Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord in 48 Fällen vor
Lokales Lübeck Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord in 48 Fällen vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 28.11.2018
Einsatzkräfte stehen vor einem Bus im Lübecker Stadtteil Kücknitz, in dem ein Fahrgast Mitreisende mit einem Messer attackiert hatte. Quelle: dpa
Lübeck

Nach dem Messer-Attentat auf einen Linienbus in Lübeck-Kücknitz hat die Lübecker Staatsanwaltschaft ein Sicherungsverfahren zur Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie beantragt. Dem 34-Jährigen wird versuchter Mord in 48 Fällen in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung vorgeworfen, darüber hinaus gefährliche Körperverletzung in acht und Körperverletzung in vier Fällen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Der Beschuldigte sei aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig, zugleich aber krankheitsbedingt gefährlich für die Allgemeinheit.

„Der Mordvorwurf wird mit dem Merkmal der Gemeingefährlichkeit der Tat begründet, in zwei Fällen wird dem Mann auch Heimtücke vorgeworfen“, sagte der Lübecker Rechtsanwalt Oliver Dedow, der den mutmaßlichen Täter verteidigt.

Ende Juli hatte der aus dem Iran stammende Beschuldigte mit deutscher Staatsangehörigkeit, in einem Bus in Lübeck-Kücknitz ein Messer gezogen und mehrere Fahrgäste attackiert. Zwölf Menschen wurden verletzt. In seinem Rucksack hatte der Messer-Angreifer außerdem einen Brandsatz mit mehreren Spiritusflaschen, die er anzündete.

Prozessbeginn im Januar geplant

Laut Dedow soll der Prozess Anfang Januar 2019 beginnen und voraussichtlich bis März dauern. Eine Sachverständige war zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass der mutmaßliche Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit unter paranoider Schizophrenie leide. Zum Zeitpunkt der Tat soll der Mann nach dieser Einschätzung nicht schuldfähig gewesen sein. Schon jetzt befinde er sich daher in der Psychiatrie, er war bereits im August aus der JVA Lübeck nach Neustadt (Ostholstein) in die Forensik verlegt worden.

Sachverständige: Täter schwer psychisch krank

Der Beschuldigte lebe in einer eigenen Welt, in der er sich verfolgt fühle und glaube, man wolle ihn mit Laser- und Hitzestrahlen attackieren, sagte Dedow. Zum Schutz vor solchen Attacken habe er beim Angriff auf den Bus auch trotz sommerlicher Temperaturen eine dicke Jacke getragen. So habe der Mann auch das Motiv für seine Tat begründet. Dedow: „Er wollte sich für die vermeintlichen Angriffe auf ihn rächen und hinterher erschossen werden.“ Laut Staatsanwaltschaft sah der Beschuldigte sich „wahnhaft einer Verschwörung ausgesetzt“, um diese zu beenden habe er alle Insassen des Busses töten wollen.

Lübecks Bürgermeister äußert sich

Der Kieler Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU), der sich nach dem Attentat in Lübeck ein Bild vom Tatort machte, wollte sich ebenfalls nicht äußern. „Während die Justiz ihre Arbeit macht, hält sich ein Innenminister mit Kommentaren zurück. Das gebietet der Respekt vor der Gewaltenteilung.“

„Es ist gut, dass der Prozess so zügig beginnt“, kommentierte der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). „Das hilft auch den Opfern Antworten auf die vielen Fragen zu erhalten, die wir alle noch haben.“

Mitfahrer hatten den Angreifer überwältigt

Der Fahrer des Busses hatte bei der Attacke im Juli geistesgegenwärtig reagiert und damit wohl Schlimmeres verhindert: Er stoppte den Bus und öffnete die Türen, damit die Menschen fliehen konnten. Mitfahrer überwältigten den Angreifer. Beamte nahmen den Mann kurze Zeit später fest.

Mehr lesen:

Messerangriff in Linienbus in Kücknitz – zwölf Verletzte

Held von Kücknitz: Busfahrer stellte sich Messerangreifer entgegen

Angreifer von Kücknitz schweigt

Im Video: Augenzeugen sprechen über brutalen Messerangriff in Bus

Bildergalerie: Die Schreckensfahrt nach Travemünde

Von Marcus Stöcklin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Seminargebäude ist fast einzugsfertig. Ende März soll hier der Studienbetrieb losgehen. Dies ist der erste Schritt zur Weiterentwicklung der TH Lübeck.

27.11.2018
Lübeck Stadtteilbüro wird räumlich von Schule getrennt - Stadt kommt protestierenden Eltern entgegen

Der Protest von besorgten Eltern in Travemünde trägt Früchte. Die Stadt verspricht eine räumliche Trennung zwischen Bürgerservice und Grundschule und ist flexibel bei den Öffnungszeiten.

27.11.2018
Lübeck Experiment in Lübeck - Einen Tag kostenlos Bus fahren

Das gab es noch nie in Lübeck: Der Stadtverkehr lädt alle Bürger am 1. Adventssonnabend ein, ohne Fahrschein alle Busse zu nutzen. Die Werbeaktion kostet die Stadt rund 50000 Euro.

27.11.2018