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Lübeck Mieterverein kritisiert Wohnungswirtschaft
Lokales Lübeck Mieterverein kritisiert Wohnungswirtschaft
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21:13 21.03.2016

Die Wohnungswirtschaft habe den Bau von Sozialwohnungen jahrelang sträflich vernachlässigt. Thomas Klempau, Geschäftsführer des Mietervereins, wirft den großen Wohnungsgesellschaften vor, überwiegend hochpreisig zu bauen. Klempau ist skeptisch, dass die Unternehmen den Plan von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) tatsächlich nutzen, um verstärkt günstigen Wohnraum zu schaffen. „Ich habe Zweifel, dass das neue Verfahren wilde Entschlossenheit wecken kann.“ Damit reagiert Klempau auf die Jubelrufe der Wohnungswirtschaft zum Saxe-Plan.

Der Bürgermeister hat angekündigt, den sozialen Wohnungsbau ankurbeln zu wollen, indem die Stadt Grundstücke um bis zu 80 Prozent billiger an Investoren abgibt. Seine Auflage: Die Bauherren müssen sich zur Schaffung von preisgünstigen Wohnungen verpflichten. Der Verband der norddeutschen Wohnungswirtschaft und große Unternehmen begrüßten den Plan (die LN berichteten).

Bislang würden die Unternehmen den Bedarf an Mietwohnungen zum Preis von 5,65 Euro pro Quadratmeter kaum abdecken, kritisiert der Mieterverein. Stattdessen würden Einheiten für 8,50 bis zwölf Euro der Quadratmeter errichtet. Geschäftsführer Klempau: „Hier können hohe Renditen erwirtschaftet werden, es gibt keine Mietpreisbindung, man hat freie Auswahl unter den Mietinteressenten.“ Wenn sich ein Unternehmen doch einmal im Sozialwohnungsbau engagiert habe, dann sei es dabei fast ausschließlich um den Ersatz von abgerissenen Einheiten oder Modernisierungsmaßnahmen gegangen. Klempau: „Eine Erweiterung des Bestandes an Wohnraum mit günstigen Mieten hat tatsächlich nicht stattgefunden.“

Saxes Plan, den Sozialwohnungsbau durch verbilligte Grundstücke anzukurbeln, stößt bei den Politikern auf ein geteiltes Echo. SPD und Linke unterstützen den Bürgermeister. „Wenn wir schnell viele neue Wohnungen realisieren wollen, brauchen wir Anreize für die Investoren, und die kosten eben auch Geld“, sagt Jan Lindenau (SPD). Als „kreativ und vernünftig“ bezeichnet Antje Jansen (Linke) den Vorschlag. „Es wird höchste Zeit, dass der Bau von Sozialwohnungen angekurbelt wird“, erklärt Thorsten Fürter (Grüne). Es spräche auch nichts dagegen, Grundstücke billiger abzugeben. Fürter: „Aber Saxes Konzept leuchtet uns noch nicht ein.“ Wichtig sei, dass jeder Investor eine Chance habe.

CDU, BfL und FDP haben Bedenken. „Man muss hinterfragen, ob eine klamme Stadt sich solche Subventionen leisten kann“, sagt Thomas Rathcke (FDP). Es gebe bereits jede Menge Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau, bemerkt Marcel Niewöhner (BfL) und fordert, dass Saxe endlich die Bebauung des brachliegenden Schlachthofes durchsetzen solle. Der BfL- Politiker: „Dann hat er schon ein paar Sozialwohnungen.“ Das sei wieder einmal eine der Luftnummern des Bürgermeisters, kritisiert Andreas Zander (CDU). Saxe habe eine Idee, aber keinen Plan von der Umsetzung. „Der Bürgermeister sollte mit dem Land reden, dass es auf eine Erstaufnahme in Rothebek verzichtet.“ Dort könnten Wohnungen statt einer Flüchtlingsunterkunft gebaut werden.

Von dor

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