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06:46 15.12.2017
Der traditionelle Weihnachtspunsch gehört neben dem Trollentrunk zu den Favoriten am Finnlandstand . Quelle: Fotos:wolfgang Maxwitat
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Innenstadt

Mit dem Glockenschlag der naheliegenden Marienkirche öffnet der Finnlandstand um Punkt 11 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt müssen alle Heißgetränke und der Grill für den Elchburger die richtige Temperatur erreicht haben. Und man glaubt es kaum. Kurz nachdem die Luken offen sind, strömen die ersten Kunden an den Stand und bestellen heißen Glühwein, dampfenden Trollentrunk und kräftigen Elchburger. Und nicht nur das. Einige bestellen Schnaps. Meist sind es Skandinavier, auch echte Finnen sind darunter. Sie möchten Salmiakki trinken, um genau zu sein. Den tiefschwarzen Lakritzlikör kennen die meisten aus ihrer Heimat und wissen: Der wärmt so richtig durch.

O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Alljährlich zieht der Weihnachtsmarkt Tausende Besucher in seinen Bann. Ein Blick hinter die Kulissen verrät aber schnell: Für den Weihnachtstraum bedarf es viel Arbeit und Liebe von Standbetreibern und Mitarbeitern.

Denn es ist kalt an diesem winterlichen Morgen. Die heißen Punschtöpfe in dem zwei mal fünf Meter großen Finnlandstand spenden nur wenig Wärme. Und zusätzlich weht ein eisiger Wind in der kleinen finnischen Hütte auf dem Markt. Im ganzen Stand verteilt hängen Bilder der malerischen finnischen Landschaften. Mystische Polarlichter schlängeln sich über die endlosen Wälder und Seen – oder schneebedeckte Häuser schlafen in der träumerischen Winterlandschaft.

„Wir verkaufen Bilder und Assoziationen, die die Menschen mit dem Land Finnland haben“, sagt Annika Salonen. Die gebürtige Finnin ist die Inhaberin des traditionellen Finnlandstandes und, wie sie sagt, eine echte „finnische Lübeckerin.“ Seit zehn Jahren bieten sie und ihr Team auf dem Lübecker Rathausmarkt gegenüber von Peek & Cloppenburg den typisch finnischen Weihnachtspunsch an.

Weihnachtsmarkt bedeutet auch, bekannte Gesichter wieder zu sehen. So zum Beispiel Reiima. Der etwa 90 Jahre alte Finne lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Mit seinen gutmütigen Augen und seiner weisen Art kommt er seit vielen Jahren am Stand gut an. Rentier-Blut trinkt er am liebsten; also einen großen Schnaps mit Preiselbeerlikör und Wodka. Jedes Mal erzählt er eine neue abenteuerliche Geschichte aus seinem bewegten Leben. Mal geht es um einen Wüstensturm in Dubai, mal um die bittere Kälte in den endlosen Wäldern Finnlands. Ob erfunden oder wahr, besonders eine Anekdote ist unvergessen. Nämlich die, in der er durch Zufall mit dem damaligen Präsidenten Finnlands in der Sauna saß.

Mit der Dämmerung am Nachmittag füllen sich die Gassen. Still verabschiedet sich das Tageslicht, und die vielzähligen bunten Lichter des Weihnachtsmarktes erstrahlen in voller Pracht. Kurze Zeit später ist die schmale Zeile komplett gefüllt mit Besuchern. Aus leisem Gelächter wird schallendes Lachen – und die Schlange wartender Besucher wird zusehends länger. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. 20 Weihnachtspünsche auf einmal. 17 Trollentrunke. Und von den sieben bestellten Schokoladen sollen vier mit Sahne zwei ohne und eine mit zwei Strohhalmen sein. Da ist bei der jungen Besatzung des Finnlandstandes eine Menge Konzentration, Teamwork und Ausdauer gefragt. Da darf bloß nichts schiefgehen.

Nur manchmal hat man das Schicksal nicht in der Hand. Vor einigen Tagen wurde der Alptraum eines jeden Standbesitzers wahr: Stromausfall in der Hauptverkaufszeit. 20 Uhr. Die Hütte ist brechend voll, und mit einem Schlag ist es stockdunkel. Die Töpfe funktionieren nicht mehr und die Kakaobereiter streiken. Aber viel schlimmer: Ohne Strom verweigert die Spülmaschine – das Herzstück der Standes – ihren Dienst. In Sekunden verwandelt sich die kleine Verkaufsfläche in ein Meer aus schmutzigen Bechern. Das einzige, was da hilft, ist Ruhe zu bewahren. Und es wird schnell deutlich: Es bedarf harter Arbeit, um den Weihnachtstraum am Leben zu halten.

Aber dennoch: „Das Marktleben ist ein tolles Leben: kommunikativ, bunt, aufregend“, sagt die finnisch-stämmige Endvierzigerin. Und dass Finnland und Weihnachten zusammengehören, ist klar, erzählt Annika Salonen. Schließlich komme der echte Weihnachtsmann aus Finnland. Eigentlich lebe er auf dem Berg Korvatunturi im fernen Norden des Landes. Dieser sei wie ein Ohr geformt, damit der Weihnachtsmann alle Wünsche der Kinder aus aller Welt hören kann. Aus praktischen Gründen lebe er jetzt im nördlichen Rovaniemi, wo man ihn ganzjährig besuchen kann. Wer allerdings nicht so weit reisen möchte, der kann sich am Finnlandstand in Lübeck einen authentischen Eindruck vom weihnachtlichen Finnland machen.

Von Fabian Boerger

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