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Lübeck Massive Kritik am Untertrave-Umbau
Lokales Lübeck Massive Kritik am Untertrave-Umbau
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11:55 12.07.2018
Der neue Drehbrückenvorplatz wird schön, aber eben auch schön teuer. Quelle: Fotos: John Garve/54°, Lutz Roessler (3)
Lübeck

Extrem sauer reagieren die Politiker auf die Mehrkosten. „Eine Million Euro extra schrecken mich schon ab“, macht Ragnar Lüttke (Linke) klar. Die Stadt habe nicht endlos Geld. „Irgendwann muss ich auch mal Nein sagen.“ Thorsten Fürter (Grüne) stimmt zu: „Defacto ist es eine Verdoppelung des Eigenanteils der Stadt.“ Und Detlev Stolzenberg (Unabhängige) bringt es auf den Punkt: „Erst wird mit einer relativ attraktiven Grundfinanzierung für das Projekt geworben. Im Nachhinein erhöhen sich dann die Kosten. Und wenn wir jetzt Nein sagen, dann fährt das Ganze vor die Wand“, ärgert er sich über das Vorgehen.

Unbequeme Nachfragen: Politiker von Grünen, Unabhängige und Linken lehnen extra Geld für die Frischzellenkur der Untertrave ab – und wollen es im Hauptausschuss genau wissen. Denn der Umbau ist fast eine Million Euro teurer geworden. Die Stadt muss doppelt so viel zahlen wie geplant.

Grund für die massive Kritik: Der umstrittene Umbau der Untertrave ist teurer geworden. Die Neugestaltung kostet nun 8,53 Millionen Euro – statt der geplanten 7,58 Millionen Euro. Davon zahlen Bund und Land zwar den größten Teil: 6,6 Millionen Euro.

Aber die Stadt muss jetzt 1,93 Millionen Euro beisteuern – fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Denn bislang hatte die Stadt mit Ausgaben von nur 980000 Euro gerechnet. Aber nun ist das Projekt teurer geworden – um 950000 Euro. Die muss die Stadt bezahlen.

Die Umgestaltung der Untertrave wird für die Stadt fast doppelt so teuer wie geplant. Sollte die Bürgerschaft die Mehrausgaben bewilligen?
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Teurer geworden ist vor allem der Glanzpunkt der Umgestaltung des Drehbrückenplatzes: die große, breite Treppe hinunter zur Trave. Der Hauptausschuss hat den Extra-Ausgaben jetzt zugestimmt: Allerdings nur mit den Stimmen von SPD und CDU. Abgelehnt haben das Grüne, Linke und Unabhängige. Die AfD hat sich enthalten. Am 30. August muss die Bürgerschaft die Mehrkosten endgültig absegnen.

Stadt verteidigt die Mehrkosten

Die Stadt indes verteidigt die eine Million Euro extra. „Wir haben es geschafft, die Fördergelder zu retten“, macht Matthias Drever klar, stellvertretender Bereichsleiter Verkehr. Denn: Nach dem Bürgerentscheid im Dezember 2016 stand der gesamte Umbau der Untertrave in Frage, denn die Bürger wollten die Linden erhalten. Das Bauprojekt wurde dann so umgeplant, dass nur der Abschnitt der Untertrave ohne Linden umgebaut wird. „Es musste alles schnell gehen, da kann es sein, dass man mal etwas vergessen hat“, sagt Drever. Und Bereichsleiterin Steffi Wulke-Eichenberg sagt: „Die Förderung ist gedeckelt, es ist ausgeschlossen, dass sie sich erhöht.“ Und sie warnt: „Wenn wir den Bau der Wassertreppe rausnehmen, dann kann das dazu führen, dass die Fördergelder wegfallen.“ Fürter bleibt hartnäckig: „Die Frage ist, ob es dazu eine Alternative gibt.“ Er kritisiert das Vorgehen. „Mir ist es zu wenig zu sagen: ,Wenn ihr das nicht macht, riskiert ihr die Fördermittel’.“ Und Stolzenberg will wissen, ob an anderer Stelle eingespart werden könne: „Nur zu sagen, dass die Kosten gestiegen sind, reicht nicht.“

Debatte wird öffentlich

Stolzenberg hatte dafür gekämpft, dass die neue Kalkulation des Projekts nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, sondern öffentlich. Zum Unmut von Bürgermeister Jan Lindenau (SPD): „Wenn das zu finanziellem Schaden führt, muss das der Haushalt tragen.“ Allerdings wurde die Summe gar nicht öffentlich benannt, wohl aber die Begründung für die Mehrkosten.

Denn die eine Million Euro extra setzt sich zusammen aus der allgemeinen Steigerung der Baukosten, Mehrkosten für die Wassertreppe durch extra Spundwände, die Barrierefreiheit sowie nicht kalkulierten Planungskosten. Zudem wurden Kosten für archäologische Grabungen vergessen, die durch den Abriss des WC-Häuschens und den Neubau des Kiosks entstehen. Außerdem hat die Stadt ihre aktuelle Kalkulation mit einem finanziellen Puffer versehen.

Auf Facebook diskutieren die LN-Leser über das Thema:

Die Stadt muss doppelt so viel zahlen als geplant.

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 11. Juli 2018

Von Josephine von Zastrow

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