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Lübeck Mieter für das Kaisertor gesucht
Lokales Lübeck Mieter für das Kaisertor gesucht
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13:29 15.10.2017
1898 wurde das Kaisertor wieder geöffnet. Die historische Aufnahme zeigt ganz rechts die Sternwarte von 1860.

„Viele Lübecker kennen das Gebäude gar nicht“, weiß KWL-Architekt Hauke Guttenberg, der tief in die Geschichte des Ensembles abgetaucht ist. Ein üppiger Baumbestand verdeckt das zwischen Mühlenteich und Elbe-Lübeck-Kanal gelegene, ehemalige Stadttor, das 1290 errichtet wurde. Die KWL hat das Gebäude im vergangenen Jahr für eine halbe Million Euro vom Land gekauft. „Jetzt wollen wir den verborgenen Schatz heben“, sagt KWL-Chef Dirk Gerdes, „die Lage und die Adresse wiegen derart schwer, dass es an lübscher Bedeutung kaum zu überbieten ist“.

Die Immobilie liegt versteckt in den Wallanlagen und blickt auf eine über 700-jährige Geschichte zurück. Aktuell leben hier gut 70 Flüchtlinge. Der Eigentümer, die städtische KWL, hat Großes mit dem historischen Gebäude vor und sucht jetzt nach einer Nutzung und Mietern.

Alle möglichen Nutzungen kann sich die KWL hier vorstellen. Büros, Arztpraxen, Gastronomie, Hotel, ein Seminarzentrum oder sogar die Heimstatt für ein Start-up-Zentrum, über das bei der städtischen Wirtschaftsförderung gerade nachgedacht wird. Die Lage wäre auch großartig für Wohnungen. Für die aber, sagt Guttenberg, werde man kaum eine Zustimmung der Stadtplanung bekommen.

Die KWL will das Gebäude sanieren und dann an einen oder mehrere Nutzer vermieten. Die städtische Gesellschaft hat damit durchaus Erfahrungen. Sie hat einen Speicher auf der Nördlichen Wallhalbinsel in die Media Docks verwandelt, das Kanzleigebäude umgebaut und zuletzt den früheren Hafenschuppen 10/11 neu belebt. Gerdes rechnet damit, dass für die Modernisierung des denkmalgeschützten Gebäudes ein niedriger Millionenbetrag fällig wird. Rund 1100 Quadratmeter Nutzfläche sind in Altbau, Neubau und Erweiterungsbau verfügbar. Im zweiten Obergeschoss gibt es zudem eine gut 150 Quadratmeter große Wohnung. Im ersten Obergeschoss sind Unterrichtsräume, die an die „Feuerzangenbowle“ erinnern. Die sind für künftigen Nutzer tabu, müssen so bleiben, wie sie sind. Auch die Grundrisse müssen weitgehend erhalten bleiben. Der NDR, der ebenfalls in dem Gebäude zu Hause ist, möchte gerne bleiben. Die KWL weiß auch, dass die Zufahrt nicht ganz unproblematisch beispielsweise für Arztpraxen ist. Direkt am Parkhaus gibt es nur sechs Parkplätze, auf einer Kiesfläche, die der Stadt gehört, ist aber Platz für weitere zehn bis zwölf Fahrzeuge.

Dirk Gerdes ist sicher, dass sich Interessenten für das Objekt finden lassen. Die können sich bei der Projektverantwortlichen Nadine Severos (severos@luebeck.org) melden. Sobald die städtische Gesellschaft weiß, wer in das Kaisertor soll, werden Planung, Ausschreibung und Auftragsvergaben eingeleitet. Wie viel Miete der oder die künftigen Nutzer zahlen müssen, könne derzeit noch nicht seriös beziffert werden, sagt Architekt Guttenberg. Im März 2019 soll mit dem Umbau begonnen werden. Bis dahin läuft der Mietvertrag der Flüchtlingsunterkunft.

Vor den Geflüchteten waren Polizeibeamte des 1. Reviers für zwei Jahre hier zu Hause, weil ihre angestammte Wache Mengstraße umgebaut wurde. Von 1993 bis 2011 saß das Institut für Mathematik der Uni in dem versteckten Gebäude. Von 1826 bis 1993 war das Kaisertor eine Seefahrtsschule. Bei der Untersuchung der Kellergeschosse stießen KWL-Mitarbeiter und Denkmalschützer auf eine unterirdische Wehranlage. Guttenberg: „Vor zwei Jahren haben wir die verrostete Tür geöffnet und einen Joghurtbecher von 1987 gefunden.“

Lange Geschichte

Das Kaisertor, das laut städtischer KWL nach seinem Bauherren benannt ist, wurde 1290 errichtet und diente neben Holstentor, Hüxtertor, Burgtor und Mühlentor als Zugang zur Altstadt. 1500 wurde das Tor auf Geheiß der Domherren zugemauert, um den regen Handelsverkehr zu unterbinden. 1660 wurde der Turmschaft abgerissen. 1898 wurde das Tor wieder geöffnet und ein zweigeschossiger Neubau daraufgesetzt. 1926 wurde ein Anbau errichtet und 1936 erfolgte noch eine Erweiterung. Seit 1992 steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz.

 Kai Dordowsky

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