufen und Arbeiten überhaupt relevant?“, fragt Kempke. Die Menschen aus der Umgebung dürften nicht vergessen werden. Wismarer, Rostocker – wie nutzen sie die Innenstadt? „Lübeck ist ein Oberzentrum, wir haben ein Theater, das nicht nur von Bewohnern der Innenstadt besucht wird.“ Das „Durchheizen“ durch die Königstraße müsse aber unterbunden werden. „Für eineinhalb Jahre könnte man doch testen, ob sich eine stringente Verkehrsberuhigung auszahlt. Die muss aber durchgesetzt werden und alle müssen sich daran halten“, so Kempke.

Positiv überrascht von der Umfrage ist auch der Lübecker Architekt Ingo Siegmund, der Vorsitzender des Architekturforums ist, das die Debatte um die autofreie Altstadt angestoßen hat. „Die meisten Menschen haben angegeben, dass sie die Innenstadt zum Einkaufen nutzen, das heißt, es sind keine Anwohner, sondern diejenigen, die auf das Auto oder den Bus angewiesen sind“, sagt Siegmund. Dass gerade diese Menschen aus dem Umkreis eine Verkehrsberuhigung wünschen, sei aufschlussreich.

Entscheiden Sie mit

Die größte Bürgerbeteiligung Lübecks soll 2017 starten. Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) erklärte Ende Juli, dass die Bürger mitentscheiden sollen, wie sich der Verkehr entwickelt. Architekten sollen optisch umsetzen, was in Arbeitsgruppen diskutiert wird, um Transparenz zu schaffen.

Die Umfrage unter www.ln-medienhaus.de/autofrei ist den ganzen Sommer über online. Leser, die alternative Ideen zum Altstadtverkehr der Zukunft haben, können diese auch an redaktion.luebeck@ln-luebeck.de schicken.

 Tomma Petersen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige