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Lübeck Mieten für kleine Wohnungen in Lübeck stark gestiegen
Lokales Lübeck Mieten für kleine Wohnungen in Lübeck stark gestiegen
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22:23 09.09.2016
„Viele Altbauwohnungen sind in den letzten Jahren modernisiert worden.“Sascha Färber (Haus & Grund)
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Lübeck

Die Mieten für kleine Wohnungen sind in den vergangenen vier Jahren kräftig gestiegen. Das geht aus dem neuen Mietspiegel 2016 vor, der jetzt vorliegt. 6,04 Euro pro Quadratmeter kostete die Nettokaltmiete für eine Altbauwohnung bis 40 Quadratmeter im Jahr 2012. Vier Jahre später sind es 7,60 Euro. Das ist eine Steigerung um 25,8 Prozent. Um über 30 Prozent stiegen die Mieten allein zwischen 2014 und 2016 bei großen Wohnungen, die bis 1948 und in den 1960er Jahren erstellt wurden. Auch mittelgroße, neuere Einheiten, die bis 1990 gebaut wurden, verzeichnen solche Preissprünge. „Es gibt in bestimmten Segmenten hohe Sprünge“, bestätigt Marcel Sonntag, Chef der Baugenossenschaft Neue Lübecker und Vorsitzender der Bezirksarbeitsgemeinschaft Südost der Wohnungswirtschaft. „In manchen Bereichen gibt es erhebliche Steigerungen“, sagt auch Sascha Sebastian Färber vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Neuer Mietspiegel liegt vor – Vor allem Altbauten haben bei den Preisen in den letzten vier Jahren kräftig zugelegt – Wirtschaftssenator kritisiert die Wohnungswirtschaft.

Das von der Stadt, Mieterverein und Wohnungswirtschaft beauftragte Hamburger Institut F + B wertete für den Mietspiegel 2114 Datensätze aus. Das durchschnittliche Mietniveau sei gegenüber 2012 um 0,55 Euro pro Quadratmeter auf 6,30 Euro Nettokaltmiete gestiegen. In guten Lagen gehen die Mieten bis über elf Euro hoch. Der ganz frische Mietspiegel widerlege alle Studien und Behauptungen, dass der Wohnungsmarkt in der Hansestadt entspannt sei, erklärt die Fraktionschefin der Grünen, Michelle Akyurt. Der Mangel vor allem an den begehrten kleinen Wohnungen sei verantwortlich für die starken Preissteigerungen, sagt die Fraktionschefin. „Lübeck hat es verpennt, rechtzeitig kleine Wohnungen zu bauen“, kritisierte Akyurt im Sozialausschuss der Bürgerschaft. Spätestens seit dem Wegfall von 2500 Sozialwohnungen im Sommer 2014 habe der Mieterverein konsequent auf die Wohnungsknappheit hingewiesen, so Katjana Zunft, Vorsitzende der Linken. Es sei ein Fehler gewesen, darauf nicht zu reagieren. Zunft: „Jeder, der mit Wohnungssuchenden zu tun hat, weiß, dass die Not steigt.“

Die großen Sprünge würden fast nur Altbauwohnungen in der Altstadt betreffen, relativiert Marcel Sonntag von der Bezirksarbeitsgemeinschaft Südost der Wohnungswirtschaft. Engpässe gebe es im Bereich kleiner, günstiger Wohnungen für Senioren, Studenten und Hartz-IV-Empfänger. Im Vergleich zu anderen Kommunen wie Kiel und Rostock gebe es in Lübeck moderate Mietsteigerungen, sagt Sonntag.

Die Vermieter hätten viel Geld in die Modernisierung ihrer Wohnungen gesteckt, begründet Sascha Sebastian Färber von Haus & Grund den Anstieg: „Badezimmer, Fenster und Küchen wurden erneuert. Das wurde zum Teil auf die Mieten umgeschlagen.“ Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) gibt den Ball weiter an die Vermieter. „Ich rede seit 2010 mit Engelszungen auf die Wohnungswirtschaft ein, dass Lübeck eine wachsende Stadt ist“, sagt Schindler. Der Bau von neuen Wohnungen verlaufe schleppend. Der Senator: „Uns fehlen Daumenschrauben und Druckmittel.“

Der Mieterverein, der stets mahnend den Finger erhoben hat, will sich zum neuen Mietspiegel nicht äußern. Es solle Ende September eine gemeinsame Presseerklärung geben, sagt Geschäftsführer Thomas Klempau: „Daran will ich mich halten.“ Für die betroffenen Mieter ist die Steigerung der Nettokaltmieten nicht das größte Problem. „Die Betriebskosten sind in Lübeck erheblich gestiegen“, verweist Haus & Grund-Geschäftsführer Färber auf die berühmte zweite Miete. Müll- und Straßenreinigungsgebühren seien kräftig in die Höhe getrieben worden. Färber: „Deshalb führen wir schließlich auch Prozesse vor den Verwaltungsgerichten.“

25,8

Prozent stiegen die Mieten für kleine Altbauwohnungen (errichtet bis 1918) in der Größe zwischen 25 und 40 Quadratmetern. Bei den besonders schlichten Wohnungen gab es allein zwischen 2014 und 2016 Steigerungen von 35,6 Prozent

29,3

Prozent stiegen die Mieten von 2012 bis 2016 bei Wohnungen, die zwischen 40 und 65 Quadratmetern groß sind und zwischen 1979 und 1990 errichtet wurden.

 Kai Dordowsky

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