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Lübeck Messerstecherei: Ablauf nur Spekulation?
Lokales Lübeck Messerstecherei: Ablauf nur Spekulation?
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09:41 03.02.2016

 Vor dem Landgericht wurde gestern der sogenannte Messerstecher-Prozess fortgesetzt. Heinz W. wird vorgeworfen, auf seinen Nachbarn mit einem Messer eingestochen zu haben. Zehn Jahre Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung forderte die Staatsanwaltschaft am 13. Januar. Die Verteidigung plädierte gestern auf gefährliche Körperverletzung.

„Anhand der Spurenlage kann man nicht auf einen konkreten Tatablauf schließen“, sagte Verteidiger Thomas Schüller. Entscheidungsgrundlage sei nur, dass der Angeklagte die Oberhand in der Auseinandersetzung behalten hat. Dem Geschädigten, der zum Tatzeitpunkt 2,2 Promille im Blut hatte, wurden 20 Messerstiche zugefügt, er musste notoperiert werden. Ob es jedoch Absicht war, oder der Angeklagte aus Heimtücke gehandelt habe, sei reine Spekulation, so der Verteidiger weiter.

Er weist vor allem auf die unterschiedlichen Aussagen von Michael F hin. Sechs Tage nach seiner Operation hätte er der Polizei erzählt, dass ihn der Angeklagte angegriffen habe, als er in seiner Wohnung gerade das Rollo herunterziehen wollte. Vor Gericht sagte er dann aus, dass er vom Angeklagten angegriffen worden sei, als er auf der Couch schlief. Erst von den Verletzungen sei er aufgewacht. „Diese Version hat ihm aber keiner geglaubt. So kann es also nicht gewesen sein“, so Schüller. Der Geschädigte blieb aber bei seiner letzten Version. Nach Schüllers Meinung habe keiner von beiden verlässlich die Wahrheit gesagt, vor allem der Nachbar von Heinz W. sei unglaubwürdig. Was Herr F. gesagt hat, könne keiner überprüfen, betonte Schüller.

Auch die Blutspuren an der Tatwaffe werfen Fragen auf. Das Messer wurde zusammen mit dem Angeklagten, der 1,98 Promille im Blut hatte, in einem Schuppen gefunden und weist Spuren von Michael F und Heinz W. auf. Anscheinend hat der Angeklagte das Messer aus seiner eigenen Wohnung geholt. Die Messer-Serie, die der Geschädigte besitzt, weise aber den gleichen Griff auf. Zudem gebe es Blutspuren in der Küche bis zur Messer-Schublade. „Wo ist wann was passiert? Es kann auch ganz anders gewesen sein. Wir wissen es nicht“, so Schüller. Nur aus dem Vergleich der Verletzungen könnten jedenfalls keine Rückschlüsse gezogen werden.

Während des Plädoyers saß Heinz W. regungslos und in sich zusammengesunken auf der Anklagebank, den Kopf gesenkt. Zum Ende hatte der Angeklagte das letzte Wort. Nach einem kurzen Zögern schloss er sich den Ausführungen seines Verteidigers an und sagte: „Es tut mir leid.“ Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.





Aus dem
Gerichtssaal
„Anhand der
Spurenlage kann man
nicht auf einen konkreten
Tatablauf schließen.“
Verteidiger Thomas Schüller

bz

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