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Lübeck Millionen-Bau: Uni-Boom geht weiter
Lokales Lübeck Millionen-Bau: Uni-Boom geht weiter
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22:53 07.09.2013
So sieht der Entwurf des Architektenbüros aus. Zurzeit kann man auf der vorgesehenen Fläche für den Neubau parken. Quelle: Foto: hammeskrause architekten

Als im Juli 2010 die Zukunft der Lübecker Universität auf des Messers Schneide stand, kam die Botschaft des höchsten deutschen Expertengremiums aus Berlin — zu werten wie ein Ritterschlag — wie gerufen. So empfahl der Wissenschaftsrat damals ausdrücklich den Bau eines neuen millionenschweren Uni-Gehirnzentrums. Jetzt bekommt dieser Forschungsneuling aus Stein, der im nächsten Monat Richtfest feiert, einen noch teureren und größeren Gebäude-Zwilling. „Stimmt, die Ministeriumsampel steht definitiv auf Grün“, erklärt Prof. Enno Hartmann, der Baubeauftragte im Uni-Präsidium, „die finanziellen Mittel des Landes stehen bereit, so dass das ,BMF‘ — als Abkürzung für ,Biomedizinische Forschung‘ — ab 2015 gebaut werden kann.“

Über 40 Millionen Euro sollen an der Marie-Curie-Straße investiert werden, um auf einer Nutzfläche von knapp 7000 Quadratmetern Platz für mehr als 350 Wissenschaftler zu schaffen. „Die Bauzeit wird ungefähr zweieinhalb Jahre betragen“, kündigt der beauftragte Architekt Markus Hammes aus Stuttgart an. Sein 50-köpfiges Architekten-Team ist eines der wenigen in Deutschland, das sich auf Forschungsbauten spezialisiert hat. Entsprechend verwundert es nicht, dass die schwäbischen Experten auch das Gehirnzentrum konzipiert haben, das eigentlich den offiziellen Namen „CBBM“ trägt. In diesem viergeschossigen Neubau wird zukünftig zu den Themenfeldern Gehirn, Hormone und Verhalten geforscht.

Der später geborene „BMF“- Zwilling soll jetzt vor allem die neue Uni-Heimat der Infektions- und Entzündungsforscher werden. „Damit haben wir unsere traditionellen Forschungsschwerpunkte baulich in direkter Nachbarschaft zueinander“, erklärt Koordinator Prof. Werner Solbach, Chef der Uni-Mikrobiologie. Man sei sehr glücklich darüber, dass beide Häuser gemeinsam von einem Architektenbüro realisiert werden können. Warum diesem Umstand so viel Bedeutung beigemessen wird, zeigt sich bei einem Blick in den innovativen Architekten-Entwurf.

„Sie können aus dem Foyer sowohl in das eine als auch in das andere Gebäude gehen und in den als Treffpunkt geplanten Lichthöfen jederzeit zusammenkommen“, erläutert Hammes, „wir sehen diese Nähe als große Chance für die Wissenschaft.“ Denn so könnten die Forscher in den Arbeitspausen spontan beieinander sitzen, sich austauschen und über Hypothesen, Versuchsansätze und Ergebnisse diskutieren.“

Dass dieses Kommunikations-Konzept auch funktioniert, weiß der Fachmann von bundesweit vergleichbaren Vorhaben, die seinem Büro schon mehrere Architektur-Auszeichnungen beschert haben.

Um zu verdeutlichen, wie sinnvoll Gehirn- und Entzündungsforscher kooperieren können, nennt Solbach das Beispiel „krankhaftes Übergewicht“. So sei mittlerweile anerkannt, dass diesbezüglich das Gehirn eine große Rolle spiele; „außerdem weiß man inzwischen, dass Entzündungsprozesse im Fettgewebe zu den Folgeerkrankungen führen, die mit Übergewicht assoziiert sind“, führt der Wissenschaftler aus.

Die Architekten-Planung sieht auch vor, sogenannte Laborlandschaften zu schaffen. „Dadurch entstehen kurze Wege, und die Arbeitsabläufe können optimiert werden“, sagt Diplom-Ingenieur Hammes.

Weiterhin ist beabsichtigt, die hochmodernen Analyse-Großgeräte, die bisher über den Campus verstreut sind, in sogenannten Technik-Pools zu konzentrieren, damit sie möglichst von vielen Uni-Forschern gemeinsam genutzt werden können. „Die oftmals teuren Anschaffungen lohnen sich so durch intensivere Auslastung noch mehr; zudem kommen wir zu einer großen Flächeneffizienz“, kommentiert Hammes.

Dass die Bautätigkeit auf dem Hochschul-Campus in den nächsten Jahren munter weiter gehen wird, ist mehreren Beschlüssen geschuldet. So müssen die Forscher bis 2017 das marode Transitorium-Gebäude auf dem Campus verlassen; aus dem Uni-Zentralklinikum sollen sie bis zum Jahr 2018 ausziehen, da dieses zukünftig nur noch der Krankenversorgung dienen soll. Und die Instituts- und Klinik-Baracken, die noch stehen, sollen auch verschwinden. „Da müssen also noch ordentlich Ersatz- Räumlichkeiten her“, bemerkt der Uni-Baubeauftragte Hartmann.

Geplanter Neubau
Zentralklinikum
Hirnzentrum (im Bau)
Institut für Informatik
Neue Parkfläche entsteht
Auf der Campus-Fläche, die für die beiden neuen Forschungsbauten reserviert wurde, durfte bisher geparkt werden. Neue Stellflächen für Pkws entstehen nun an zwei Standorten: So sollen Patienten, Besucher und Mitarbeiter ihre Autos künftig in einem Parkhaus abstellen können. Der Bau soll im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Auch in der Maria-Goeppert-Straße entsteht neuer Parkraum. Allerdings sind die knapp 300 überdachten Stellplätze eher für Mitarbeiter der MFC-Gebäude reserviert.

Michael Hollinde

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