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Lübeck Millimeterarbeit mit sechs Tonnen
Lokales Lübeck Millimeterarbeit mit sechs Tonnen
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20:10 18.10.2017
Innenstadt

Eigentlich hätte der alte Mast gut und gerne noch weitere fünf Jahre gehalten. Denn der 24 Meter lange Baumstamm hat noch keine Sicherheitsmängel, sondern nur ein paar Schönheitsflecken. Der 76-jährige Schmarje wollte den Großmast aber lieber vor seinem 80. Geburtstag ersetzen: „Wenn du erstmal so alt bist, dann hast du da auch keine Lust mehr zu.“ Der Bootsbaumeister begleitet die „Lisa“ schon seit ihren Anfängen. „Unter meiner Regie wurde die Kraweel 2005 gebaut.“ Deswegen ließ er es sich auch nicht nehmen, den neuen Mast zu bauen und den alten zu ziehen.

Millimeterarbeit: Bootsbauer Heino Schmarje (vorne) dirigiert den neuen Mast vorsichtig aus der Hanseschiff- Werft auf der Nördlichen Wallhalbinsel.
Fast geschafft: Vorsichtig wird der sechs Tonnen schwere Großmast der „Lisa von Lübeck“ mitsamt seinem Mastkorb zu Boden gelassen. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Insgesamt ein Jahr lang hobelte und schliff Schmarje mit den Mitarbeitern der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck und der Jugendbauhütte an dem neuen Großmast der „Lisa“. Zuvor war die Douglasie ein Jahr lang gewässert worden. Das Endergebnis ist ein 60 Zentimeter dicker und 25 Meter langer neuer Großmast. „Extra einen Meter länger als der alte“, sagt Schmarje. „Damit können wir besser segeln.“

Seit 2005 stand der alte Großmast in seiner Halterung im Bug des Schiffes. Unter ihm war ein Schatz versteckt. „Es ist Tradition, eine Goldmünze unter einen neuen Mast zu legen“, erklärt Schmarje.

Die kommt natürlich auch wieder unter den neuen Großmast.

Zwei Kräne sind nötig, um den sechs Tonnen schweren Mast aus der „Lisa“ zu heben. „Gestern haben wir schon versucht, ihn selber anzuheben“, erzählt Kapitän Hans Heuer. „Aber das hat nicht geklappt.“

Viele Schaulustige haben sich auf der Wallhalbinsel eingefunden und beobachten mit Spannung das Ereignis. Die größte Angst: Möglicherweise hat sich der alte Holzmast unten verkeilt und kann nicht einfach gezogen werden. Heino Schmarje hätte aber auch für dieses Problem einen Plan B: „Wenn wir ihn nicht rausbekommen, liegt die Kettensäge bereit.“ Doch die braucht Schmarje gar nicht. Es knackt nur einmal kurz, und schon schwebt der sechs Tonnen schwere Großmast in der Luft. Langsam lassen die Kräne den Mast auf den Boden sinken. Dann ist es geschafft: Der Großmast liegt auf dem Boden, und Schmarje ist zufrieden: „Das hat doch alles gut geklappt.“ Als nächstes müssen Taue, Mastkorb und die Webleinen an den neuen Mast gebracht werden. In vier Wochen soll der dann auf die „Lisa“ gesetzt werden. „Wir müssen vorher alle Knoten neu knoten, das dauert“, sagt der Bootsbaumeister.

Der alte Mast könnte in Zukunft die Achse einer Wendeltreppe werden. Beschlossen ist da aber noch nichts Genaues. Nur eines steht fest: „Weggeworfen wird der auf keinen Fall“, betont Schmarje. Bevor über die Zukunft des Stammes entschieden wird, gibt es für alle Helfer aber erst einmal Sauerkraut und Eisbein zur Stärkung.

Der neue Großmast

Eine 110 Jahre alte Douglasie aus dem Behlendorfer Forst war das Grundmaterial für den neuen Mast.

Zweieinhalb Jahre sind seit Lieferung des Baumes vergangen. Mitarbeiter der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck und der Jugendbauhütte haben aus dem Baum einen Mast gemacht, den Umfang der Douglasie haben sie von 120 Zentimetern auf 60 Zentimeter verringert.

25 Meter ist der neue Mast hoch.

Saskia Hassink

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